1881 Heinrich Floß: Sprengung und Erstürmung der Burg Godesberg

und Einnahme der kurfürstlichen Residenzstadt Bonn. Nov. 1583 – Febr. 1584, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 36, 1881, S. 110 ff.

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Teil 1

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[…] Nach der Eroberung von Poppelsdorf blieb der Herzog allda bis auf den 18. November still liegen. Dann brach er gegen Muffendorf aus in der Absicht, das Schloß Godesberg zu belagern. Von Muffendorf aus wurde das Kriegsvolk, soviel das möglich war, auf die umliegenden Dörfer bei Godesberg in Quartier gelegt. Das Schloß, sehr fest und auf dem Felsen gelegen, hat der Herzog zunächst durch einen Trompeter zur Uebergabe auffordern lassen. Die Feinde darinnen gaben zur Antwort, sie hätten ihrem Herrn, dem Truchseß, geschworen, weshalb sie gedächten, den Schwur zu halten und Haut und Haar dabei zu lassen. Nach solcher Antwort hat der Herzog das Dorf Godesberg, das am Fuße des Berges unten herum gelegen ist, besetzt und das Schloß ringsum belagert. Man brachte zwei Tage damit hin, das Schloß von allen Seiten zu besichtigen, wo es am gelegentlichsten beschossen werden kannte. Es lag aber frei oben auf dem Berge, und konnte man nirgends für die Beschießung eine rechte Gelegenheit finden.

Der Herzog ließ zuerst unten im Dorfe drei Nothschlangen aufpflanzen und mit ihnen auf die Wehren schießen; das hatte jedoch schlechte Wirkung. Nun war oben auf dem Berge, dem Schloß gegenüber und nicht weit von demselben entfernt, ein Weinberg. Der Herzog ließ also die drei Nothschlangen auf dem Weinberge aufpflanzen und am 28. November den Vorhof beschließen; es war in wenig Stunden eine große Bresche gelegt. Als die Bresche groß genug zum Sturme war, ließ der Herzog sie durch drei Italiener recognosciren, was dann dieselben ritterlich und

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männlich ausführten, ob sie gleich darüber etliche Schüsse, aber keinen schädlichen empfingen. Die Italiener kehrten zum Herzog zurück und meldeten, daß es unmöglich sei, ohne Verlust vielen Volks das Schloß an dem Orte einzunehmen. Denn es habe da, wo man es beschossen, von etlichen Türmen und Schanzen im Innern der Mauer so viele Streichwehren. daß man es an diesem Orte, ohne großen Schaden an Volk, nicht einnehmen könne. Der Herzog hielt also Kriegsrath, und wurde der Sturm an dem Orte damals noch eingestellt. Die Feinde aber waren flink bei der Hand, besserten die zusammengeschossene Stelle wieder aus und machten sie noch stärker, als sie zuvor gewesen war. Das veranlasste den Herzog, aufs Neue zu Rath zu gehen, wie die Sachen anzugreifen wären. Es wurde beschlossen, das Schloß mittelst einer Mine durch Sprengung anzugreifen, und alsbald die Laufgräben an dem Berge aufwärts anzulegen. Darüber sind wohl etliche Landsknechte, auch Schanzgräber todt geblieben, bis man die Laufgräben in fertigen Zustand hat bringen können.

Der Laufgraben mußte theilweise in den Felsen gehauen werden. Am 6. Dezember war man mit der Arbeit bis an die erste Schloßmauer gekommen. Darnach hat man alsbald angefangen, unterhalb der Mauer in den Felsen zu brechen. Inzwischen haben aber auch die Feinde, so in dem Schloß lagen, nicht gefeiert. Zwar machten sie keinen Ausfall, thaten aber durch Steinewerfen und Schießen sowohl bei Tage als bei Nacht ziemlich vielen Schaden. Man grub in den Felsen fort bis zum 16. Dezember1. Wir fügen bei, daß gleichzeitig Bonn belagert war, doch nicht so hart, daß nicht Leute zu Fuß oder zu Pferd sich heimlicher Weise hätten durchschleichen können. Dagegen war die Zufuhr von Lebensmitteln zu Wasser und zu Lande vollständig abgeschnitten2.

1 K. Geh. Staatsarchiv zu München, unten S.158.
2 a.a.O., S.176.

Fortsetzung

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