Was die 12 Jahre Nazi-Herrschaft für die deutschen und die europäischen Juden bedeutet haben, ist im allgemeinen bekannt; das Schicksal der Juden auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene ist nachzulesen z.B. bei HILBERG, REITLINGER, POLIAKOV/WULF, ADLER und auch LINN.
In den ersten Jahren werden die Juden vor den Augen der öffentlichkeit belästigt, drangsaliert, schikaniert und deportiert: DAS muss praktisch jeder Deutsche gesehen haben. Dass sie später ermordet werden, ist als Tatsache vielen Deutschen schon während des Krieges bekannt.
In vielen Städten Deutschlands haben Forscher in den letzten Jahren das Schicksal ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger in Ausstellungen oder Büchern dargestellt. Für Troisdorf gibt es bislang nur einen kurzen Artikel in den "Troisdorfer Jahresheften" (1981); darin hat Rudolf HELLMUND an Hand von erhaltenen Postkarten den Leidensweg einiger Troisdorfer Juden zu rekonstruieren versucht; weitere, systematische Nachforschungen hat er aber nicht angestellt.
Wenn nun im folgenden von den "Troisdorfer" Juden die Rede ist, so sind diese Personengruppen gemeint:
Ihre Gesamtzahl beträgt 73 Personen:
Die Juden sind neben den Kommunisten und Sozialdemokraten die zweite Bevölkerungsgruppe, denen die Nazis schon vor 1933 und deutlich genug den Kampf angesagt haben. Auch bei ihnen warten die Nazis nicht lange mit den ersten Aktionen. Bereits im März 1933 starten sie den sogenannten "Juden-Boykott": SA-Männer ziehen mit Schildern vor jüdischen Geschäften auf und warnen die Passanten: "Deutsche, wehrt euch! Kauft nicht bei Juden!"1
So auch in Troisdorf vor den Geschäften "Ehape" und "Hollandia"2 an der Kölnerstrasse. Das geschieht am 9.März3, schon drei Wochen vor dem reichsweit propagierten "Boykott"-Tag des 1. April4. Bürgermeister Langen als Chef der Ortspolizeibehörde wird an diesem Donnerstag Nachmittag von den Geschäftsleuten alarmiert; er verbietet auch den SA-Leuten jegliche "Geschäfts- und Verkehrsstörung", hat damit aber keinen Erfolg - im Gegenteil: Am Tag darauf, kurz vor 12 Uhr,
erschienen vor den oben genannten Geschäften eine Anzahl SS.- und SA.-Leute von auswärts, anscheinend von Siegburg, und verboten den Geschäftsinhabern den weiteren Verkauf. Die Geschäfte wurden geschlossen und auf die Fenster die Aufschrift gesetzt: "Von der SS. geschlossen".
Weder die dort postierten Polizisten, denen gesagt wird, das sei eine Massnahme der Kölner Gauleitung der NSDAP, noch der Bürgermeister, der inzwischen erfahren hat, dass in Nachbargemeinden das gleiche passiert ist, sehen sich imstande, diesen Gewaltakt zu verhindern oder rückgängig zu machen. Vielmehr meldet Langen dem Landrat am Freitag, dem 10.März, abends:
Zur Vermeidung unzweckmässiger Weiterungen [habe ich] von polizeilichen Massnahmen Abstand genommen.
Armseliger kann der oberste kommunale Beamte seine Kapitulation vor der braunen Gewalt nicht ausdrücken.
Die gewaltsam geschlossenen Geschäfte öffnen zwar am Freitag gegen 18 Uhr, nachdem die SA abgezogen ist, noch einmal kurz; aber am Samstag ist die SA um 8 Uhr wieder zur Stelle, verfügt wieder die Schliessung und überwacht anschliessend die Einhaltung dieser Massnahme5.
Dabei konnten sich die SA-Leute eines Sinnes wissen mit dem neuen Innenminister und damit Chef der Polizei von Preussen, Göring; am Abend desselben 11.März sagt Göring in Essen:
Ich habe erst angefangen zu säubern, es ist noch längst nicht fertig [...]. Wenn sie sagen, die Bevölkerung ist in furchtbarer Erregung, weil jüdische Warenhäuser vorübergehend geschlossen waren, so frage ich: Ist es nicht natürlich, wenn wir Deutsche endlich erklären: Kauft nicht bei Juden, sondern beim deutschen Volk. Ich werde die Polizei rücksichtslos einsetzen, wo man das deutsche Volk zu schädigen weiss. Aber ich lehne es ab, dass die Polizei eine Schutztruppe jüdischer Warenhäuser ist. Es muss endlich einmal der Unfug aufhören, dass jeder Gauner nach der Polizei schreit. Die Polizei ist nicht dazu da, die Gauner, Strolche, Wucherer und Verräter zu schützen. Wenn sie sagen, da und dort sei einer abgeholt und misshandelt worden, so kann man nur erwidern: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wir haben jahrelang die Abrechnung mit den Verrätern angekündigt6.
Das Bild, das Göring hier von "den" Juden zeichnet ("Gauner, Strolche, Wucherer und Verräter"), dürfte das Standard-Klischee der nicht-jüdischen Bevölkerung gewesen sein - oder noch sein. Wenn es auch noch nicht mörderisch ist, so ist es doch unfreundlich, gehässig, grob verallgemeinernd. Es ist durchaus denkbar, dass manch einer böse Erfahrungen mit der Geschäftstüchtigkeit von Juden gemacht hat - wer alle Juden, w e i l sie ermordet worden sind, zu Unschuldslämmern erklärt, ist naiv - aber gibt es unter Nicht-Juden keine "Gauner, Strolche etc." ? Auf die Idee, alle nicht-jüdischen "Gauner, Strolche, Wucherer und Verräter" zu ermorden, ist wohl noch niemand gekommen.
Nein, die Nazis haben nur die alten Gedanken zu Ende gedacht:
[...] Von den frühesten Zeiten, vom vierten, fünften oder sechsten Jahrhundert an, hatten die
christlichen Missionare zu den Juden gesagt: »Ihr könnt unter uns nicht als Juden
leben.«
Die weltlichen Herrscher, die ihnen vom Spätmittelalter an folgten, entschieden: »Ihr dürft
nicht unter uns leben.«
Und die Nazis beschlossen: »Ihr dürft nicht leben.«7
Und schliesslich: die "Geschäftstüchtigkeit" in manchen Branchen (Handel, insbesondere Viehhandel, Geldgeschäfte) war Resultat der jahrhundertelang erzwungenen Beschränkung auf eben solche "unchristlichen" Tätigkeiten.
dies ist natürlich eine tragische Schuld, sofern man von "Schuld" in diesem Zusammenhang überhaupt sprechen darf. Die Zeitspanne, in der ihnen dann eine Assimilierung (Anpassung) ermöglicht wurde (etwa ab 1860 in Preussen8), hat nicht ausgereicht, die uralten Vorurteile aus dem Weg zu räumen; sie hat aber gezeigt, dass Juden bereit und willens waren, sich ihrer Umgebung anzupassen: Man lese - für unseren Raum - bei LINN einmal nach, was dort über Isaac Bürger aus Siegburg steht9.
Und wenn es nicht unter so widrigen Umständen geschehen wäre, könnte man sich über das Paradox erheitern, dass gerade nach 1933 eine starke (Rück-) Besinnung der Juden auf das Jüdische einsetzt und der Zionismus eine Hochkonjunktur erlebt.
An "politischen" Akteuren hat die kleine Gruppe Troisdorfer Juden keine grossen Persönlichkeiten vorzuweisen - wenn man von Albert Brünell einmal absieht: er bringt es innerhalb der für Troisdorf zuständigen Siegburger Synagogengemeinde 1925 und 1932 zum 1.Stellvertreter bei der Repräsentantenwahl10.
Aber in den wirklich "politischen Sachen [sind die Juden] sehr zurückhaltend, und es ist schwer, sich von ihrer inneren Einstellung das richtige Bild zu machen"11, schreibt Bürgermeister Reinartz im Oktober 1933. Zwei Jahre später weiss Bürgermeister Jakobs "von Juden und Freimaurern [...] nichts besonderes zu berichten."12 Und der kommissarische Bürgermeister von Hirschfeld wundert sich im März 1936:
Die Juden sind auffallend zurückhaltend; sie suchen jedem Konflikt aus dem Wege zu gehen. Der Ausschluss der Juden vom Wahlrecht13ist bereits durch frühere Gesetze bekannt gegeben; er bietet keine Veranlassung zur Beeinträchtigung der öffentlichen Meinung.14
Ein Beweis für den jüdischen Willen zur Integration ist paradoxerweise auch ihre Untätigkeit nach der Machtübergabe am 30.Januar 1933. Sicher haben einige sofort die Zeichen an der Wand erkannt und sind in Ausland geflüchtet; aber die überwiegende Mehrzahl vor allem der Juden in der Provinz hat sich 1933 n i c h t zur Flucht/ Emigration/ Auswanderung/ Alijah (=Auswanderung nach Palästina) entschliessen können:
Was meine Familie anbetrifft, kann ich Ihnen mitteilen, dass besonders mein Vater der Ansicht war, dass "der Hitler nicht lange dauern würde", und der Gedanke, alles, das Haus usw. im Stich zu lassen, mag auch dazu beigetragen haben, nicht in die Fremde zu gehen.15
Damit stand der alte Pins nicht alleine, wie die Auswanderungszahlen beweisen16.
Doch zurück zum März/April 1933: Stark ist die Erschütterung der offiziellen Sprecher, schwach ihr Protest: Sie verwahren sich gegen die Anklage, die Juden hätten dem deutschen Volk geschadet, und bekennen ihre Zugehörigkeit zum deutschen Volk17.
Bemerkenswert an diesen Vorfällen in Troisdorf ist nicht so sehr die Tatsache, dass jüdische Geschäfte gewaltsam geschlossen werden: Dies ist ja weitgehend bekannt. Erstaunlich ist der Zeitpunkt: 9./10.März. Von diesem Tag sind NS-Aktionen in der Literatur überliefert aus grösseren Städten wie Kassel (Tietz), Essen (Karstadt, Woolworth) und Bottrop18. Warum sich gerade Troisdorf - und auch Siegburg19 - so frühzeitig hervortun, ist nicht bekannt.
Nach diesen Vorfällen - so sollte man annehmen - sind die Juden eigentlich gewarnt. Doch die "Alten" tun nichts - so sieht es jedenfalls zunächst aus. Nur 28 "Junge" (von insgesamt 73) verlassen Nazi-Deutschland20, die meisten aber auch erst 1938 oder später. Was hat die "Alten" hier gehalten?
Die Liste der kleinen Schikanen und bösen Stiche liesse sich noch seitenlang fortsetzen.
Und dann kommen - endlich! denken manche - die Judengesetze vom Nürnberger Reichsparteitag (September 1935)22:
Von den deutschen Juden werden diese Gesetze "mit einer gewissen Erleichterung" aufgenommen; die Juden erwarten jetzt "die Beendigung aller gesetzwidrigen Massnahmen und [bereiten] sich vor auf ein Leben innerhalb eines besonderen, jedoch endgültig fixierten und garantierten Rechtskreises."25 Doch diese Hoffnung ist unbegründet: die Juden, die das glauben, verkennen die der NS-Ideologie - wenn es denn eine war -innewohnende Dynamik, man könnte auch sagen: die chaotische Irrationalität, was komplette gedankliche Konstruktionen betrifft. Nach zwei Jahren Herrschaft sind diese Gesetze in Nürnberg in wenigen Stunden zusammengeschludert26 worden, nach NS-Manier Rahmengesetze27, die später dann von den Behörden mit Verordnungen "ausgefüllt" werden.
Spätestens hier taucht die Frage auf, ob Hitler oder "die Nazis" oder "ein paar ganz radikale Nazis" oder wer auch immer von Anfang an die Juden ausrotten wollten. Wer hat da wen getrieben? Hat Hitler die (unschuldigen) Deutschen zum Völkermord verleitet - oder ist er von einigen dunklen, wüst antisemitischen Hintermännern zur Ausführung seiner Gedanken veranlasst worden? Gibt es "den" deutschen Volkscharakter, der Schäferhunde, Gartenzwerge, Richard Wagner und Beethoven liebt u n d Juden und Zigeuner und Geisteskranke und Kommunisten tausend- und millionenfach ermordet? Es möge uns erspart bleiben, jemals wieder darauf eine Antwort geben zu können.
Nach Nürnberg geht es weiter:
Freilich, manche von den genannten und auch den nicht erwähnten Verordnungen treffen "unsere" Troisdorfer Juden nicht, weil sie schlicht und einfach nicht zu diesen Personengruppen gehören: Sie sind Geschäftsleute (Metzger, Händler) und führen auch keine Künstlernamen, die sie ablegen müssten. Ja, sogar die Nürnberger Gesetze treffen sie - zunächst - nicht.
Allerdings: eine junge Siegburgerin, Ilse Fröhlich (Jahrgang 1919), und ihr Freund zerbrechen daran - er ist nicht Jude. Ihre Liebe ist gesetzlich verboten. Sie begehen am 13.Juni 1939 in dem Ostseebad Ahlbeck Selbstmord29.
Und wenn man sarkastisch ist, kann man sogar sagen: Der Entzug des Wahlrechts 193630 ist ohne Bedeutung - dann was bedeuten schon Wahlen bei den Nazis?
Jüdische Kinder müssen die Schulen verlassen31.
Im Anschluss an die Nürnberger Gesetze sind in zwei Fällen doch Nervosität oder Angst erkennbar: Zwei junge Leute, Kinder einer jüdischen Mutter und eines nicht-jüdischen Vaters, lassen sich am 6.Februar 1936 von Pfarrer Kenntemich taufen und erklären am 14. bzw. 17.Februar 1936 ihren Austritt aus der Synagogengemeinde Siegburg32. Eine andere junge Frau verlässt ebenfalls die jüdische Glaubensgemeinschaft, um einen nicht-jüdischen Mann heiraten zu dürfen33.
Spätestens im April 1938 muss es auch dem unauffälligsten Juden klar werden, welches Spiel demnächst mit ihm gespielt wird: Jeder Jude, der ein Vermögen von 5.000 RM und mehr besitzt, muss ein Vermögensverzeichnis ausfüllen: Auf vier DIN-A4 Seiten werden Angaben über "Land- und forstwirtschaftliches Vermögen", "Grundvermögen", "Betriebsvermögen", "Sonstiges Vermögen, insbesondere Kapitalvermögen" abverlangt34. Wozu?
Empfindlich getroffen hat Alfred Pins wahrscheinlich die Einziehung des Wandergewerbescheines im Oktober 193835.
Schon vor der sogenannten "Reichskristallnacht" sind Massnahmen eingeleitet worden, die den Bewegungsspielraum und die Freiheit der Juden immer weiter einengen und ihre Menschenwürde verletzen:
Insgesamt 16, in Troisdorf geborene Juden "beantragen" beim hiesigen Standesamt den zusätzlichen Vornamen39.
Für die Kennkarte müssen die Juden ein neues Passfoto anfertigen lassen: ein spezielles, auf dem das linke Ohr frei sichtbar sein muss. Frauen und Mädchen, die langes Haar tragen, müssen für die Aufnahme ihr Haar hinter das Ohr legen oder stecken - eine für sich genommen unbedeutende, alltägliche Handbewegung; im Zusammenhang trifft sie die Jüdinnen aber schwer in ihrem Selbstbewusstsein40.
