1646 Merian: In dem Ertz=Stifft und Churfürstenthumb Cölln.

Bonn. Man hat vor Zeiten diejenige Ubios, so zwischen dem Rhein, der Maas, und Mosel, gewohnt, die Ripuarios, und Ripariolos genant; denen die Stätte Cölln, Andernach, Bonn , Rimägen, Deuren, Gülch, Neuss, Julich, und Aach gehört haben. [...]

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So viel aber obgedachtes Bonn, anbelanget, so ist solches die Residentz-Statt des Herrn Churfürsten zu Cölln. Ist eine schöne luftige wolerbawete, und in der Ebne gelegene, auch ziemlich veste Statt, darinn die Hauptkirch, sampt dem Churfürstlichen Schloss, insonderheit wol zu sehen. Und müssen die den Rhein gebrauchende Schiffleut, und andere, im fürüber fahren, da den Zoll geben. Der heilige Maternus solle, bald nach der Apostel Zeit, allhie gelehrt, und dess Mercurii, den die Teutschen Ubii angebettet, Altar, und Bildnuss, daher diese Statt etwan Ara Ubiorum geheissen, umgestossen haben. Es hat umb die Statt herumb ein schönes Traidland (?), schöne Gärten, allerley Früchte und einen guten Weinwachs; daher auch der Nam soviel, als ein guter Sitz, oder Lager, und Wohnung bedeutet: allda der Römische Feldherr Drusus, unter dem Keyser Augusto, ein Castell allhie erbawet, darauss folgends eine Statt worden, die Keyser Julianus bevestiget hat. Es werden diese Verss von ihr gelesen:

Bonna solum foelix, celebris locus, inclyta tellus,
Florida Martyrio, terra sacrata Deo,
Exulibus requies, asylum mite fristi/fecisti(?)
Semper, Externi te reperere suam.

Hat einen schönen Marckt, unnd herrlichen Brunnen. Das grosse Rheingebürg, so von Bingen, biss an diese Statt, den Rhein zu beyden seiten einfasset, thut sich allhie widerumb verziehen, und macht ein hüpsche Ebne; wie davon Munsterus lib. 5. c. 166. zu lesen. Es gibt auch luftige Jagten herumb: und ist der Lufft da gesund.

Obgedachte Hauptkirch, hat ein Stifft, und ihre Domherrn; darinn etlicher heiliger Märtyrer Cörper, auss der Thebeischen Legion, so, als Christliche Soldaten, unter dem Keyser Maximino, allhie erdapt, und getödtet worden, als dess Pii, Cassii, Florentii, unnd Malusii, mit ihren Gesellen, ruhen; deswegen auch solche Kirch stattliche Freyheiten hat; die ihr S[ankt] Helena, als derselben Erbawerin, zu wegen gebracht haben solle. Besiehe aber, was hievon P. Bertius in dieser Statt Beschreibung; und von dem obgedachten Namen, Ara Ubiorum, Justus Lipsius in notis lib. 1 Annalium Taciti (welcher, wie auch Ptolemaeus, Florus, Antoninus, und die Tabula Peutingeriana, dieses Orts gedencken) fol. 26 erinnern: Von dieser Statt aber selbsten auch den G.Braunen, im zweyten Theil seines Stättbuchs, und Casp.Ens, in deliciis apodemicis per Germaniam, p.134.

Unter Keyser Carolo Crasso, haben die Nordmannen diese Statt Bonn, sampt Cölln, unnd den umbligenden Castellen, Tulbiack, und Neuss, mit Fewer, und in andere Weg verderbet. König Johannes auss Böhmen hat sie einmals belägert. Anno 1584 ward sie von dess abgesetzen Erzbischoffs Gerbhardi zu Cölln Soldaten, seinem Nachfolger, Churfürsten Ernesto, gegen vier tausend Thaler, ubergeben: Aber durch List dess Martin Schencken im Jahr 1587 eingenommen, und darauff, noch im selbigen jahr, vom Hertzogen zu Parma belägert, in dem folgenden erobert, und dem Herrn Churfürsten Ernesto, zugestellet.

Es ligt nicht fern von hinnen das Schloss Poppelsdorff, dabey ein Fleck ligen solle:

Item, das Schloss Godesberg, oder Godesburg, auff einem hohen, und gähen kiefechten (?)Berg, so Anno 1583 in dem Cöllnischen Krieg, von den Bayrischen erobert worden. Man vermeynet, dass der fürnembste Tempel dess obgedachten Heydnischen Abgotts Mercurii, vor Zeiten allhie, nämlich, ein Meil von Bonn, gegen Mittagswerts, gestanden; daher noch dieser Ort den Namen, gleichsam Gottes=Berg, oder Burg, habe. Dann die alten Teutschen vor andern Götzen, insonderheit den Mercurium, wie Tacitus bezeuget, verehret, unnd ihme auch, zu gewissen Tagen, Menschen geopffert haben.


Merian, Matthäus: Topographia Archiepiscopatuum Moguntinensis Treuirensis et Coloniensis, das ist Beschreibung der vornembsten Stätt und Plätz in denen-Ertzbistumen Mayntz, Trier und Cöln. An Tag gegeben durch Matth. Merian 1646, p. 49 - faksimilierter Neudruck, Frankfurt/M.: Frankfurter Kunstverein 1925, nach: http://www.digitalis.uni-koeln.de/Merian/merian_index.html am 8.8.2007.