Nach:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c0/Annalen_des_Historischen_Vereins_f%C3%BCr_den_Niederrhein_36_(1881).djvu am 18.06.2011
-114-
Am 23. Mai 1583 hatte das Domkapitel einstimmig im Dome zu Köln an Stelle des zum protestantischen Bekenntnisse übergetretenen, unterm 1. April vom Papste seiner Aemter und Würden verlustig erklärten Gebhard Truchseß1 den Herzog Ernest von Baiern zum Erzbischofe und Kurfürsten von Köln erwählt2. Ernest war bereits Bischof von Freisingen, Bischof von Hildesheim, und Bischof von Lüttich, repräsentierte also eine ansehnliche Macht. Er ist in der Folge, 1585, auch noch Bischof von Münster geworden.
-115-
Schon zu Anfang des Jahres waren die Feindseligkeiten zwischen dem Domkapitel und den Anhängern des Truchseß ausgebrochen3. Besonders der 1577 abgetretene Kurfürst Salentin hatte sich des Domkapitels und der katholischen Sache eifrig angenommen und für ihre Vertheidigung Truppen geworben4. Um sich im Unterstifte gegen Truchseß und seinen Anhang behaupten zu können, wurde vom Domkapitel der Graf von Aremberg mit spanischen Truppen in das Erzstift gerufen5. Der neue Kurfürst empfing vom Papste und von seinem Bruder, dem Herzoge Wilhelm von Baiern, beträchtliche Unterstützungen in Geld6. Auf Truppenhülfe konnte er, außer von den spanischen Niederlanden, nur von seinem Bruder rechnen: bloß der Markgraf Philipp von Baden, welcher sich von Gebhard Truchseß abgewandt hatte und mit dem baierischen Hause nahe verwandt war, führte auf seine Kosten dem Ernest am 9. October 70 Reiter zu7. Die kurfürstliche Armee, welche aus 9000 Mann bestand8, wurde durch die baierischen Hilfsvölker um 3000 Mann zu Fuß und 1000 Reiter, letztere unter den Befehlen des Generals Erhard von Hoheneck, verstärkt9. Den Oberbefehl übernahm der Herzog Ferdinand von Baiern, dem ein erfahrener Kriegsrath an die Seite gegeben wurde. Am 10. October stellte der Kurfürst den Herzog Ferdinand der vereinigten erzstiftischen Armee als ihren Oberbefehlshaber vor. General von Hoheneck empfing das Commando über die gesammte Reiterei10.
Am 29. October brach der Herzog aus seinem Quartier in Kärlich auf und rückte bis Bodendorf vor, wo er am 30. blieb. Dann aber zog er am 31. weiter bis nach Mohrenhoven und traf hier bis zum 9. November alle Vorbereitungen für die regelrechte Belagerung der Residenzstadt Bonn. Der Herzog ritt, während dies geschah, zu seinem Bruder dem Kurfürsten nach Brühl, und es wurde beschlossen zunächst das Schloß Poppelsdorf bei Bonn zu belagern. Man rückte daher am 9. November vor Poppelsdorf; am 10. fing man an, Schanzen
-116-
aufzuwerfen, und in der Nacht des 12. wurden vier Nothschlangen vor dem Schlosse aufgepflanzt.
Der 13. November war ein Sonntag. Zwei Tage vorher, am 11., hatte der Herzog die Besatzung durch einen Trompeter zur Uebergabe aufgefordert. Nun ließ er am 13. neuerdings das Schloß durch einen Trompeter auffordern, sich zu ergeben. Der Commandant des Schlosses hieß Cornelius. Dieser begehrte 24 Stunden Bedenkzeit. Der Herzog schlug das Verlangen ab und bewilligte nur eine Viertelstunde für seine Entschließung. Als sie verstrichen war, entbot der Commandant heraus, er wolle das Schloß halten, so lange er es vermöge. Daraus befahl der Herzog, aus den Stücken Feuer zu geben. Solches begann um 9 Uhr Vormittags, und spielten die Feldstücke gegen zwei Thürme am Vorhofe bis Nachmittags 4 Uhr. An der Stelle, wo das Schloß beschossen wurde, war ein trockener Graben. Etliche Soldaten, deutsche sowohl als welsche, stiegen in den Graben hinab, und, als sie in der durch die Nothschlangen verursachten Bresche keinen Widerstand erblickten, singen sie alsbald zu stürmen an. Der Sturm währte über eine geschlagene Stunde bis in die dunkle Nacht. Als nämlich die Feinde merkten, daß die Kriegsknechte zu stürmen anfingen, setzten sie sich stark zur Gegenwehr, mußten aber gleichwohl schließlich weichen. Und als sie die Hoffnung aufgeben mußten, den Vorhof, welchen die Geschütze arg zugerichtet hatten, zu halten, steckten sie ihn in Brand, retirirten in das Schloß und zogen die Brücken auf. Da die Nacht mit Gewalt eingefallen war, ließ der Herzog das Volk abcommandieren, dagegen den Rest des Vorhofes, sofern er nicht verbrannt war, fleißig bewachen, und also das eigentliche Schloß rings herum sorgsam verwahren. Während der Beschießung versuchte die feindliche Besatzung in Bonn einen Ausfall, wurde aber von den Truppen des Herzogs bald wieder in die Stadtthore hineingetrieben, und obwohl sie ziemlich viele Schüsse aus grobem Geschütz in die Schanze der Erzstiftischen thaten, sind dieselben doch gottlob ohne Schaden abgelaufen.
Am folgenden Tage den 14. November ließ der Herzog zwei Nothschlangen auf das Schloßthor richten, in dem Willen, das eigentliche Schloß gleichfalls zu beschießen. Als der Commandant das erkannte, fing er zu parlamentiren an und wollte die weitere Beschießung nicht abwarten. Er kam also in Begleitung eines Rottenmeisters heraus und begehrte mehrere Punkte, die ihm abgeschlagen wurden. Während der hierüber geführten Verhandlungen ließen die Soldaten, welche in dem Schlosse lagen, die Brücken aus eigene Hand selber
-117-
nieder, warfen die Gewehre von sich und begehrten Gnade. Diese wurde ihnen durch den Herzog bewilligt, wie er denn auch den größten Theil derselben unter das Regiment des Grafen von Aremberg aufgenommen hat. Der Commandant wurde sammt dem protestantischen Geistlichen11 als Gefangener abgeführt. Die Erzstiftischen Soldaten fielen alsbald in das Schloß ein, plünderten es, fanden aber blutwenig mehr in demselben vor12.
Die Belagerung wurde durch den Herzog Ferdinand und durch den Grafen von Aremberg ausgeführt13, wobei der letztere sich auszeichnete14. Die Besatzung des Schlosses soll nach Angabe eines späteren Schriftstellers aus einigen hundert Mann Truchsessischer Truppen bestanden haben, und was sich nach der hartnäckigen Gegenwehr und erfolgten Uebergabe an Soldaten vorfand, über die Klinge gesprungen sein15. Das ist also, wenigstens in dem letzteren Punkte, zu berichtigen. Die Uebergabe erfolgte Montag den 14. November16, nicht gegen den 15. November17, auch nicht den 18. November18; ob erst um vier Uhr Nachmittags19, muß gegenüber obigem archivalischen Berichte dahingestellt bleiben.
zur Godesburg
| zurück | © 2011 by nf | established 18.06.2011 |
|
BilderGalerie |