Da ist es gewiss ein Trost, dass in Troisdorf ein Fotograf wohnt, der mit einer Jüdin verheiratet ist und von den Juden sicher als einer der ihren angesehen wird: Erwin Bernauer. Er fertigt für 138 Juden aus Troisdorf und Umgebung die Fotos an41.
Es kommt das Pogrom vom 9./10.November 1938. In unserer Stadt - wie im übrigen Rheinland42 - finden die Ausschreitungen erst in den frühen Morgenstunden des 10.November statt.
Die Anwohner der Kirchstrasse (damals: Franz-Müller43-Strasse) und des Ursulaplatzes werden zwischen 6 und 7 Uhr morgens von einem Knall aus dem Schlaf gerissen44: Ein stadtbekannter Nazi, ein Kaufmann von der oberen Kölnerstrasse, hat von dem Schulgelände aus mit einem Gewehrschuss einen Benzinkanister in Brand gesetzt, den er und weitere 5 - 10 SA-Männer in den Eingang des Hauses Nr.6 gestellt haben. Dort wohnt die Familie Levy, Samuel Levy hat (noch) eine Metzgerei. Die Fassade des schätzungsweise 300 Jahre alten Fachwerkhauses fängt schnell Feuer.
Die Familie Levy ist nicht zu Hause: Samuels Bruder Josef in Siegburg ist zwei Tage zuvor gestorben, Samuel soll zu der fraglichen Zeit in Köln gewesen sein. Frau Levy und die Tochter Ruth Johanna sind bei Samuels und Josefs Schwester, Frau Eva Wolf, auf der Frankfurterstrasse 56.
Eine Nachbarin, Gertrud Büchel, versucht, mit Eimern den Brand zu löschen. Sie wird von den Nazis beschimpft und bedroht, so dass sie von dem - letztlich auch vergeblichen - Löschversuch ablässt45. Einem Zeitungsfotografen, der Aufnahmen machen will, wird bedeutet, er solle seine Kamera schnell wieder wegstecken und weitergehen46. Die Feuerwehr rückt erst an, als das Nachbarhaus zu Rechten, in dem ein SS-Mann wohnt, Feuer zu fangen droht.
Schliesslich dringen die Nazis in das Haus ein und stehlen den Levys die Auswanderungsunterlagen für die USA. Damit ist die Auswanderung praktisch unmöglich geworden; die Papiere sind von den US-Behörden durchlaufend nummeriert worden47. Wer im November 1938 einen neuen Antrag stellt, erhält eine neue Nummer und gerät damit an das Ende der Warteliste, seine Nummer wird erst viel später aufgerufen - d.h. zu spät.
Der Schaden am Haus beläuft sich auf 1.200 RM48. Falls das Haus gegen Brand versichert war - was nicht bekannt ist -, hätte Samuel Levy der Versicherung den Schaden nicht melden dürfen - gemäss § 2 der "Verordnung zur Wiederherstellung des Strassenbildes bei jüdischen Geschäftsbetrieben"49.
Was der WB unter der überschrift "Antijüdische Kundgebungen[!] im Siegkreis" in 33 dürren Zeilen meldet, ist der Gipfel an Unterschlagung und Verdrehung:
[...] Die berechtigte Wut der Bevölkerung [über das Attentat des Herschel Grynszpan...] führte zu spontanen Kundgebungen gegen das Judentum. Bei dieser Gelegenheit richtete sich die Volkswut begreiflicherweise auch gegen die jüdischen Geschäfte, die sich noch[!] im Siegkreis, vor allem in Siegburg, breit machten und teilweise durch raffinierte Tarnung versuchten, die deutschen Volksgenossen in ihre Läden zu locken. In mehreren Fällen wurden jüdische Geschäfte in der Empörung zertrümmert. In den Synagogen in Siegburg, Honnef und Ruppichteroth, die von der Bevölkerung schon lange als Schandflecken im Ortsbild empfunden wurden, brachen Brände aus. Auch in anderen Orten des Kreises schloss sich die Bevölkerung in grosser Empörung zu Kundgebungen gegen die jüdischen Geschäfte und die jüdischen Bewohner zusammen [...]. Trotzdem bewahrte aber die gesamte Bevölkerung den Verhältnissen entsprechend äusserste Disziplin.50
Samuel Levy (spöttisch auch "Semmel" gerufen) war in Troisdorf sicher wohl gelitten. Er hatte einen grossen Kundenkreis, der nur allmählich schrumpfte. Viele Troisdorfer hatten nicht vergessen, dass Levy den Armen kostenlos Fleisch und Suppe ausgeteilt hat51; einer von denen, die früher eine solche Suppe bekommen hatten, Peter O., soll Samuel jedoch im November 1938 angespuckt haben.
Samuel beschäftigte immer Gesellen und Lehrlinge, teils jüdische, teils nicht-jüdische. Man hatte sich daran gewöhnt, dass Samuel am Sabbat (=Samstag) mit seinem Sohn Emil (Jahrgang 1910) zu Fuss nach Siegburg in die Synagoge ging und sein Geschäft erst am Abend wieder öffnete.
Der am 10.November einsetzenden Verhaftungswelle im gesamten Reich - die Gestapo hat die Festnahme von 20.000 bis 30.000 Juden ("vor allem vermögende") angeordnet52 - fallen in Troisdorf drei Männer zum Opfer53:
Von geborenen Troisdorfern sind mindestens zwei verhaftet worden:
Im Kreisgebiet werden 83 jüdische Männer verhaftet59, einige bei der Beerdigung des Josef Levy auf dem jüdischen Friedhof in Siegburg60. Sie alle werden nach Brauweiler und dann "zumindest teilweise"61 in das KZ Dachau gebracht, wo sie am 15.November eintreffen62. Für unseren Personenkreis ist das gesichert für Albert und Jakob Falkenstein63; Samuel Levy kommt nach Düsseldorf64.
Albert Falkenstein (Gefangenen-Nr.27003) wird am 7.Dezember 1938, sein Bruder Jakob (Gefangenen-Nr.28502) am 10.Januar 1939 aus Dachau entlassen65. über Josef Meier oder Alfred Pins ist dazu nichts bekannt, Samuel Levy wird im Februar 1939 entlassen66.
Josef Meier, 1935 von seiner Frau Selma67 geschieden68, emigriert nach Grossbritannien; seinen Sohn Günter (Jahrgang 1927) lässt er bei seinen Eltern zurück69. 1942 ist Josef Meier in Australien70, dort ist er auch gestorben71.
Nach der "Reichskristallnacht" kommen die Massnahmen gegen die Juden Schlag auf Schlag:
Nach dem 9.November 1938 bricht unter den deutschen Juden eine regelrechte Auswanderungspanik aus, spätestens jetzt sind alle Hoffnungen auf ein Nebeneinander zunichte gemacht. über 80.000 Juden verlassen 1939 ihre deutsche Heimat76, von den Troisdorfern insgesamt 2877:
Bereits früher wanderten aus:
Zu einem unbekannten Zeitpunkt sind ausgewandert:
Aus Deutschland vertrieben zu werden, ist sicher für alle "Auswanderer" hart und bitter, auch für diejenigen, die ein "gutes" und sicheres Land wie die USA gefunden haben - ganz zu schweigen von denjenigen, die "nur" nach Holland oder Belgien geflüchtet sind und dort nach 1940 von den Nazis eingeholt werden.
Wenn Hilde und Solli Jonas erzählen, hört man, dass die ersten Monate oder Jahre in den USA aus Arbeit, Kündigung, Umzug, Geldmangel bestehen; dabei hat Solli einen nützlichen und brauchbaren Beruf: Er ist Metzger. Den deutschen Juden stehen in den USA eben auch nicht die Tore zum Paradies weit offen. Dass sie heute wohlhabende Leute sind, kann ja wohl nicht ihren ehemaligen Landsleuten zugute gehalten werden. Juden, die in den 30ern nach Palästina auswanderten, berichten sogar von nächtlichen Feuerüberfällen der Araber auf die unerwünschten Kibbuzim.
Ludwig Pins schlägt sich von 1934 bis 1936 mehr schlecht als recht in den Niederlanden durch78, wird von jüdischen Organisationen unterstützt, arbeitet auch mal bei der Einpolderung der Nordsee. Nach vielen Umwegen - auch privater Art - verschlägt es ihn noch vor dem Krieg nach Kolumbien. In diesem südamerikanischen Land versucht sich der junge Mann zuerst als Kaffeeröster; dann baut sich Pins, der eine Schneiderlehre bei der angesehenen Bonner Massschneiderei Oberländer absolviert hat, mühsam eine Existenz auf, gründet eine Familie und erwirbt die kolumbianische Staatsangehörigkeit.
über Erich Sommer, der 1960 in Troisdorf starb, ist überraschend wenig bekannt. Er ist 1939 nach Shanghai ausgewandert, wohnt Anfang der 50er Jahre in Sfad, einer Stadt in Israel, kommt aber dann nach Troisdorf zurück, wo er im elterlichen Haus in der Bergstrasse 17 wohnt.
Anneliese Falkenstein und ihr Vetter Rudolf emigrieren nach Sheffield (GB)79und arbeiten dort in einer Fabrik; Rudolf stirbt 1948. 1950 wandert Anneliese nach New York aus und heiratet einen Juden, der Auschwitz überlebt hat. In den USA "we made a new life for ourself".
Doch die älteren Troisdorfer Juden teilen wohl die Meinung des "Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der in seiner Zeitung schreibt:
Mit Würde und mit Mut werden wir die mitleidlosen Massnahmen Deutscher gegen deutsche Juden auf eigener Heimaterde zu ertragen wissen.80
Auch wenn er nach der Systematik nicht in dieses Buch gehört, soll er doch erwähnt werden: Norbert Cahn, Jahrgang 1921, aus Sieglar. In Zusammenhang mit dem 8.Mai 1985 stellte eine frühere Nachbarin, Frau A., den Kontakt zu ihm her. Herr Cahn lebt heute in Schweden - dabei wollte er damals eigentlich nach Israel; er hatte sich in der Vorbereitungsschule81 in Urfeld (Vorgebirge) von Februar bis August 1939 auf die "Alijah", die Auswanderung nach Palästina, vorbereitet. Am 20.August verabschiedet er sich in Sieglar von seinen Eltern, Alfred und Elisabeth Cahn. über Sassnitz und Trelleborg erreichen Norbert und noch einige andere junge Juden aus dem Rheinland Schweden. Dort werden sie vom Krieg überrascht, Norbert bleibt in seiner neuen Heimat82. Seine Eltern hat er nach dem 20.August 1939 nicht mehr wiedergesehen.
Bei seinem Besuch in Troisdorf 1987 hat er zwei Postkarten vorgelegt, die von seinen Eltern an eine ehemalige Sieglarer Nachbarin, Frau Qu., geschickt worden waren; daraus geht eindeutig hervor, dass auch sie in Maly Trostinez ermordet worden sind83.
Am 1.September 1939 überfällt Hitler-Deutschland Polen und löst damit den zweiten Weltkrieg aus. Jetzt wendet sich für die Deutschen etliches: zum Bösen. Für die Soldaten beginnt jetzt das Sterben an der Front, für die Menschen in der Heimat die Rationierung, die Verdunkelung, die Frauenarbeit, die Bombenangriffe usw.
Auch für die Juden bedeutet (spätestens) der 1.September 1939 ein Ende: Der NS-Staat hört auf, die Juden "nur" zu schikanieren, "nur" zu vertreiben. So hat es z.B. Eichmann noch im Februar 1938 auf einer Tagung des SD propagiert84. Bis zum November 1938 ("Reichskristallnacht") und auch noch einige Monate danach, als den Juden allgemein die Tür zum Ausland offengehalten wird, kann der NS-Staat (natürlich mit erheblichen Vorbehalten) als "normaler" Unrechtsstaat eingeordnet werden, keinen Deut besser als z.B. Spanien, Italien, die Sowjetunion - aber auch nicht viel schlimmer. Noch bewegt sich Hitler-Deutschland innerhalb eines Konvois von Terroristen; erst am 1.September 1939 übernimmt es die Spitzenposition in dieser makabren Parade85.
An diesem 1.September fällt auch ein Gesichtspunkt weg, der die allerschärfsten Judenhasser bis dahin immer noch gebremst hat: Rücksichtnahme auf das Ausland.
Unverblümt hat Hitler noch vor Kriegsbeginn die Vernichtung der Juden angekündigt86, am deutlichsten in der Reichstagsrede vom 30. Januar 1939; sie war damals noch scheinheilig von einer Bedingung abhängig gemacht worden:
Wenn es dem internationalen Finanzjudentum [...] gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis [...] die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa sein87.
Der naive Zeitgenosse, der die 30er Jahre unbeschadet oder gar erfolgreich erlebt hat, kann sich im Oktober 1939, nach dem "Blitzsieg" über Polen, als überlegener Herrenmensch wähnen. Noch sind nicht einmal die grossen militärischen Erfolge an der Westfront oder in Russland erzielt, doch am Ende vernichtet dieser Krieg als "Irrsinn eines grenzenlosen Macht- und Zerstörungswillens"88 diejenigen, die ihn wie eine Lawine losgetreten haben. Wie in der klassischen griechischen Tragödie der Held, so stehen die Deutschen im Herbst 1939 vor imposanten Siegen und vor dem Abgrund - sie wissen es nur noch nicht.
Den Juden, die jetzt noch in Deutschland sind, ersteht die fürchterliche Gewissheit, dass für sie am Ende - wann auch immer das sein wird - ihr gewaltsamer Tod steht. Es ist müssig, ihnen ihr Zaudern vorzuwerfen. Ludwig Pins, der früh genug verschwand, hat es nicht geschafft, seine Schwester oder seine Eltern zum Auswandern zu bewegen - zu gross sind die Rücksichtnahmen, zu schwer wiegen die Fehleinschätzungen des einzelnen.
Zwei Wochen nach Kriegsbeginn teilt die Gestapo Köln den Landräten den Erlass des Reichsführers SS mit, dass den Juden der Ausgang nach 20 Uhr verboten ist89, acht Tage später, dass die Radios der deutschen und polnischen Juden zu beschlagnahmen seien90: Es beginnt die Periode der Konfiskationen, doch dazu unten mehr.
In Troisdorf91 werden am 23.September, an Yom Kippur (Versöhnungsfest), einem der höchsten jüdischen Feiertage92, zwei Radios eingezogen: Das von Marx (Körting S 2400 WL) und das von Pins. Das Marx'sche Radio händigt Bürgermeister Schünemann zunächst der 4.Flak-Batterie 405 aus, das Radio von Pins nimmt er in den "Asservatenbestand"93. Es bestehen wohl noch keine klaren Ansichten darüber, was denn mit den Geräten weiter geschehen soll (weitergeben an die Wehrmacht? verkaufen?); denn am 28.September fordert die Gestapo den Landrat auf, die Radios einzusammeln, aufzulisten und zu pflegen94. Schünemann liefert "seine" beiden Radios dann auch am 6. und 12. Oktober beim Landrat in Siegburg ab95, wo 38 Geräte aus dem ganzen Siegkreis lagern96. Auf Anordnung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) in Berlin werden dann doch alle Geräte - bis auf eins - zugunsten der Wehrmacht eingezogen97.
Zum entscheidenden Schlag gegen die 274 im Siegkreis wohnenden Juden98holen Gestapo und Kommunalbehörden 1941 aus: Im April wird die Deportation der Juden in das ehemalige Reichsarbeitsdienst(RAD)-Lager Much eingeleitet; im Mai werden die noch zurückgebliebenen Juden in die "Judenhäuser" gesteckt; im Oktober gehen die ersten Transporte von Köln ins Ghetto Lodz oder Litzmannstadt. In diesen wenigen Monaten entscheidet sich das Schicksal der deutschen Juden. In diese Zeit fällt auch der Einmarsch in die Sowjetunion - Zufall?
