Gebhard Truchsess von Waldburg

von Wilhelm Kohl
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"WALDBURG, Gebhard Truchsess v., Kurfürst u. Erzbischof von Köln, * 10.11. 1547, + 21.5. 1601 in Strassburg. - G., Sohn des kaiserlichen Rates Wilhelm Erbtruchsess v. W. aus der Scheer'schen (später Trauchburgischen) Linie, eines Bruders des Kardinals Otto (1514-1573), und seiner Gemahlin Johanna Gräfin v. Fürstenberg, wurde seit 1558 von Kardinal Otto erzogen und besuchte dann die Universitäten Dillingen, Ingolstadt, Löwen, Perugia, vielleicht auch Rom und Bologna, erhielt 1560/68 Domkanonikate in Augsburg, Strassburg und Köln, wurde 1574 in Strassburg zum Domdechanten gewählt und 1576 vom Papst zum Dompropst von Augsburg ernannt. G. wurde als gelehrt und fromm gerühmt, aber auch als leichtfertig angesehen.
Nach Erzbischof Salentins Verzicht auf Köln traten die Calvinisten Hermann Graf v. Neuenahr und Hermann Adolf Graf v. Solms für die Wahl G.s zum Nachfolger ein, gegen den vom Papst empfohlenen Bischof von Hildesheim, Ernst Herzog in Bayern. G. wurde am 5.12. 1577 gewählt, nahm am 19.3. 1578 die Priesterweihe und leistete am 24.4. d.J. in Koblenz den Eid auf das Tridentinum. Noch im April gestattete Kaiser Rudolf II. ihm den Gebrauch der Temporalien und nahm ihn am 28.5. unter die Kurfürsten auf. Am 19.3.1580 folgte die päpstliche Konfirmation.
Der Erzbischof erwies sich anfangs als streng altkirchlich, war aber bereits in heftiger Leidenschaft für die Gerresheimer Stiftsdame Agnes Gräfin v. Mansfeld entbrannt, die bald öffentlich bei ihm lebte. Auf Drängen ihrer Verwandten versprach G., Agnes zu heiraten und das Erzstift zu resignieren, jedoch rieten ihm protestantische Freunde, das Erzbistum zu behalten, es dem Protestantismus zuzuführen und Glaubensfreiheit zu gewähren. Die katholische Partei im Domkapitel und die Stadt Köln nahmen daraufhin Verbindung zu Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg und Herzog Alexander von Parma auf, um der Entwicklung Einhalt zu gebieten. Obgleich G. Anfang 1582 Agnes heimlich heiratete, trat er weiterhin katholisch auf. Er sammelte Truppen, setzte sich in den Besitz von Bonn und einiger Burgen, vertrieb Mönche und Nonnen aus ihren Klöstern, plünderte den Bonner Stifts- und den Kölner Erzstiftsschatz in Brühl. Am 19.12. 1582 erklärte er öffentlich seinen Übertritt zur evangelischen Lehre. Das Domkapitel verklagte ihn am 26. d.M. beim Papst. Die Erzstiftsstände stellten sich am 1.2. 1583 gegen ihn. Kaiserliche und päpstliche Gesandte vermochten G. nicht umzustimmen.
Im März 1583 entbrannte der Krieg. Kurkölnische und spanische Truppen standen gegen das Heer G.s und einiger protestantischer Stände des Oberrheinischen Kreises. Die Hauptstütze G.s bildeten die Pfalzgrafen und die Niederländer. Am 2.2. 1583 fand die öffentliche Trauung G.s mit Agnes in Bonn durch den protestantischen Prediger Pantaleon Weiss (Candidus) statt. G. begab sich darauf nach Dillenburg. Der Papst belegte ihn am 1.4. 1583 mit dem Bann und setzte ihn ab. Ungeachtet des Protestes der drei evangelischen Kurfürsten wurde Ernst, Herzog in Bayern, am 23.5. d.J. zum neuen Erzbischof von Köln gewählt. Der Kaiser bestätigte die Absetzung G.s. Am 6.2. 1585 erkannten die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg die Wahl Ernsts an. Unter starken Verwüstungen des Landes zog sich der Truchsessische Krieg bis 1588 hin, obgleich die katholischen Truppen sehr schnell das Übergewicht erlangten und die Pfalzgrafen sich vom Kampf zurückzogen. Versuche, England für G. zu gewinnen, scheiterten.
Als G. beim Marsch seines Heeres in die Niederlande am 31.3.1584 eine vernichtende Niederlage erlitt, verloren auch die Oranier ihr Interesse an ihm. 1588 zog er sich nach Strassburg zurück, wo er bis zum Tode als Domdechant lebte, da die Protestanten im Kapitel die Mehrheit besassen. Er hinterliess keine Kinder."

Bautz Biographisches-bibliographisches Kirchenlexikon, Band XIII (1998) Spalten 189-191.

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