Am Abend des 13.Juni 1941 werden die ersten 95 Juden aus dem Siegkreis in Much abgeliefert99. Sie werden in dem ehemaligen RAD-Lager an der Wahnbachtalstrasse100 untergebracht. Aus Troisdorf sind darunter101:
von geborenen Troisdorfern aus Siegburg:
Die "Umsiedlung"104 nach Much war zunächst gar nicht vorgesehen, da "auf Anordnung des RSHA Ghettos nicht gebildet werden dürfen"105. Kreisinspektor Solbach trägt aber am 17.Mai der Gestapo Köln den heftigen Wunsch der Kreisverwaltung vor, das Lager Much doch als Sammelstelle zu genehmigen. Dr. Schaefer von der Gestapo erlaubt dann "im Einverständnis mit der Gauleitung" der Partei, dass das Lager Much, "soweit dies notwendig ist, mit Juden belegt werden kann."106
Der den Landräten am 12.Mai mitgeteilte "Umsiedlungs"-Termin des 1.Juni ist offensichtlich nicht einzuhalten. So ordnet die Gestapo Köln am 7.Juni an, die "Umsiedlung" spätestens am 1.Juli zu beenden107. Das dauert aber dem rührigen Kreisamtsleiter der NSDAP108 zu lange: Er ruft am 8.oder 9.Juni bei Dr. Schaefer in Köln an und setzt durch, dass die "überführung nach Much" spätestens am 15.Juni abgeschlossen ist; das teilt er dann auch persönlich dem Landratsamt mit109.
Am 12.Mai 1941 befiehlt die Gestapo Köln den Landräten des Regierungsbezirks die "Zusammenlegung der Juden"110: Diese müssen bis zum 1.Juni aus "arischen" Häusern ausziehen, ebenso aus eigenen Häusern, wenn diese Villen seien oder ähnlichen, besonderen Baucharakter hätten. Die Durchführung dieser Aktion wird der jeweiligen jüdischen Gemeinde aufgebürdet; Grundstücke und Möbel dürfen (zunächst) nicht verkauft werden, bewegliche Gegenstände müssen gelagert werden111.
Parallel zur Verlegung in die "Judenhäuser" verläuft die letzte Erfassungsaktion: Regierungsassessor Stackelberg notiert am 16.Mai 1941, dass die Bürgermeister sofort eine Liste der in ihrem Ort wohnenden Juden mitsamt Familien und Arbeitsplatz abzuliefern haben112. Nach inzwischen sattsam bekanntem Muster ist das der Auftakt zu Schlimmerem: Festnahme, "Evakuierung"113 und schliesslich Mord.
Bürgermeister Schünemann liefert am 26.Mai die Liste114 mit den 15 Juden ab, die zu diesem Zeitpunkt "noch" in der Gemeinde Troisdorf wohnen. Vom Landratsamt sind später fünf Namen von Hand durchgestrichen worden, in der Spalte "Bemerkungen" steht lapidar: "Much".
über die Verwendung der freiwerdenden Wohnungen macht sich der rührige Kreisorganisationsleiter Court beizeiten Gedanken: Am 6.Juni - noch sind die Juden nicht in Much - verschickt er ein Rundschreiben ("Streng vertraulich!") an alle Ortsgruppenleiter und Bürgermeister:
Für freiwerdende Judenwohnungen ergeht folgende Anordnung:
1. [...]
2. a) Judenwohnungen, welche durch Umsiedlung oder durch vorherigen Wegzug einzelner Juden
frei werden, sind durch die Polizeibehörden zu beschlagnahmen und nach Instandsetzung zu
vermieten.
[...]115
Als neue Mieter kommen Ausgebombte und kinderreiche Familien in Frage; der Ortsgruppenleiter soll ein Vorschlags- und Einspruchsrecht haben.
Zwei Wochen später, als ein überblick über die tatsächlich geräumten Wohnungen möglich ist, verschickt der Kreisorganisationsleiter ein weiteres, ähnlich lautendes Rundschreiben wiederum an alle Ortsgruppenleiter und Bürgermeister:
[...]
2.) Die noch in den Ortsgruppen wohnenden Juden werden innerhalb der Ortsgruppe
zusammengelegt. Die Juden müssen sich mit Klein- und Kleinstwohnungen abfinden, die ihnen
zugewiesen sind. Richtschnur muss sein, dass kein Deutscher schlechter wohnen darf, als die
umzusiedelnden Juden. Es ist selbstverständlich, dass Deutsche und Juden nicht unter einem
Dach wohnen können [...]
3.) Die freigewordenen Wohnungen sind nach Instandsetzung durch die Polizeibehörden zu
vermieten.
[...]
8.) Mit den Behörden ist zu vereinbaren, dass die Einwohner-Meldeämter nach der Umsiedlung
keine Wohnungsveränderungsmeldungen von Juden mehr annehmen, ohne vorher den zuständigen
Hoheitsträger der NSDAP. benachrichtigt zu haben. [...] Einzige Ausnahme bildet die Ausreise
ins Ausland.116
Unter den Troisdorfer Juden gibt es zu diesem Zeitpunkt noch drei Hausbesitzer:
Auf deren Häuser müssen sich die 13 Juden, die jetzt noch in Troisdorf leben, zurückziehen: Hirsch (2 Personen), Marx (2), Meier (3), Neumann (2), Pins (2) und Sommer (2).
In dem Haus Pins, Hofgartenstrasse 8117, wohnen in fünf Zimmern118 von 1939 bis 1941 drei Familien: Pins, Hirsch, Neumann mit insgesamt sechs Personen. Artur und Johanna Hirsch ziehen am 5.April 1941 nach Dortmund; Neumanns werden am 18.Juni 1941 nach Much deportiert; Pins selber ziehen am 10.Juli 1941 in das Haus Marx, Frankfurterstrasse 56119. Das Haus, dessen damaliger Wert später auf etwa 3.000 RM geschätzt wurde, scheint lange leer gestanden zu haben; denn Mieteinnahmen bei der Stadt Troisdorf sind erst vom 2.Quartal 1943 ab belegt120. Mieter sind die Familien Rauschenberger, Aretz und Schulte; die Mieteinnahmen im Quartal belaufen sich auf 90 RM121.
Das Haus Marx, die frühere Metzgerei Wolf, Frankfurterstrasse 56122, war mit 7 Zimmern und einer Küche123 recht gross. Rosa Marx ist nach dem Tod ihrer Mutter Eva am 15.März 1939 (Vater Adolf ist bereits 1934 gestorben) mit ihrem Mann Erich von Bonn ins elterliche Haus zurückgekehrt. Mit Pins, die in den letzten sechs Wochen noch bei ihnen gewohnt haben, verlassen die Marx am 25. August 1941 ihr Haus124. Nach ihnen soll ein Polizist in dem Haus gewohnt haben, der 1945 auszog125.
Das letzte "Judenhaus" in Troisdorf ist das Sommersche Haus in der Bergstrasse 17126. Dort sind im Juni 1941 Plätze frei geworden, als das Ehepaar Meier mit dem Enkel Günter nach Much verschleppt worden ist. Die letzten 11 Monate bis zu ihrer Deportation in den Osten (Juli 1942) leben hier in neun, z.T. kleinen Zimmern und einer Küche127 die Eheleute Marx, Pins und Sommer.
Die Schonfrist (bis Juli 1942) ist denjenigen jüdischen Familien gegönnt, in denen der "Haushaltsvorstand" Arbeit hat oder die schulpflichtige Kinder haben (das letztere trifft für die Troisdorfer nicht zu), ausserdem den beiden Troisdorfer "Mischehen" (bis September 1944).
Erich Marx, Alfred Pins und Eduard Sommer128 arbeiten bei der Firma Filk in Spich, die im Juni 1941 etwa 20 Juden beschäftigt und feuerfeste Produkte herstellt129. Bei der Firma Odermath (Siegburg), die ebenfalls feuerfeste Produkte herstellt, arbeitet Albert Falkenstein (49 Jahre). Für ihn und einen weiteren jüdischen Arbeiter bittet die Firma Odermath um die Sondergenehmigung, bis zu "meinem Siegburger Grubenbetrieb" die Strassenbahn benutzen zu dürfen130 - was den Juden seit September 1941 praktisch verboten ist131.
Dass die Juden - nachdem einmal beschlossen war, sie alle zu ermorden - noch weiter leben dürfen (eine Zeit lang), liegt daran, dass Krieg ist, und jetzt wird jede Arbeitskraft dringend benötigt - auch eine jüdische. Darüber kommt es in Berlin zum Streit zwischen den Vernichtungsfanatikern der SS einerseits und den Pragmatikern wie Göring andererseits, die die Arbeitskraft der Juden so lange wie möglich ausbeuten wollen132, auf jeden Fall solange diese auf die fällige Deportation warten müssen.
Aus dem (heutigen) Troisdorfer Stadtgebiet sind folgende Betriebe bekannt, die in der fraglichen Zeit (1941/42) Juden beschäftigt haben:
Den Unternehmen ist klar, was für Leute für sie arbeiten: "Juden, die in Arbeit eingesetzt sind, stehen in einem Beschäftigungsverhältnis besonderer Art."136 Jedem Lohnbuchhalter muss auffallen, was den Juden weggenommen bzw. vorenthalten wird:
ausserdem
Den noch verbliebenen Juden wird das Leben immer unerträglicher gemacht:
In Troisdorf dürfen die wenigen noch verbliebenen Juden nur bei Westerhoffs an der Kölnerstrasse (gegenüber dem heutigen Kaufhaus) einkaufen, strammen Pgs, die z.B. sich gefreut haben, als Levys Haus in der Kirchstrasse im November 1938 brannte147. Frau Westerhoff hält sich demonstrativ die Nase zu, wenn Juden das Geschäft morgens um 6 Uhr betreten. Die Verkäuferinnen von Westerhoffs werfen, wenn die Chefin nicht hinschaut, den Juden schon mal zusätzliche Wurststücke in die Einkaufstasche; einmal entsteht eine gefährliche Situation, als Frau Neumann die gute Absicht nicht gleich versteht und schon dagegen protestieren will: "Was haben Sie mir da in die Tasche gesteckt?"
In der Zwischenzeit sind Hitler und seine Massenmörder hinsichtlich der "Endlösung der europäischen Judenfrage"148 zu einem Ergebnis gekommen: Nach Auswanderung bzw. Austreibung, Madagaskar und Reservaten an der deutsch-russischen Demarkationslinie wird etwa ab August 1941 die Ermordung anvisiert. Spätestens seit den Massenmorden in Riga (13.Dezember 1941) und dem Vergasungsbeginn in Chelmno bei Lodz (Dezember 1941) kann die Ermordung der Juden als die von Hitler gesetzte und von seinen Schergen auszuführende Form der "Endlösung" angesehen werden149.
Was nun folgt, sprengt eigentlich den Rahmen dieser lokalhistorischen Untersuchung. Und es gibt (jüdische) Rezensenten, die leicht pikiert registrieren, dass in lokalen Untersuchungen NS-Alltag, Widerstand und Verfolgung "gekoppelt" werden mit der Vernichtung der Juden, dem Holocaust150. Sie haben insofern recht, als die Ermordung der Juden tatsächlich etwas Einmaliges war, was in seiner Bedeutung nur geschmälert wird, wenn man es neben irgendeinen Bürgermeister stellt, der 1933 abgesetzt wurde, oder neben einen Kaplan, der von den Nazis Predigtverbot erhielt. Eine solche Aneinanderreihung ist in diesem Buch nicht beabsichtigt; schon aus dem Umfang der einzelnen Kapitel dürfte erkennbar sein, dass hier gewichtet wurde.
ES IST NAHEZU UNMöGLICH, DEN HOLOCAUST ZU BESCHREIBEN. Je mehr Dokumente man liest, NS-Akten, Augenzeugenberichte, Fotos, desto sprachloser wird man. Und lähmendes Entsetzen befällt einen, wenn man in dem Film "Shoah" sieht und hört:
Filip Müller, ein überlebender von Auschwitz, erzählt in einem warmen, anteilnehmenden Tonfall, der durch seinen polnisch-jiddischen Einschlag stellenweise sogar munter klingt, von der Gaskammer und dem Krematorium: Wieso kann Sprache immer noch harmlos sein?151
Jan Karski, ehemals Kurier der polnischen Exilregierung (London), heute Universitätsprofessor in den USA, kein Jude, kämpft vor der Kamera noch nach 40 Jahren erfolglos gegen seine Tränen an, als er seine Eindrücke aus dem Warschauer Ghetto berichten soll152. Warum versagt die menschliche Sprache, wenn sie SHOAH begreifen, in den Griff kriegen will?
Motke Zaidl und Itzhak Dugin mussten die ermordeten Juden ausgraben und verbrennen, einer sogar seine Familienangehörigen: Mutter, Schwestern und deren Kinder153.
Es ist schwer, sich solche Situationen heute vorzustellen. Nicht, dass wir Menschen heute keinen gewaltsamen Tod kennen; aber die Kälte, die Planmässigkeit, die Industrie, der Terror, die Verachtung, die Verwaltung - die Zahl der Ermordeten: unfassbar.
In den folgenden Abschnitten wird versucht, den Leidensweg aller Troisdorfer Juden, die deportiert worden sind, bis zum bitteren Ende nachzuzeichnen. Andere Forscher haben sich mit dem Hinweis "im Osten ermordet" begnügt.
Die Schwierigkeit ist, dass mit dem Augenblick, in dem die Juden die Deportationszüge in Köln-Deutz, Westerbork (NL) oder Drancy (F) besteigen, die schriftliche überlieferung über die einzelnen Personen normalerweise endgültig abreisst; die letzte gesicherte Information, die von jeder154 Person existiert, ist das D a t u m des Transports. Zum Teil haben die Nazis in ihren Schriftstücken an die Kommunalbehörden schon das Z i e l des Transports mit dem Hinweis "Osten" verschleiert.
Mit dem überschreiten der Reichsgrenze verlieren die Juden nicht nur ihre deutsche Staatsangehörigkeit155, sondern auch ihren Namen und ihre Individualität. Trotzdem können heute noch weitere Angaben gemacht werden, z.B. zu den Umständen ihres Todes, auf der Grundlage inzwischen veröffentlichter NS-Dokumente, von Gerichtsakten und von Berichten überlebender156, d.h. aus gleichen oder parallelen Schicksalen und Schilderungen, die verknüpft und gleichzeitig kontrolliert werden durch Vermutungen und Wahrscheinlichkeitsüberlegungen. Je weiter wir uns jedoch vom Tag der Deportation entfernen, desto mehr geht die Wahrscheinlichkeit über in eine blosse Möglichkeit: Wenn eine Jüdin vom Jahrgang 1867 noch im April 1944 - fast zwei Jahre nach ihrer Deportation - Karten aus Theresienstadt schreibt, widerspricht das eigentlich der tödlichen Lagerlogik.
Eine beredte Ausnahme in dem ansonsten tödlichen Schweigen der schriftlichen überlieferung sind die Postkarten, die von einzelnen Juden - besonders aus dem Minsker Transport vom 20.Juli 1942 - abgeschickt wurden und in Troisdorf ankamen; sie erlauben in Verbindung mit anderen Quellen eine exakte Rekonstruktion der letzten Stunden dieser Juden.
Der erste157 Transport mit Troisdorfer Juden beginnt am 29.Oktober 1941 in Köln. Er umfasst 1.015 Personen mittleren Alters158, darunter
Die Brünells sind am 29.August 1938 nach Köln, Am Duffesbach 44161, verzogen, die Levys am 26.Mai 1939 nach Köln, Horst-Wessel-Platz 14162. Was sich beim Verlassen der Wohnungen abspielt, lässt sich aus dem Dienstbefehl und dem Merkblatt für Frankfurter Gestapobeamte vom August/Oktober 1941 erschliessen163.
Der Transport vom 29.Oktober, wie auch schon frühere, geht in die polnische Stadt Lodz164, von den Nazis umbenannt in "Litzmannstadt". Dort haben die Behörden schon im Februar 1940 mit einer "Polizeiverordnung über die Wohn- und Aufenthaltsrechte der Juden"165 die Gründung eines Zwangsghettos "praktisch eingeleitet"166, freilich nur als "übergangsmassnahme"167 gedacht. Im Norden der Stadt wird ein "Wohngebiet" abgesteckt, das alle Polen und Deutsche bis zum 26.Februar 1940 verlassen müssen. In den "Ausführungsbestimmungen" und dem "Zeitplan"168 wird von den deutschen Behörden festgesetzt, dass die rund 200.000 Juden169 in der Woche vom 12. bis 17.Februar in Gruppen zu je 300 Personen in das Ghetto umziehen müssen, wo etwa 120.000 Glaubensgenossen "seit Jahr und Tag unter den denkbar primitivsten hygienischen Verhältnissen"170 leben. Die Wohnungen werden den Neuankömmlingen von dem von den Nazis eingesetzten "ältesten der Juden", Chaim Rumkowski171, zugewiesen172.
Am 30.April 1940 wird das Ghetto geschlossen, d.h. mit Holzzäunen und Stacheldraht173 umgeben, allen Juden wird das Verlassen des Ghettos verboten174:
[...] Jeder Jude, der versucht, den Ghettozaun zu durchkriechen oder zu überklettern [...], wird ohne Anruf erschossen. Jeder Jude, der irgendwelche Schmugggelwaren oder Geld über den Zaun wirft oder [in Empfang nimmt], wird, wenn er unmittelbar dabei getroffen wird, ohne Anruf erschossen.
Jeder Jude, der sich nach der Sperrstunde (21.00 Uhr) unmittelbar am Zaun zu schaffen macht, wird ohne Anruf erschossen [...].175
In dieses, von ortsansässigen Juden schon übervölkerte176 Ghetto kommen im Oktober/November 1941 in 20 Sonderzügen fast 20.000 Juden aus dem "Altreich" und dem westlichen Europa, "in der Mehrzahl ältere Frauen und Männer" und "fast ausnahmslos gut gekleidet"177. Die Reichsbahnzüge laufen im Lodzer Bahnhof Radogoszcz/ Radegast ein; vor den Augen der NS-Grössen und "trotz ungünstiger Witterung", teilweise bei Nacht, werden die Juden "ausgeladen":
Das Ausladen geschah in der Weise, dass jeweils die Juden aus 6 Eisenbahnwaggons zu einem Trupp zusammengestellt und von 2 Schutzpolizeibeamten bis zum Gettotor begleitet wurden. Zu allen Transporten wurde ferner der jüdische Ordnungsdienst und der jüdische Arbeitsdienst zugezogen. Der jüdische Ordnungsdienst hatte die einzelnen Trupps im Getto zu den Auffanglagern zu führen. Das Gepäck wurde durch den jüdischen Arbeitsdienst ausgeladen und auf Fahrzeugen der [NS-] Gettoverwaltung in das Getto eingebracht. Zur Beförderung von schwachen, alten und kranken Juden standen einige Droschken aus dem Getto zur Verfügung. Diese Juden wurden durch jüdische ärzte in Empfang genommen.
Das mitgeführte Gepäck ("durchschnittlich pro Person etwa 50 kg") wird ihnen belassen, ihre Papiere und das Bargeld ("pro Person 100.- RM") werden ihnen von der Gestapo abgenommen178.
Brünells wohnen in der Hohensteiner Strasse (polnisch: ulica Zgierska179) Nr.57, einer der drei Durchgangsstrassen durch das Ghetto; die Adresse der Levys ist unbekannt.
Die Verbindung der Deportierten mit der rheinischen Heimat reisst zunächst nicht ab. Erhalten und dokumentiert sind u.a. die Postkarten der Familie Seligmann aus Rosbach180: Sie belegen den Zeitraum vom 30.November 1941 bis zum 21.Oktober 1942. Von den Troisdorfern ist erhalten eine Karte von Brünells aus dem Ghetto (16.2.42) und zwei Einlieferungsscheine an sie (9.2.42 und 21.4. 42)181. Levys sollen im Frühjahr 1942 Geldsendungen in Mitteilungen an Rosa Marx (deportiert Juli 1942) bestätigt haben182. Nach der totalen Sperre für Post aus dem Ghetto heraus183 sind nach dem Januar 1942 nur noch Geldüberweisungen ins Ghetto bzw. Bestätigungen aus dem Ghetto heraus erlaubt184. Eine solche Geldbestätigung ist auch die Postkarte von Brünells185; für die Geldsendung vom 21.April liegt keine Bestätigung vor; dass das Ehepaar zu diesem Zeitpunkt schon tot ist, erscheint möglich.
Der Tod innerhalb des Ghettos ist vielfältig; einige Beispiele:
In der Hohensteiner Strasse, in der Nähe der Brünellschen Wohnung, macht der Schutzpolizist Naumann am 1.Dezember 1941 Dienst:
Ghettowache 6, Litzmannstadt, 1.Dezember 1941. Bericht.
Betrifft: Schusswaffengebrauch
Am 1.12.1941 in der Zeit von 14.00 Uhr bis 16.00, befand ich mich auf Posten 4 in der Hohensteinerstrasse. Um 15.00 Uhr sah ich, wie eine Jüdin auf den Zaun des Ghettos kletterte, den Kopf durch den Ghettozaun steckte und den Versuch machte, von einem vorüberfahrenden Wagen Rüben zu stehlen. Ich machte von meiner Schusswaffe Gebrauch. Die Jüdin wurde durch zwei Schüsse tödlich getroffen. Art der Schusswaffe: Karabiner 98.
Verschossene Munition: 2 Patronen.
gez. Naumann, Wachtm[eister] d[er] Sch[utz]P[olizei] d[er] Res[erve ...]186
Der Name der Jüdin ist überliefert: Brucha Sliwinska, 60 Jahre alt, geboren in Dzialoszyc, wohnhaft in der Sulzfelderstrasse 5187. Einer der beiden Schüsse trifft den unbeteiligten Juden Major Wolf Weder, 28 Jahre alt, unverheiratet, wohnhaft Hohensteiner Strasse 86188. Dem Todesschützen Naumann bescheinigt sein Vorgesetzter, dass er "berechtigt [war], von der Schusswaffe Gebrauch zu machen"189.
Die meisten Opfer im Ghetto fordern Seuchen und Hunger: Der Leiter der Ghettoverwaltung, einer dem Oberbürgermeister unterstehenden NS-Behörde, die das Vermögen und die Arbeitskraft der Juden "verwaltet"190, Hans Biebow191, schreibt Mitte 1942 an das Arbeitsamt Lodz:
Die Ernährung der Juden ist zur Zeit derartig prekär, dass man von einer tatsächlichen Hungersnot im Getto sprechen kann [...]. Die Judengemeinschaft in Litzmannstadt ist nun im dritten Kriegswinter nur mit solchen Mengen an Lebensmitteln beliefert worden, dass die ganze Zeit über ein langsamer, aber sicherer Kräfteverfall eintrat, der sich in katastrophaler Weise sichtbar macht192.
Im März 1942 berichtet Biebow der Gestapo Lodz, im Vormonat seien an vier Tagen 307 Juden gestorben:
Zudem habe Fleckfieber (Hungertyphus) zugenommen. Im Winter 1941/42 sterben durchschnittlich 150 Menschen pro Tag, vor dem Krieg hat der Durchschnitt in der Stadt Lodz bei 1.0195 gelegen. Nach einer Statistik des Judenrates von Lodz sterben von Januar bis Juli 1942 im Ghetto monatlich ca. 1.800 Menschen, im März sogar 2.250196. Im Juni 1942 sterben ca. 400 Menschen an Lungentuberkulose, 370 an Herzschwäche, 425 an Unterernährung, 14 an Fleckfieber, 24 an Ruhr, 500 an sonstigen Ursachen197.
Die enorm hohe Sterblichkeit ist natürlich die Folge der mangelhaften Ernährung: Es gibt verschiedene Listen, die die Lebensmittelration für jeweils 10 Tage enthalten (Kartoffeln ausserhalb des Rhythmus):
|
in Gramm: |
Okt.1941 |
Jan.1942 |
Okt.1942 |
|
Weizenmehl |
100 |
100 |
- |
|
Roggenmehl |
100 |
100 |
500 |
|
Hirse |
50 |
- |
- |
|
Zucker, weiss |
250 |
250 |
w+g: 360 |
|
Zucker, gelb |
200 |
200 |
|
|
öl |
150 |
150 |
50 |
|
Butter |
- |
- |
50 |
|
Kunsthonig |
50 |
- |
50 |
|
Marmelade |
50 |
100 |
50 |
|
Salz |
200 |
100 |
250 |
|
Mischkaffee |
50 |
100 |
300 |
|
Ammoniak |
5 |
- |
- |
|
sodki[?] |
20 |
15 |
- |
|
Waschpulver |
200 |
- |
ein halbes Päckchen |
|
Soda |
20 |
20 |
20 |
|
Essig (Liter) |
0,1 |
- |
- |
|
Paprika |
- |
- |
10 |
|
Zitronensaft |
- |
- |
10198 |
In den kalten Monaten wird die Lage noch zusätzlich verschärft durch den Mangel an Heizmaterial; die wenigen Briketts, die verteilt werden, verwendet man für die Zubereitung der Mahlzeiten. Geheizt wird mit den Möbeln und mit Zäunen; kleine Kinder lässt man auch tagsüber im Bett199.
Vernichtung durch Arbeit: Ein weiterer teuflischer Schritt, um die Zahl der Juden zu dezimieren, freilich auch eine Gratwanderung. Die Juden sollen einerseits nur in einer "übergangsmassnahme"200 sich im Ghetto aufhalten, bis sie "liquidiert" werden, andererseits aber auch noch der NS-Ghettoverwaltung (offiziell) und Herrn Biebow (inoffiziell) Geld einbringen. Die Juden sollen bei möglichst niedrigen Kosten einen möglichst hohen Ertrag erwirtschaften.
Die Betriebe, die innerhalb der Ghettomauern eingerichtet oder weitergeführt werden, sind also für die Juden lebenswichtig: So können sie ihre Existenzberechtigung - vorübergehend natürlich nur - nachweisen. Es gibt in Lodz - "Europas grösster Schneiderwerkstatt"201 - 10 Schneidereien, die einen monatlichen Gesamtlohn von 700.000 RM auszahlen202, Kleider- und Wäschefabriken, Trikotagenwerkstätten und Strickereien, Kürschnereien, eine Korsettfabrik, Schustereien203, Betriebe, die Gummimäntel, Papiersäcke, Strohschuhe, Hüte herstellen oder Bettfedern sammeln. Die meisten Aufträge kommen von ausserhalb - von der Wehrmacht: Uniformen ändern, zerschossene Uniformen für ausländische Kriegsgefangene herrichten.
In der Hohensteiner Strasse, in der Brünells wohnen, befindet sich u.a. eine "chemische Reinigung und Waschanstalt" (Haus Nr. 68), eine "Federn- und Daunensortierungsstelle" (Haus Nr.64) und ein "Zentrallager für Eisen und Metall" (Haus Nr.62 und 56)204. Der unbekannte Schreiber der "Briefe aus Litzmannstadt" berichtet von einer der drei Fabriken, in denen Frauen, Kinder und Greise Strohschuhe für die Wehrmacht herstellen zu einem Tageslohn von 2 bis 5,50 RM205.
Die 53.000 Arbeiter206 arbeiten in 12-Stunden-Schichten207 in einem Tempo, das die Juden selbst "amerikanisch" nennen208. Immer wieder brechen die Menschen in den Werkstätten, von Hunger entkräftet, zusammen209. Die Angestellten bekommen einen Teller Suppe pro Tag210. Im Winter 1940/41 erfrieren bzw. verhungern unzählige, andere begehen aus Verzweiflung Selbstmord, indem sie sich zum Beispiel aus dem Fenster stürzen; eine Mutter in ihrem Abschiedsbrief:
Ich konnte das Jammern meiner drei kleinen Kinder nicht mehr ertragen. Sie hungern und betteln jeden Tag um ein Stückchen Brot. Ich arme, unglückliche Mutter kann das einfach nicht mehr mit ansehen.211
Seit dem 16.Januar 1942212 laufen die Mordaktionen in Chelmno (deutsch: Kulmhof). In einem alten, unbewohnten Schloss an dem Flüsschen Ner, etwa 60 km von Lodz entfernt213, nimmt am 5.Dezember 1941 das dem Reichsstatthalter Greiser (Poznan/Posen) unterstellte Sonderkommando des Kriminalkommissars und HStuf Herbert Lange214 mit drei Gaswagen215 die Vernichtungsarbeit auf; ab März 1942 führt HStuf Hans Bothmann das Kommando.
Lange hat schon einschlägige Erfahrung: Bereits im Mai/Juni 1940 hat er mit seiner damaligen Truppe in Soldau/Ostpreussen 1.558 Geisteskranke ermordet216. Die Chelmnoer Truppe (10-15 Mann Sipo, 70-80 Mann Schupo) unter Lange/ Bothmann ermordet von Januar bis Juli 1942 etwa 54.000 Ghettobewohner, von Dezember 1941 bis Januar 1943 insgesamt 145.000 Juden aus dem Ghetto und aus der Umgebung von Lodz ("Warthegau")217.
über das Schicksal der Familien Brünell und Levy im Frühjahr/Sommer 1942 wissen wir nichts, auch das "Zydowski Instytut historyczny w Polsce" (das jüdische Institut für Geschichte) in Warschau hat in seinen Unterlagen keine Angaben über diese fünf Troisdorfer218; aus dem vorhandenen Material lässt sich ihr Ende jedoch einigermassen zuverlässig rekonstruieren.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erwachsenen (zwischen 52 und 63 Jahre alt) und auch das Kind (15 Jahre) früh dem Hunger, der Zwangsarbeit oder den Seuchen zum Opfer gefallen sind, ist gross. Bedrückend ist aber, in den Akten zu lesen, dass von den rund 20.000 Juden, die im Oktober/November 1941 aus dem "Altreich" nach Lodz deportiert worden sind, 10.993 zwischen dem 4. und 15.Mai 1942 "evakuiert" werden - d.h. in Chelmno vergast werden219. Die Deutsche Reichsbahn (DR) rechnet am 19.Mai 1942 mit der Gestapo Lodz 12 "Juden-Sdz" [=Sonderzüge] für die Zeit vom 4. bis 12.Mai ab: "bef[ördert]" wurden 10.993 Juden und zwar nur einfache Fahrt von Radegast nach Przybylow220. Die Zusammensetzung dieser 12 Transporte ist überliefert; die jüdische Ghetto-Chronik schreibt am 6.Mai:
Vom 3. des laufenden Monats wurden täglich folgende Transporte zusammengestellt: Berlin II, Wien II, Düsseldorf, Berlin IV, Hamburg, Wien IV, Prag I, Prag III, Köln II, Berlin III, Prag V, Berlin IV, Wien II, Wien IV, Prag II, Prag IV, Wien I, Frankfurt, Köln I und der letzte Transport Luxemburg221.
Mit anderen Worten: Die Juden aus diesen Transporten vom Herbst 1941 werden jetzt en bloc nach Chelmno deportiert. Von den 20.000 bleibt als mathematischer Rest immer noch 9.000 übrig, und die Seligmanns beweisen ja auch, dass nicht alle Kölner im Mai ermordet worden sind. Doch diese dürften angesichts der Tatsache, dass jeder zweite von den Herbst-Transporten ermordet wurde, und angesichts der sonstigen Umstände im Ghetto eher eine Ausnahme darstellen, so dass man damit rechnen muss, dass Levys und Brünells am 15.Mai 1942 nicht mehr gelebt haben.
Die letzten Stunden ihres Lebens dürften in etwa so ausgesehen haben222: Mit der Reichsbahn fahren sie von Lodz-Radogoszcz nach Kolo (Warthbrücken); dort müssen sie in die nach Chelmno führende Kleinbahn223 umsteigen224; in Powiercie (nach gut 1 km) müssen sie wieder aussteigen und zu Fuss zur Mühle von Zawadka225 (0,5 km) gehen; dort übernachten sie. Lastwagen des Sonderkommando bringen sie am nächsten Morgen in das umgebaute226Schloss. Dann passiert folgendes:
Den Opfern wird erklärt, sie müssten duschen, ihre Kleider würden inzwischen desinfiziert. Manchmal tragen die Mitglieder des in der Ermordung von Geisteskranken erprobten Kommando Lange weisse Kittel und ein Hörrohr, um vorzutäuschen, sie seien ärzte.
Die Opfer entkleiden sich, die Wertsachen werden abgegeben und scheinbar registriert. Dann geht es zu einer Kellertreppe, wo ein Schild ZUM BAD angebracht ist. Von dort führt der Weg zu einer ihnen nicht erkennbaren Rampe. An dieser Rampe steht der Gaswagen. Die Rampe ist so gemauert, dass bei geöffneten Flügeltüren den Opfern nur der Weg in das Wageninnere bleibt. Prügel und Peitschen helfen nach.
Haben die Opfer den Gaswagen betreten und sind die Türen geschlossen, wird der unter dem Wagen angebrachte Schlauch mit dem Auspuff verbunden. Der Fahrer beginnt, Gas zu geben. In der Theorie sind die Opfer nach etwa sieben, acht Minuten bewusstlos, sterben zwei Minuten später. Zunächst setzen Kopfschmerzen ein, Schläfendruck, übelkeit, sie erbrechen, zittern, Urin und Kot geht ab. Sie schreien, beten, schlagen gegen die Wagenwände. In der Praxis dauert es oft Stunden, bis die Opfer qualvoll ersticken.
Hört das Schreien im Wageninnern auf, verlässt der Gaswagen das Schlossgelände und fährt zu einem abgesperrten Waldgebiet. Jüdische Häftlinge entladen die Leichen. [...] Die Leichen werden vom Wagen geworfen, noch Lebende erschossen, die Körperöffnungen nach Wertsachen durchsucht, die Goldzähne mit einer Zange herausgebrochen. Das jüdische Arbeitskommando, Ketten an den Füssen, muss das Wageninnere säubern: Blut, Urin, Exkremente. Die Leichen kommen über- und nebeneinander in ein Massengrab.227
Mordechai Podchlebnik, einer der beiden Juden (von 300.000 oder 400.000), die Chelmno überlebt haben, berichtet228:
Er [= Mordechai] erinnert sich, dass es Ende 1941 war, zwei Tage vor Neujahr. Man hat sie [= Mordechai und andere "Arbeitsjuden"] nachts abfahren lassen, und morgens sind sie in Chelmno angekommen. Dort gab es ein Schloss.
Als er auf dem Schlosshof angekommen ist, hat er schon gewusst, dass es schrecklich war. Er hatte schon begriffen. Sie haben die Kleider gesehen, die Schuhe, die verstreut auf dem Hof lagen. Er hat gesehen, dass es ausser ihnen niemanden gab, und er wusste, dass seine Eltern durch all dies gegangen waren. Kein einziger Jude war übriggeblieben.
Man liess sie in einen Keller hinuntersteigen. An den Wänden war zu lesen: "Diesen Ort wird kein Lebender verlassen." Die Inschriften waren jiddisch. Viele Namen standen dort. [...]
Eines Morgens, einige Tage nach Neujahr, hörten sie einen Lastwagen kommen mit Menschen. Dann haben die SS-Leute die Leute aus dem Lastwagen getrieben und sie in den ersten Stock des Schlosses steigen lassen. Die Deutschen täuschten die Leute, indem sie ihnen sagten, dass sie sie in einen Baderaum führten.
Man liess sie auf der anderen Seite wieder hinuntersteigen, wo ein Lastwagen stand. Die Deutschen haben sich an den Seiten aufgestellt, stiessen sie und schlugen mit Waffen, damit sie schneller in die Lastwagen einsteigen. Er hörte die Leute das "Shema Israel" singen, und er hörte, wie man die Türen des Lastwagen schloss.
Man hörte sie schreien, und die Schreie wurden schwächer und schwächer, und als es absolut still war, fuhr der Lastwagen fort.
Schreibtischtäter Adolf Eichmann, der Judenreferent im RSHA, sah sich einmal selbst eine solche Fahrt und deren Resultat an:
[...] Ich fuhr dann dem Wagen nach, und da sah ich das Entsetzlichste, was ich in meinem Leben bis dahin gesehen hatte. [...] Der [Wagen] fuhr an eine längliche Grube, die Türen wurden aufgemacht und heraus wurden die Leichen geworfen. [...] Ich sehe da noch, wie ein Zivilist mit einer Zange Zähne rauszieht, und dann bin ich abgehauen. Bin in den Wagen und bin weg und habe nichts mehr gesprochen. Da war ich bedient. Da war ich fertig229.
Die Mörder sollen bei Laune gehalten werden: Biebow fordert für sie beim "Reichsbeauftragten für das Trinkbranntweingewerbe beim Reichsnährstand" in Berlin (zusätzlichen) Schnaps an230; das Landeswirtschaftsamt Posen geht er um eine monatliche Sonderzuteilung von 5.000 Zigaretten an231; und obendrein bekommen die "bei der Sonderaktion eingesetzten Leute" eine Gefahrenzulage von 4 RM täglich zugesprochen232.
Ende Mai 1942 haben sich im Schloss ("beim Sonderkommando Lange") Berge von Kleidung angesammelt, auf 370 Waggon- oder 900 Lkw-Ladungen wird die Menge geschätzt, für ihren Abtransport werden zwei Monate veranschlagt233.
Diese Kleidungsstücke werden von der Ghettoverwaltung verkauft, ein Anzug für 5 RM234. Eine Lieferung, die an das Winterhilfswerk in Posen, enthält zahlreiche "schlechte Bekleidungsstücke": An 51 von 200 Jacketts sind die Judensterne noch nicht entfernt; "ein grosser Teil [...] ist stark befleckt und teilweise auch mit Schmutz und Blutflecken durchsetzt"235.
Die Vergasungen in Chelmno setzen im März 1943 aus. Die oberirdischen Spuren werden restlos vernichtet, das letzte jüdische Arbeitskommando erschossen. Das Sonderkommando des SS-Standartenführers Paul Blobel236("Kommando 1005"237) gräbt später 360.000238 Leichen aus und verbrennt sie239.
Die 85 Männer des Sonderkommandos Lange/Bothmann erhalten das Kriegsverdienstkreuz, werden zur Verschwiegenheit verpflichtet und als Feldgendarmerie der Waffen-SS-Division "Prinz Eugen" in Jugoslawien eingesetzt240.
Anfang 1943 leben von den 20.000 Juden der Transporte vom Herbst 1941 nur noch 4.000241.
Der nächste Troisdorfer, den die Nazis verschleppen, ist Emil Levy (geb.1910), der Sohn von Samuel Levy. Emil ist schon 1932 von Troisdorf weggezogen242und wohnt zuletzt, d.h. 1941, in Hamburg. Ob er geheiratet hat, ist aus den einschlägigen Akten der Standesämter Troisdorf und Hamburg nicht zweifelsfrei erkennbar. Emil Levy gehört zu dem ersten Hamburger Transport vom 8. November 1941243, der 1.034 Juden umfasst244; auch er müsste am 7. November 1941 folgenden Brief erhalten haben:
Der Jude [Emil Levy hat] sich am 8.November zwischen 10 und 12 Uhr in der früheren Jüdischen Loge in der Moorweidenstrasse einzufinden. Der Wohnungsschlüssel ist vor Verlassen auf der nächsten Polizeistation abzugeben. Die Wohnung und ihr Inhalt darf nicht verkauft oder beschädigt werden. Sie sind in gutem Zustand zu hinterlassen. Jedes Mitglied der Familie kann einen Koffer mitnehmen, der 50 Pfund Kleidung, Bettwäsche und Schuhe enthalten darf. Alles Eigentum, Konten, Bargeld und Wertgegenstände sind hiermit beschlagnahmt.
gez. Das SS Kommando von Hamburg
Die Stadt Hamburg245
Zu diesem Transport gehört auch Heinz Rosenberg, einer der ganz wenigen überlebenden dieses Transports; ihm verdanken wir die ausführlichste Schilderung des Ghettos der weissrussischen Stadt Minsk246.
Minsk zählt wie Lodz, Riga, Kowno - d.h. Grossstädte in Osteuropa mit starken jüdischen Minderheiten - zu den ersten Deportationszielen, bis die Vernichtungslager ihre "Arbeit" aufnehmen. In Minsk haben im Jahre 1939 - nach NS-Angaben - 100.000 Juden neben 138.000 Nicht-Juden gelebt247, im Februar 1942 nur noch 18.000248. Emil Levy kommt am 11.November dort an. Es ist bestürzend zu lesen, welche Illusionen sich die Juden machen:
Es konnte beobachtet werden, dass die Juden sich z.T. ein völlig falsches Bild über ihre Zukunft machten, z.B. dass sie sich als Pioniere fühlten, die zur Kolonialisierung des Ostens eingesetzt werden.249
Aus demselben Zeitraum (Januar 1942) gibt es den Bericht des SS-OStuf und Kriminalkommissars Burkhardt:
Die reichsdeutschen Juden fühlten sich bei ihrer Ankunft in Minsk durchaus als Ostpioniere und glaubten grösstenteils, zur Lösung von kolonisatorischen Aufgaben herangezogen zu werden.250
Diese Einstellung ist gar nicht so verwunderlich, hatte doch z.B. die Kölner Synagogengemeinde ihren Mitgliedern mitgeteilt, für einen Transport am 8.Dezember nach Minsk würden
Spaten, Hacken, Beile, äxte, Hammer, Zangen, Nägel und sonstiges Werkzeug [...] in grosser Anzahl benötigt, [ferner] öfen, Ofenrohre, Ofenbleche, grosse Kochkessel, Waschkessel, Waschpulver, Seife und sonstige für den Haushalt unbedingt notwendige Gegenstände wie Besen, Schrubber, Aufnehmer [und schliesslich] ca.15 Nähmaschinen.251
Am Abend des 11.November kommt der Hamburger Transport endlich in Minsk an252; weil es schon dunkel ist, müssen die Juden bis zum nächsten Tag im Zug bleiben. Um 5 Uhr morgens dürfen sie endlich aussteigen. Ein SS-Offizier schlägt dem jüdischen "Transportleiter" Dr. Edgar Frank zur Begrüssung gleich die Lederpeitsche ins Gesicht. Dr. Frank und die ebenfalls von der SS ernannten "Waggonführer" werden als erste in das Ghetto geschickt:
Es lag oberhalb eines sehr alten Teils der Stadt, mit Häusern noch aus der Zarenzeit. Es war rundum mit Stacheldraht eingezäunt und hatte nur einen einzigen Ausgang. In der Mitte lag ein aus roten Ziegeln gebautes, unfertiges Schulhaus und gegenüber ein weisses Gebäude, das möglicherweise auch eine Schule war. Wir erhielten den Befehl, das rote Gebäude sofort auszuräumen. Als wir das Haus betraten, erwartete uns ein zweiter entsetzlicher Eindruck von Minsk: Hunderte von Leichen bedeckten den Boden. [...] überall war Blut, und auf den öfen und Tischen stand noch das Essen. Alle Räume waren in einem vollständigen Durcheinander. Es war nicht eine lebende Seele zu finden.253
Die SS hat unmittelbar vorher (vom 7. bis 11.November) 6.624 russische Juden erschossen254; noch leben im russischen Teil des Ghettos einige tausend Juden255. Hierhin kommen im Herbst/ Winter 1941/42 etwa 7.300 Juden aus Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt/ Main, Berlin, Brünn, Bremen und Wien. Neun Menschen - nach anderen Angaben elf256 und zwölf257 - haben das Ghetto Minsk überlebt: ausser Heinz Rosenberg Karl Loewenstein aus Berlin, der 1956 seine Zeit im Lager (18.11.41 - 13.5.42) geschildert hat.
Die Neuankömmlinge werden nach kurzer Zeit verteilt auf Teillager, die unterschiedlich weit voneinander entfernt liegen: Im "Hamburger Lager" sind die Juden aus Hamburg und Frankfurt, im "Berliner Lager" die aus Berlin und Brünn, mit den "Rheinländern" sind die Düsseldorfer gemeint, in "Bremen" wohnen die Juden aus Norddeutschland und in "Wien" die österreichischen Juden. Sie sind zum grössten Teil in Reihenhäusern aus Holz untergebracht, die ebenerdig gebaut sind und einen Herd und zwei Räume haben; die beiden Steinhäuser sind geräumiger. Für jeden Bewohner stehen 1,4 m² Wohnfläche zur Verfügung; Strom gibt es nicht, für das ganze Lager existiert eine Wasserpumpe. Zuvor haben in denn Häusern russische Juden gewohnt, die - so die SS durchaus richtig - vor der Ankunft der Neuen "umgelegt" worden seien. In einem der Steinhäuser ist ein "Hospital" für 20 Kranke; fünf ärzte stehen für die Versorgung der Juden zur Verfügung - kein Wunder, dass "in wenigen Wochen" (Loewenstein) 700 Menschen sterben.
In "Hamburg" gibt es zwei Grossküchen für alle Ghetto-Bewohner; pro Kopf und Tag werden ausgegeben 300 gr. Wasser mit 5 gr. Buchweizen, 150 gr. Brot aus Buchweizenmehl, aber kein Fett und kein Salz. Kaltschnäuzig registriert die SS-Einsatzgruppe A in ihrem Gesamtbericht von Ende Januar 1942:
Die in allen Ghettos vorhandene Zusammendrängung der Juden auf kleinstem Raum bedingt naturgemäss eine grössere Seuchengefahr, der durch den Einsatz jüdischer ärzte weitestgehend entgegengewirkt wird. In einzelnen Fällen wurden ansteckend erkrankte Juden unter dem Vorwand, in ein jüdisches Altersheim oder Krankenhaus verbracht zu werden, ausgesondert und exekutiert.258
Und noch einmal aus dem Burkhardt-Bericht:
Die deutschen Juden sind [...] von den russischen Juden durch einen Stacheldrahtzaun abgetrennt. [...] Das reichsdeutsche Ghetto Minsk hat einen Bestand von rund 7.000 Personen. Davon sind rund 1.800 Männer arbeitsfähig. Weit über 900 dieser arbeitsfähigen Männer sind jedoch zur Zeit nicht einsatzfähig, da sie infolge der Unterernährung krank sind. Die hauptsächlichen Krankheiten sind: 370 Fälle Hungerruhr, 102 Erfrierungen259, 135 eitrige Wunden, 20 Augenbindehautentzündungen, 25 Lungenentzündungen, 63 Grippe und rheumatische Erkrankungen, 30 Blasenkatarrhe.
Diesen Zahlen ist der Krankenstand vom 31.12.1941 zugrundegelegt. ähnlich den angeführten Zahlen liegen die Verhältnisse im russischen Ghetto, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, dass dort die Zustände aufgrund der allgemeinen Gegebenheiten weit ungünstiger liegen. [...]260
Mit anderen Worten: Nach sieben Wochen im Ghetto ist bereits die Hälfte der Männer schwer krank.
Von den ursprünglich 7.300 Ghettobewohnern (unter denen höchstens 50 Kinder waren) werden zu einem unbekannten Zeitpunkt 1.425 Personen zur Arbeit eingeteilt:
eine unbekannte Zahl arbeitet
200 Männer und Frauen arbeiten in einem Feldzeuglager bei Minsk, die erbeutete russische Waffen instandsetzen und warten müssen264.
Abschätzig notiert die SS:
Von den Juden aus dem Reich ist nur ein geringer Teil arbeitsfähig. [...] Die Leistungen der wenigen einsatzfähigen Juden aus dem Reich sind zufriedenstellend. Sie sind auf Grund ihrer deutschen Sprache und ihrer verhältnismässig grösseren Sauberkeit mehr begehrt als die russischen.265
Der erste Judenkälteste, Dr. Frank, der "Transportleiter" des Hamburger Transports vom 8.November 1941, wird am 8.März 1942 vergiftet266, die restlichen Mitglieder des ersten Judenrates werden am 13.April 1942 erschossen267. Die SS-Leute, insbesondere OSchaf Schmiedel und ab Frühjahr 1942 HSchaf Rübe, quälen268 und erschiessen wahllos Ghettobewohner; täglich fallen Schüsse, z.B. weil ein Jude nicht den Stern trägt. Am 2. und am 3.März 1942 erschiesst die SS Tausende russischer Juden aus dem Ghetto in dessen unmittelbarer Nähe; Loewenstein schätzt 25.000 Menschen, vielleicht aber doch weniger269.
Ende Juli 1942 werden die ersten reichsdeutschen Juden "liquidiert", d.h. in einer grösseren "Aktion" erschossen. Heinz Rosenberg darf mit dem Arbeitskommando das Ghetto erst wieder betreten, als die "Aktion" vorbei ist:
Was wir in den nächsten Tagen im Getto sahen, ist kaum zu erzählen. Selbst stärkste Männer waren zusammengebrochen, Frauen und Kinder schrien und weinten. Der Leichengeruch über dem Lager machte alles noch schlimmer. Die Schlächterei war von einem SS-Spezialkommando ausgeführt worden, aber die deutschen Wehrmachtssoldaten standen Wache um das Getto und sahen zu und sorgten dafür, dass niemand entlaufen und dem Tod entgehen konnte. [...] Am Tag nach dem Massaker mussten die Aussenkommandos wie gewöhnlich zur Arbeit. Den "Nichtaussenarbeitern" fiel es zu, das Getto von den Leichen zu "säubern". Sie brauchten Tage dazu. Immer wieder fanden sie unter den von Maschinengewehren Zerrissenen ihre eigenen Familien oder Freunde. Es war ein einziges Grauen.270
Der Generalkommissar für Weissruthenien (=Weissrussland), Kube271, berichtet an den Reichskommissar für das Ostland, Lohse:
In Minsk-Stadt sind am 28. und 29.Juli rund 10.000 Juden liquidiert worden, davon 6.500 russische Juden, überwiegend Alte, Frauen und Kinder - der Rest bestand aus nichteinsatzfähigen Juden, die überwiegend aus Wien, Brünn, Bremen und Berlin im November des v[origen] J[ahres] nach Minsk [...] geschickt worden sind. [...] In Minsk-Stadt sind noch 2.600 Juden aus Deutschland übrig geblieben. Ausserdem sind noch sämtliche 6.000 russische Juden und Jüdinnen am Leben, die als Arbeitseinsatz während der Aktion bei den sie beschäftigenden Einheiten verblieben sind.272
Nach einer anderen NS-Quelle ("Tätigkeitsbericht der Gruppe Arlt") werden "am 29.Juli 3.000 deutsche Juden" ermordet273. Und am 8.Mai 1943 werden die Hamburger Juden und der Hauptteil der Rheinland-Juden ermordet274.
Somit kann vermutet werden: Emil Levy, Jahrgang 1910, war wegen seines Alters wohl einer der arbeitsfähigen Juden; er dürfte - wenn nichts Aussergewöhnliches vorgefallen ist - noch einige Zeit gelebt haben. Da er aus Hamburg deportiert wurde, hatte er theoretisch die Chance, bis zum 8.Mai 1943 zu leben. Danach war Emil Levy mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tot. Heinz Rosenberg und weitere 249 jüdische Männer sind am 1.September 1943 als Arbeitsjuden in andere Lager verlegt worden. Zwei Wochen später ist das gesamte Ghetto "liquidiert" worden275.
Rosenberg und Loewenstein erwähnen auch die "Gaswagen": Lastkraftwagen, die - wie in Chelmno - die Juden durch die Auspuffgase töten. Loewensteins Schilderungen der Gaswagen beziehen sich nicht auf die Ghetto-Juden, sondern auf Transporte, die von auswärts nach Minsk kommen276. So sind auch die Telegramme einzuordnen, die im Juni 1942 wegen der "S-Wagen" -gemeint sind die Vergasungslastwagen - gewechselt werden:
BEIM KOMMANDEUR DER SIPO U[ND] D[ES] SD WEISSRUTHENIEN TRIFFT WOECHENTLICH EIN JUDENTRANSPORT EIN, DER EINER SONDERBEHANDLUNG ZU UNTERZIEHEN IST. DIE 3 DORT VORHANDENEN S-WAGEN REICHEN FUER DIESEN ZWECK NICHT AUS. [...]277
Rosenberg dagegen beschreibt, wie die Gaswagen die Juden i m Ghetto abholen: Nachts umstellt die SS einen Häuserblock von 500 bis 1.000 Menschen; jeweils etwa 100 Menschen wurden in einen Gaswagen gepfercht und etwa 20 bis 30 Minuten weit ausserhalb von Minsk in Massengräbern dann verscharrt: so ging es Woche für Woche, Monat für Monat.278 Ob aber alle Juden, die in die Gegend von Minsk kommen, in diesen Lastwagen ermordet werden, ist zu bezweifeln279.
Am 15.Juni 1942: der dritte Transport; die Anordnung, die erhalten ist, hat Eichmann, der Judenreferent des RSHA, am 3.Juni ausgestellt280. Die Gestapo Köln leitet den Befehl und eine Namensliste281 am 8.Juni an den Landrat in Siegburg weiter282; der schreibt am 10.Juni an die Bürgermeister in Hennef, Much, Niederkassel, Rosbach und Siegburg283. Für die Juden wird ein "Sonderzug" eingesetzt, er hat die Bezeichnung "DA 22"284 und soll die Juden - nach der offiziellen Lesart, z.B. gegenüber dem Landratsamt Siegburg - "nach dem Osten" bringen; intern ist man konkreter: Izbica bei Lublin ist das Ziel285. An besagtem 15. Juni, um 0.00 Uhr, soll dieser Zug seine Fahrt in Koblenz beginnen und knapp zwei Stunden später Köln erreichen286. Für die "Juden der Stapostelle Köln", die hier zusteigen sollen, sind neun Personenwagen "bestimmt"287.
Aus dem Siegkreis werden in erster Linie Juden aus dem Lager Much (30 Menschen288), darunter das Ehepaar Albert und Amalie Marcus aus Siegburg, und eine unbekannte Anzahl von Personen aus dem Siegburger "Judenhaus" in der Brandstrasse 42-44289 erfasst.
Albert Marcus ist 1877 in Troisdorf geboren, wo die jüdische Familie Marcus mindestens seit Beginn des 19.Jahrhunderts lebte290, und führte früher eine Metzgerei auf der Kaiserstrasse 134. Die Töchter Hildegard (Jahrgang 1908), Margot (1918) und Grete (1920) sind noch 1938/39 aus Deutschland geflohen291. Der Metzgermeister Marcus hat im Juni 1941 sogar seine Schlachtinstrumente in das Lager Much mitgenommen. Am Abend des 13.Juni, wenige Stunden vor dem Abtransport aus Much, vertraut er292 diese Geräte einer Mucher Familie zur Aufbewahrung an293. Am frühen Morgen des 14.Juni fahren Lastwagen in Much vor. Augenzeugen berichten:
Mit eigenen Augen habe ich gesehen, als die Juden auf Lastwagen verladen wurden. Ich wollte gerade ins Dorf zum Einkaufen gehen. Ich sah, wie man einfach die Kinder nahm und auf den Wagen warf.
Man trieb die Leute mit den Worten weg: "Weitergehn!" [...]. Ein paar grosse Lastwagen sah ich. Ich hörte ein Geschrei. Die nahmen die Kinder und warfen sie einfach auf den Wagen.
Die Leute wurden richtig hineingeschoben, damit viele reingingen. Eventuell blieben noch Familienangehörige zurück, die riefen dann "Mein Vater! oder "meine Mutter!". Sie wollten noch mit auf den Wagen.294
Die Lkw-Fahrt geht dann über Siegburg, wo in der Brandstrasse die Juden aufgenommen werden295, nach Bonn-Endenich in das ehemalige Kloster296. Am Abend dieses Tages schreibt ein Vater an seine Familie:
Bonn, Kreuzberg 14/6.41
Liebe Mutti, liebe Else!
Es ist jetzt 10 Uhr abends. Wir fahren heute Abends um 12 Uhr ab. Wohin, - unbekannt. Vorläufig alles in Ordnung. Bleibt gesund und wohl.
Es grüsst Euch Euer Vater!297
Um Mitternacht also werden die Juden aus dem Kloster Endenich nach Köln-Deutz gefahren298. In dem dort gegen 01.40 Uhr eintreffenden Zug aus Koblenz sind die neun Güter(!)wagen bereits mit 331 "Schwachsinnigen" aus der "israelitischen Heil- und Pflegeanstalt in Bendorf-Sayn belegt."299 Die Frau des Anstaltsleiters hat am Morgen des Vortages zugesehen:
Das "Verladen" - anders kann ich es nicht nennen - ging heute früh von etwa 7 Uhr an vor sich. Gegen ½ 3 Uhr war dann endlich der Zug abfahrbereit. Alles kam in Güterwagen [...]. 60 oder gar 68 Menschen in einen Wagen, der fest verschlossen und verplombt wurde. Ich sah den Zug stehen, als ich morgens gegen 8 Uhr zur Post ging. Es schnitt mir ins Herz [...]. Gegen 15 Uhr fuhr der Zug nach Koblenz und um Mitternacht [!, d.h. 9 Stunden warten] von [Koblenz-] Lützel aus in Richtung Köln.300
Diese "Belegung" könnte zu der Schlussfolgerung führen301, dass alle Insassen des Transports nur kurze Zeit nach ihrer Ankunft im Osten ermordet werden sollten. Das ist aber keineswegs zwingend.
Izbica (rund 80 km südöstlich von Lublin), Piaski, Krasnystaw und Trawniki - andere Orte in der Umgebung von Lublin - sind Auffang- oder Durchgangslager; "Transferstelle" nennen die Nazis z.B. Piaski302. Sie alle sind nur "typische Auffang- und Sammelstationen vor dem eigentlichen Abtransport in die Vernichtungsläger der «Aktion Reinhard»"303. Es gibt Hinweise, wonach die aus dem Reich verschleppten Juden nicht sofort ermordet werden, sondern einige Tage, ja Wochen und Monate in diesen Orten bleiben. Einem in Würzburg zurückbleibenden Vater sagt die Gestapo, seine Tochter werde in Izbica in der Landwirtschaft eingesetzt304. Diese Mitteilung kann korrekt sein, wie ein Brief des Judenrates von Izbica an die IKG Würzburg zeigt; darin heisst es:
Die deutschen Behörden kommen uns entgegen und werden die Arbeitsfähigen in den Arbeitsprozess einschalten.305
Dass Juden aus dem Reich dort angekommen sind, beweisen andere Briefe: Der Judenrat Lublin am 12.April 1942 an die Jüdische Soziale Selbsthilfe in Krakau: "In Izbica trafen aus dem Rheinland 1.871 Personen ein."306 Und nach einer "Judenaktion" im Ghetto von Piaski schreibt die Sipo:
Während die von den hessischen Juden zurückgenommenen Waren z.T. unwertig sind, handelt es sich bei den übrigen Spinnstoffwaren um ältere und schmutzige Ware für die Zerreissmaschine. Die Wäschestücke der hessischen Juden sind in Koffern verpackt.307
Mit diesen Sätzen wird ein Vorgang erhellt, der sich im Tagebuch von Josef Goebbels so liest:
Aus dem Generalgouvernement [d.i. Polen] werden jetzt, bei Lublin beginnend, die Juden nach dem Osten abgeschoben. Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden bleibt nicht mehr viel übrig. [...] Die in den Städten des Generalgouvernements frei werdenden Ghettos werden jetzt mit den aus dem Reich abgeschobenen Juden gefüllt, und hier soll sich dann nach einer gewissen Zeit der Prozess erneuern.308
Mit anderen Worten: Zuerst werden die polnischen Juden aus ihren Ghettos herausgeholt und ermordet309, z.B. im März/April 1942 3.400 aus Piaski, 2.200 aus Izbica und Umgebung310. Und in die entvölkerten Ghettos werden dann die deutschen Juden gesteckt - vorläufig.
Eine - sicherlich geschönte - Beschreibung von Izbica (und der Fahrt dorthin) ist erhalten311:
Der Transport kam infolge der schnelleren Beförderung eines anderen Transports312nicht wie vorgesehen nach Trawniki, sondern nach Izbica. Der Transport ging glatt und ohne Zwischenfälle vonstatten, abgesehen von einer 25stündigen Verspätung[!], die wohl auf das veränderte Reiseziel zurückzuführen ist. Mit Ausnahme von einer Nacht waren die Wagen ständig geheizt. Erkrankungen kamen nicht vor. Die Transportleitung hat einwandfrei funktioniert.
Izbica liegt ca.35 km südlich Trawniki, bezw. ca.80 km südöstlich Lublin. Isbica ist ein kleiner Flecken, jedoch kein Dorf mit Strohkaten, sondern mit Steinhäusern. Die Abwanderer sind in diesen Steinhäusern untergebracht, also nicht in Baracken, wie irrtümlich aus der Bezeichnung "Block" usw. angenommen werden konnte. Die Teilnehmer des Transports haben ihr Gepäck ausnahmslos erhalten, wie dies auch bei den Abwanderern nach Riga, wie erneut betont wurde, geschehen ist.
In Isbica ist auf den ersten Blick besonders der Schmutz und der Schlamm auf den Strassen auffallend (vor den Häusern 30 cm tief!) Dies wird sich jedoch mit der wärmeren Witterung sehr bald bessern. Es liegt nun alles daran, dass die Arbeitsfähigen unverzüglich mit Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten313beginnen. Die Abwanderer sind an ihrem neuen Aufenthaltsort sehr viel sich selbst überlassen und unter weniger strenger Beaufsichtigung als in der alten Heimat. Es gibt zweifellos für die Arbeitsfähigen reichlich Gelegenheit, sowohl in der offenbar gut bewirtschafteten Landwirtschaft, als auch in kleineren Industrien Beschäftigung zu finden. Das Land ist fruchtbar. Es ist alles zu haben.
Und ein paar Tage später:
Der Ort Isbica ist eine Bahnstation. Es wohnen dort bereits einige tausend aus Deutschland abgewanderte Juden. Polnische Juden scheinen im Ort überhaupt nicht mehr zu sein. Die ganze Verwaltung ist in jüdischer Hand[,] und die Organisation auch bei der Ankunft des süddeutschen Transports habe gut funktioniert. Das Gepäck sei soweit nötig durch Ordner in die Quartiere, die schon bereitgestellt gewesen seien, gebracht worden.
Es ist dort ein jüdischer Bürgermeister, ein jüdisches Wohnungsamt, jüdische Polizei, alles von aus Deutschland abgewanderten Juden besetzt. Die Gegend ist fruchtbar und vom Krieg völlig unberührt. Die Vegetation ist zurück. Bei Ankunft des Transportes habe es noch geschneit. Es sei anzunehmen, dass, sobald Gemüse gewachsen sei, auch die Ernährungslage erheblich besser werde. Auch die ärztliche Betreuung ist insofern gesichert, als 25 jüdische ärzte am Platze sind. Die Unterkünfte seien nicht schlecht. Die Häuser würden auch äusserlich einen ordentlichen Eindruck machen. Man glaube, dass die Siedlung sich gedeihlich entwickeln könne.
Zwei Privatbriefen, die offenbar in guter Stimmung geschrieben sind, entnehmen wir, dass ein Teil unserer Abwanderer in das Arbeitslager Augustovka in der Nähe von Isbica gekommen ist. Das Lager sei auf einem grossen Gutshof in schöner Lage (Felder, Wälder, kleine Flüsse und Seen): Kühe, Schafe und Hühner seien vorhanden. Die Frauen sind in der Küche und mit leichten Feldarbeiten beschäftigt. Einige Männer sind auch bei der Ordnungspolizei tätig.
Auch Juden aus Würzburg, Fürth oder Mainz haben noch Wochen oder Monate nach ihrer Deportation Postkarten in Izbica und Piaski aufgegeben314. Und ein 16jähriger Junge aus Lörrach, deportiert am 23.April 1942, schreibt am 10.Mai 1942, dass er im Wasserwerk des Lagers Augustowska (Kreis Krasnystaw) arbeite315.
Offensichtlich dienen Izbica und die anderen Ortschaften nur dazu, die Neuankömmlinge zu selektieren: arbeitsfähig - ja oder nein? Am 16.März 1942 findet eine Unterredung zweier Nazi-Beamter und Tötungsbürokraten statt: HStuf Hans Höfle316, Hauptabteilungsleiter der «Aktion Reinhard»317, informiert Ernst Reuter, Referent in der Abteilung "Bevölkerungswesen und Fürsorge"(!) beim Gouverneur des Distrikts Lublin, über weitere Judentransporte; Reuter notiert sich Höfles Worte:
Es wäre zweckmässig, die in den Distrikt Lublin kommenden Judentransporte schon auf der Abgangsstation [z.B. in Deutschland] in arbeitseinsatzfähige und nicht arbeitseinsatzfähige Juden zu teilen. Wenn diese Auseinanderhaltung auf der Abgangsstation nicht möglich ist, müsste man evtl. dazu übergehen, den Transport in Lublin nach den obengenannten Gesichtspunkten zu trennen.
Nichteinsatzfähige Juden kommen sämtlich nach Belzec. [...]
Piaski wird von polnischen Juden frei gemacht und wird Sammelpunkt für die aus dem Reich kommenden Juden. [...] Eine Anfrage des Kreishauptmanns318[von] Zamosc, von dort [=Izbica] 200 Juden zur Arbeit heranziehen zu können, wurde von Höfle bejaht.
Abschliessend erklärte er [=Höfle], er könne täglich 4-5 Transporte zu 1000 Juden mit der Zielstation Belzec aufnehmen. Diese Juden kämen über die Grenze [des "Grossdeutschen" Reiches] und würden nie mehr ins Generalgouvernement zurückkommen.319
Das Vernichtungslager Belzec, ca. 60 km südlich von Izbica320, könnte also die letzte Station für Albert und Amalie Marcus gewesen sein. Dort werden vom 14.März 1942 bis zum Januar 1943 mindestens 600.000 Menschen321ermordet, in der ersten Phase bis Mitte Juni 1942 über 96.000322. Kommandant des Lagers ist bis zum 1.August 1942 HStuf Christian Wirth, der schon bei der Ermordung Geisteskranker ("T 4") einige Erfahrung gesammelt hat323. Belzec haben nur zwei Juden überlebt324.
Aus der ersten Zeit gibt es keine schriftlichen325 Aufzeichnungen; für den August 1942 gibt es einen detaillierten Augenzeugenbericht: Die 1945 verfasste Niederschrift des Kurt Gerstein326 schildert die qualvolle Vergasung tausender von Lemberger Juden durch Diesel-Abgase; ausserdem existieren die Cornides-Notizen aus der Umgebung von Belzec327 und die Aussagen dreier SS-Leute vor Gericht328.
Das ist aber nicht alles: Im November 1942 beginnen die Nazis, die Leichen der vergasten Juden ausgraben und verbrennen zu lassen. Ein deutscher Aufseher berichtet:
Die Verbrennungen wurden Tag und Nacht durchgeführt, und zwar zunächst an einer, dann an zwei Feuerstellen. Eine Feuerstelle bot die Möglichkeit, binnen 24 Stunden etwa 2.000 Leichen zu verbrennen. Etwa vier Wochen nach Beginn der Verbrennungsaktion wurde die zweite Feuerstelle errichtet. Im Durchschnitt wurden demnach an der einen Feuerstelle etwa fünf Monate lang insgesamt 300.000 Leichen, an der zweiten etwa vier Monate lang 240.000 Leichen verbrannt. [...] Es handelte sich bei den Verbrennungen der wieder ausgegrabenen Leichen um einen menschlich, ästhetisch und geruchsmässig so schauerlichen Vorgang, dass die Phantasie jener Menschen, die heute in bürgerlichen Verhältnissen zu leben gewohnt sind, wohl nicht ausreicht, dieses Grauen nachzuempfinden.329
Schliesslich wird das Vernichtungslager von den Nazis dem Erdboden gleichgemacht, alle Spuren sollen verwischt werden. Den Zustand des Geländes im Oktober 1945 beschreibt ein Untersuchungsrichter am Landgericht Zamosz:
[...] Die Besichtigung hat folgendes ergeben:
Das Gebiet des ehem[aligen] Vernichtungslagers in Belzec befindet sich süd-östlich von der
Eisenbahnstation Belzec in Entfernung von etwa 500 m davon.
[...]
[In einem stark zerwühlten Gebiet des Lagers] liegen in grosser Menge zerstreute menschliche
Knochen, Schädel, Wirbel, Rippen, Schienbeine, Kiefer, Zahnprothesen aus Kautschuk, Haare
(vorwiegend weibliche und oft in Zöpfen geflochten), ausserdem Stücke von verwestem
menschlichen Fleisch wie Hände und untere Glieder kleiner Kinder. Ferner liegen auf dem
ganzen oben beschriebenen Gebiet grosse Mengen der von verbrannten Leichen stammenden Asche
sowie Reste der verbrannten menschlichen Knochen. Aus den tief aufgegrabenen Löchern kommt
der Geruch der verwesenden menschlichen Körper. [...]
Während der Besichtigung des Gebiets des ehem. Vernichtungslagers wurden gefunden und dem vorliegenden Protokoll als Beweisstücke beigefügt:
[...] Der Photograph Anton Tujak machte einige Aufnahmen von dem Gebiet des Vernichtungslagers zur Verdeutlichung des derzeitigen Bildes des Terrains des ehem. Lagers. Damit wurde die Besichtigung beendet.330
Eine Unsicherheit besteht allerdings noch: Nach den Ermittlungen der Gerichte hat es in dem Mordbetrieb von Belzec eine 2-4wöchige Pause gegeben, etwa ab Mitte Juni331 bis Ende Juni332 oder Mitte Juli333, weil neue Gaskammern gebaut wurden. Und genau in diese Zeit fällt die Ankunft des Ehepaares Marcus in Izbica. Es ist also denkbar, dass Albert und Amalie Marcus nicht in Belzec ermordet worden sind, auf jeden Fall nicht sofort.
Wenn sie sofort ermordet wurden, kann dies nur in dem etwa gleichweit entfernten Sobibor gewesen sein, dem zweiten Vernichtungslager der »Aktion Reinhard«:
Die erste Aktionsphase in Sobibor dauerte von Mai bis Ende Juli 1942. In dieser Zeit wurden Juden aus den Ghettos im Distrikt Lublin dorthin gebracht. Darunter waren auch tschechische und österreichische Juden, die zuerst in diese polnischen Ghettos deportiert worden waren. [...]
Insgesamt wurden 61.330 Juden aus dem Bezirk Lublin nach Sobibor gebracht. [...]334
Auch das Schwurgericht Hagen nahm 1966 an, dass im Juni 10.000 Juden aus dem Reich und österreich in Sobibor ermordet wurden335. Es muss also offen bleiben, w o Albert und Amalie Marcus vergast worden sind: in Belzec oder in Sobibor.
Nach Theresienstadt bei Prag gehen mehrere Transporte mit Troisdorfer Juden:
Die beiden ersten Transporte bekommen die Nummern III/1 und III/2339.
Das "Altersghetto"340, auch "Vorzugslager" Theresienstadt341 genannt, nimmt in der Mordmaschinerie der Nazis eine Sonderstellung ein342. Zwar werden auch hier Menschen erschossen, erhängt, zu Tode gefoltert, durch Hunger und Seuchen systematisch zu Tode gebracht; aber aus Propaganda-Gründen343 und zur Tarnung vor dem Ausland344 werden nach Theresienstadt vor allem "prominente" Juden345 geschickt und - zumindest teilweise - zu Vorzeigezwecken am Leben gehalten, bis sie diese Aufgabe erfüllt haben346 und in die Vernichtungslager, z.B. Auschwitz, deportiert werden.
Theresienstadt sollte ein Schaustück für die Weltöffentlichkeit werden und beweisen, dass die Deutschen die Judenfrage tatsächlich in sehr humaner Weise lösen; es sollte die Aufmerksamkeit ablenken von den Schlachthöfen im Osten.347
Warum ein Jude nach Theresienstadt und nicht in ein Vernichtungslager gebracht wird, ist kaum mit den Gesetzen der normalen Logik zu erklären. ähnlich wie in den grossen Ghettos von Auschwitz, Lodz und Wilna, sollen in Theresienstadt gerade die älteren Juden von alleine sterben, durch Seuchen, Hunger, Kälte. Für die grossen Tötungsindustrien in Polen benötigen die Nazis Arbeitskommandos, die man sich aus den Transporten herausholt; in Theresienstadt erledigt sich das Sterben von alleine; die Nazis brauchen eigentlich nur zuschauen. Nicht zu unterschätzen ist auch die finanzielle Seite: Mit dem Trick des "Heimeinkaufs" in Theresienstadt kann den vermögenden Juden noch so manche Mark aus der Tasche gelockt werden.
Nach Theresienstadt werden - NS-Angaben zufolge - über 87.000 Juden deportiert, davon etwa 33.000 aus dem eigentlichen Deutschland; am 1.Januar 1943 leben von diesen noch 49.400 (von den deutschen Juden: 24.300): "die Verminderung trat vor allem durch Sterbefälle ein."348 Die Sterberate in Theresienstadt, die noch im Dezember 1941 bei 8 Toten (im Monat!) liegt, steigt steil an:
Im Juli 1942 kommen 46 Transporte aus dem Alt-Reich; Ende September leben in Theresienstadt 58.500 Menschen350. Die Bevölkerungsdichte beträgt rechnerisch am Jahresende 1942 147.000 Menschen pro km² im Ghetto, in Prag zur selben Zeit 5.500351. Der Ort Theresienstadt ist auf diese Menschenmassen natürlich überhaupt nicht vorbereitet, er war auch nie dafür geeignet gewesen: Eine alte Festungsstadt aus dem 18.Jahrhundert, benannt nach der Kaiserin Maria Theresia, später auch Gefängnis, in dem z.B. der Attentäter von Sarajevo (1914), Gavrilo Princip, bis zu seinem Tod 1918 eingesperrt war. Die Menschen müssen in Kasernen hausen; den Platz, der früher einmal 12 Soldaten zur Verfügung gestanden hat, müssen sich im Dezember 1941 50 Juden teilen (Sudetenkaserne)352; weniger als 2 m² "Wohnfläche" steht im August 1942 jedem Menschen zur Verfügung353.
In ein solches tödliches Chaos werden 1942 -zigtausende Juden verschlagen, zumeist auch noch ältere. Man stelle sich einmal vor, welchen Schock die Neuankömmlinge erleiden, die sich - im Jahre 1942 ! - ohnehin schon keine grossen Illusionen mehr machen. Zu Hause, in Deutschland, haben sie schon unter beengten Verhältnissen gelebt, aber hier: Hier ist die unterste Stufe erreicht; so meinen sie, weil sie Auschwitz oder die anderen Vernichtungslager nicht kennen.
Sofort bei der Ankunft geht es los: In der sogenannten "Schleuse" werden ihre Personalien aufgenommen, dann werden sie gefilzt. Das wenige, was die Juden an Hand- oder Reisegepäck mitgenommen haben, nehmen ihnen die Wachen auch noch ab: Geld, Zigaretten, Schmuck, Seife, Kosmetika, Elektrokocher; ihre Besitzer werden wegen der kleinsten Bemerkung geschlagen354. Die grossen Koffer mit der Wäsche sehen die Juden in Theresienstadt nie wieder.
Sofort gibt es Sprachschwierigkeiten: Die deutschen Juden, besonders die assimilierten, die den Kontakt auch zum jüdischen Sprachraum verloren haben, verstehen die tschechischen Juden, die in der Mehrheit sind, nicht; zudem sind sie für die Einheimischen zwar Juden, aber eben deutsche Juden, derselben Nation angehörig wie die NS-Besatzungsmacht355. Die Konflikte sind vorprogrammiert.
Die Alten, die im Sommer 1942 ankommen, sind in der Mehrzahl unfähig, sich in Chaos und Schmutz zu orientieren; 2 m² "Wohnfläche", d.h. Wohn-, Ess-, Schlafzimmer in einem, ausserdem knapp 1.000 Waschstellen für 53.000 Menschen356 - das allein kann einen normalen Menschen schon um den Verstand bringen. Hinzukommt die mangelhafte Ernährung; ein Auszug aus dem Speiseplan:
Zuteilungen 1.-31.Juli 1943
Morgens: Kaffee Mittags Abends Ferner
1.7. Scegediner Gulasch 0,4 l Kartoffelsuppe (Kohl,Soce+Kart.) Kaffee
2.7. Knödel 0,1 l Tunke 0,4 l Graupensuppe 1000 g Brot
3.7. 0,1 l Sauerkraut 0,5 l Kaffee 1/4 l Milch 270 g Kartoffeln 0,3 l Kaffee 20 g Margarine
4.7. 35 g Fleisch 0,4 l Kartoffelsuppe 70 g Zucker 270 g Kartoffeln 0,1 l Tunke
5.7. 270 g Kartoffeln 0,4 l Kartoffelsuppe 20 g Margarine 0,1 l Senftunke 12 Bl. Klosettpapier Kaffee 1000 g Brot
6.7. Buchte357 0,4 l Graupensuppe 0,1 l Creme
7.7. 0,3 l Graupensuppe 0,3 l Kartoffelsuppe 1/2 Dose Leberpastete 270 g Kümmelkartoffeln 20 g Margarine
8.7. 0,3 l Suppe 0,4 l Suppe 1000 g Brot 0,1 l Tunke 1/4 l Milch ca. 25 g Gulasch
[...] 358
Die Erkrankungen nehmen sprunghaft zu: Die Tuberkulose-Sterblichkeit beträgt 1943 in Theresienstadt 160 auf 10.000 Einwohner, 1941 in Prag 15,6; 1936 in Deutschland 6,2; 1917 in Warschau 84; 1944 in Theresienstadt 325359. Offene Tb, Scharlach, Typhus, Diphtherie, Enkephalitis, Herzschwäche - das sind die Standard-Todesursachen in Theresienstadt360.
Elise ("Lilly") Mendel, die am 16.Juli 1943, ein halbes Jahr nach ihrer Deportation nach Theresienstadt, ihrer Tochter die letzte Postkarte schreibt361, stirbt am 31.Juli 1943362. Von ihrem Sohn und der Schwiegertochter fehlt jede Spur.
Der Name "Fanny Hirsch" steht in der Totentabelle, die im Anhang eines 1949 erschienenen "Roman[s] um Theresienstadt" abgedruckt ist363:
Totentabelle vom 15.Juli 1942 bis zum 28.Februar 1943
im Hause L. 212, Zimmer 28/29, u[nd] Qu. 613-615, Zimmer 13.
Frauen: Todesursache:
[...]
Fanny Hirsch Hungertyphus
[...]
Sara Berger, L.421 (=Hauptstrasse 21), später Qu.713 (=Bergstrasse 17), schreibt bis zum 18.April 1944 insgesamt 9 Postkarten an Bernauers in Troisdorf: Unglaublich lange. Nach den brutalen Gesetzen von Theresienstadt dürfte eine Frau vom Geburtsjahrgang 1867 - die älteste deportierte Jüdin aus Troisdorf - gar nicht so lange leben. Ob die Postkarten Fälschungen sind, um auch noch nach Frau Bergers Tod die offensichtlich sprudelnde Troisdorfer Quelle anzuzapfen?
Alfred und Rosalie Pins - sie haben 1940 geheiratet - wohnen in der Bahnhofstrasse 11 (=L.211), in dem Haus, das der tschechische Arzt Karel Fleischmann 1943/44 gezeichnet hat364. Bis zum 4.Mai 1944 schickt Alfred Pins Postkarten an Bernauers, Rosalie bis zum 18.April 1944, insgesamt 12.
Nunmehr gingen am 15., 16. und 18. Mai 1944 drei Transporte von Theresienstadt nach Auschwitz ab. Mit diesen drei Transporten, die die Abkürzungen Dz, Ea und Eb bekamen, wurden insgesamt 7.389 Personen (Männer, Frauen, Kinder) verschleppt; aus dieser Gruppe wurden am 11. und 12. Juli 1944 etwa 4.000 bis 4.500 Personen in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet; 3.000 bis 3.500 wurden als Zwangsarbeiter auf andere Lager im Reich verteilt.365 Es ist möglich, aber nicht zwingend, dass Alfred und Rosalie Pins zu einem dieser Transporte gehörten.
Das Mitglied des Synagogenvorstandes von Dortmund, Emanuel Goldschmidt, vermacht am 21. Februar 1943 in Theresienstadt in seinem Testament einer "Familie Pins" zum Dank seinen Ehering366. Ob damit Alfred und Rosalie gemeint sind, ist wegen des Wortes "Familie" fraglich.
Zudem waren die Pins eine grosse Familie, die wohl von der Stadt Dülmen im Münsterland ihren Ausgang genommen hat. Im Jahre 1813 nehmen dort zwei jüdische Familien, die angeblich schon im Jahre 1719 in Dülmen wohnten367, den Nachnamen "Pins" an368. Allein in Dülmen wohnten in den dreissiger Jahren 18 Personen namens Pins369, vier von ihnen wurden ermordet, je zwei in Riga und Auschwitz370.
Für einen weiteren "Sonderzug zur Abbeförderung von Aussiedlern"371werden Ende Juli 1942 nach inzwischen schon bekanntem Muster etwa 1.200372 Juden in die Kölner Messehalle gebracht.
Am 19.Juli, morgens gegen 8 Uhr, fahren wieder Lastwagen in Much vor und laden 28373 Personen auf, darunter
Zu diesem Transport gehören ausserdem:
Die letzten sieben Personen sind aus Siegburg. Oskar Hoffmann, streng genommen kein "Troisdorfer" Jude, wenn auch Lehrling bei dem Fotografen Bernauer, wird für den Historiker eine wichtige Person, weil es ihm gelingt, noch in Minsk eine Postkarte an Bernauers aufzugeben.
Am Montag, dem 20.Juli 1942, gegen 15 Uhr377, verlässt der Zug Köln-Deutz. Aus den erhaltenen Akten der Deutschen Reichsbahn kann geschlossen werden, dass der Zug die Bezeichnung "DA 219" hatte. Diesen "DA 219 von Köln" und drei andere Transporte (aus Theresienstadt) kündigt die Reichsbahndirektion (RBD) Königsberg am 10.Juli 1942 der Haupteisenbahndirektion (HED) Mitte in Minsk fernschriftlich an; die Transporte sind vom Reichssicherheitshauptamt (RSHA) Berlin beantragt378. Die Fahrt des Sonderzuges geht über Schneidemühl, Bromberg, Thorn, Warschau, Baranowicze nach Minsk379.
Die Postkarten, die während der Fahrt geschrieben werden, sprechen eine heute nur noch schwer zu entschlüsselnde Sprache:
Meine Lieben!
Wir sind nun schon hinter Bromberg & ist uns die Reise bis jetzt gut bekommen. Es wird wohl noch 2 Tage dauern, bis wir an Ort & Ziel sind und heisst es Minsk. Hoffentlich sehen wir uns alle gesund wieder. Bleibt Ihr meine Lieben alle wohlauf und grüsst mir l[ie]b[e] Erna mit Familie recht herzl[ich]. Für Euch innige Grüsse & Küsse Eure Rosa und Erich.
Schreiben kann man kaum, da alle[!] sehr beengt ist. Herzl[iche] Grüsse alles Gute Erich380
Mit anderen Worten: Erich und Rosa Marx ahnen die Wahrheit: "Hoffentlich sehen wir uns gesund wieder". Der Widerspruch zwischen "gut bekommen" (Rosa) und "sehr beengt" (Erich) ist auffällig: Der Wirklichkeit kommt das letzte wohl näher; dabei sitzen die Juden zu diesem Zeitpunkt noch in Personenwagen. Oskar Hoffmann schreibt am Ende der Zugfahrt (nach 87 Stunden), die Schlafgelegenheit sei "schlecht gewesen"381. Noch negativer äussern sich die Cahns: "[...] Es ist zum Verzweifeln [...]"382
In Wolkowysk - Oskar Hoffmann schreibt "Wolhonye" - müssen die Juden in "gedeckte Güterwagen"383 umsteigen. Dafür und für die "Reinigung der Wagen (besenrein)" stehen 3 ½ Stunden zur Verfügung; zur "Aufrechterhaltung der Ordnung beim Umsteigen ist erforderlichenfalls Bahnschutz- und örtliche Polizei heranzuziehen"384. Von Wolkowysk bis Minsk385 werden die Juden "samt unserem Gepäck zu ca.50 Personen in einen [Vieh-]Wagen" gepfercht 386.
Am Freitag, dem 24.Juli 1942, morgens um 6.49 Uhr - so jedenfalls der Fahrplan387 - kommt der Zug am Güterbahnhof Minsk an. Seit der Abfahrt von Köln-Deutz sind 87 Stunden vergangen. Noch auf dem Bahnhofsgelände schreibt Oskar um 7 Uhr eine Postkarte, seine letzte, die ein "Beamter des Begleitpersonals" später tatsächlich in einen Briefkasten geworfen hat:
[...] Wie ich gerade höre, besteht eine gewisse Möglichkeit, dass wir in hiesigen Betrieben in unseren Berufen arbeiten können388.
Aus der Länge des Textes kann geschlossen werden, dass jetzt eine grössere Pause in der "Reise" eingetreten ist, das Ausladen nimmt wohl einige Zeit in Anspruch; die Juden haben wohl auch mit dem Begleitpersonal sprechen können. Dabei ist vermutlich auch dieser Satz mit den Arbeitsmöglichkeiten gefallen, den Oskar anscheinend auch glaubt; aus dem Text ist nicht erkennbar, dass er diktiert oder unter Zwang verfasst worden ist. Es ist allerdings denkbar, dass die Juden von den Nazis zum Schreiben ermuntert wurden: Denen kam es gelegen, wenn nette Texte die noch in Deutschland zurückgebliebenen Juden beruhigten.
Wirklichkeit ist aber, dass währenddessen die acht Männer des 2.Zuges der 1.Kompanie des Bataillons der Waffen-SS z.b.V ("Gruppe Arlt") an grossen Gruben schon bereit stehen, die sie in den letzten Tagen haben ausheben lassen. Ihr Anführer, USchaf Arlt, schreibt später in seinem "Tätigkeitsbericht":
Am 24.7. trifft bereits wieder ein Transport mit 1.000 Juden aus dem Reich hier ein.389
Mit "hier" ist anscheinend das "Gut des Kommandeurs" gemeint, besser bekannt unter dem Namen Maly Trostinez, 8 Meilen von Minsk entfernt390. Was dann passiert, beschreibt Arlt nur indirekt (im Mai 1942):
[Es] traf ein Transport mit 1.000 Juden aus dem Reich in Minsk ein und wurde gleich zu der [...] Grube gebracht. Dazu war die Waffen-SS wieder an der Grube eingesetzt.391
Mit anderen Worten: Oskar Hoffmann und mit ihm die Troisdorfer und Siegburger Juden müssen - nur wenige Stunden, nachdem die Postkarte geschrieben ist - an die Gruben treten, sich entkleiden und hinuntersteigen - dann werden sie erschossen392.
Wie so etwas vor sich geht, beschreibt nach dem Krieg ein Mörder:
Die Wachleute gingen mit den Juden in die Gruben. Dabei wurde das hintere Ende der Gruben geschlossen und die Juden gezwungen, sich am Rand auszuziehen und sich sofort ohne eine Untersuchung in die Gruben hineinzulegen. Als die erste Schicht drinnen lag, gingen die Wachleute aus den Gruben hinaus unter gleichzeitigem Einsetzen von beiderseitigem Feuer. Durch diese Art der Aufstellung wurde es ermöglicht, eine Art Kreuzfeuer auf die Juden zu eröffnen. Die erste Schicht betrug etwa 100-120 Mann in der Grube.
Nach der ersten Exekution musste sich die zweite Schicht der Juden so auf die toten Körper legen, dass der Kopf auf den Füssen der unteren Leichen zu liegen kam. In einer Grube wurden ca.5-6 Schichten aufeinander geworfen, und betrug die Anzahl der Juden in einer Grube ca.400 bis 500 Personen. Die Exekutionen wurden mit Schnellfeuergewehren, Karabinern, Maschinenpistolen, ganz nach Belieben durchgeführt. Vorher wurden viele zu Tode geschlagen. [...]
Die Exekution dauerte 3-4 Stunden. [...] Die noch in den unteren Schichten lebenden, bzw. nur angeschossenen Juden wurden durch die oberen Schichten erstickt oder durch das Blut der oberen Schichten ertränkt. [...]393
Statt eines Kommentars:
Es gab Augenblicke, in denen dem Opfer die Schwierigkeiten des Widerstandes, des Abschwächens oder des Ausweichens als ebenso gross erschienen wie die Probleme des automatischen Nachgebens; in solchen Augenblicken wurde die Zwecklosigkeit aller verfügbaren Alternativen unerbittlich klar, was beim Opfer einen Zustand der Lähmung hervorrief. [...] Gelegentlich befiel Juden, die [...] zum ersten Mal in ein mit den Körpern der Erschossenen zur Hälfte gefülltes Massengrab blickten, die gleiche lähmende Reaktion.394
[Trostinez] war das Todeslager für tschechische, deutsche und österreichische Juden. Im ganzen wurden während des Jahres 1942 39.000 Juden nach Trostinetz transportiert. Von jeder Gruppe von 1.000 Köpfen durften nur 5 bis 30, und zwar nur gelernte Arbeiter, leben bleiben. Im ganzen blieben 500 Personen in Trostinetz verschont. Sie wurden damit beschäftigt, die Kleider der ermordeten Juden zur Versendung nach Deutschland zu sortieren. [...]395
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass ADLER schreibt:
Die Transporte wurden auf dem Bahnhof von Minsk oder meist auf offener Strecke auswaggoniert, wobei eine geringe Anzahl junger Männer ohne Gepäck ins Lager geführt wurden, während man die meisten in Gaswagen ermordete und in Gruben verscharrte.396
Demnach wäre dieser Transport in Gaswagen - vergleichbar denen in Chelmno - ermordet worden. Aber "der Anteil der vier meist in der Nähe des SS-Gutes Maly Trostinez bei Minsk eingesetzten [Gas-] Wagen ist bis heute nicht befriedigend geklärt"397. Auch KOGON und andere belegen nur, dass Gaswagen in oder bei Minsk eingesetzt waren, teilweise sogar mit Datum398. Aber Arlt erwähnt Gaswagen mit keinem Wort, auch nicht andeutungsweise, seine zynischen Bemerkungen laufen immer wieder auf Erschiessen hinaus: Nachdem am 28.und 29.Juli 1942399 9.000 Juden "zur Grube gebracht" worden sind, werden "die nächstfolgenden Tage [...] wieder mit Waffenreinigen und Sacheninstandsetzen ausgefüllt."400
Am 22.November 1940 - die Deutschen haben ein halbes Jahr zuvor den grössten Teil Frankreichs besetzt - schreibt eine Madame Rosel Brod einen Brief an den Kommandanten des Internierungslagers St. Cyprien in Südfrankreich. Madame Brod schreibt im Auftrag von Alice Brünell, der Ehefrau von Erwin Brünell, die in Brüssel wohnt; Frau Brünell ist in Sorge um ihren Mann, von dem sie die letzte Nachricht zwei Monate zuvor eben aus diesem Lager erhalten hat401.
Erwin Brünell hat zu einem unbekannten Zeitpunkt Deutschland verlassen und ist offensichtlich nach Belgien ausgewandert. Wann und wo er Alice Adelheid Simon aus Lechenich heiratet, ist nicht bekannt, nur dass Alice Brünell Jüdin ist402. Das Ehepaar wird in Belgien vom Einmarsch der Deutschen überrascht, Erwin flieht vor den Nazis vermutlich in das unbesetzte Frankreich, das von Vichy aus regiert wird. Die Vichy-Regierung erlässt am 4.Oktober 1940 ein Gesetz, wonach alle nicht-französischen Juden interniert werden müssen403; sie werden in sogenannte Internierungslager im Süden404 gesteckt.
Erwin Brünell kommt zunächst nach St. Cyprien, Block VI. Ende Oktober zerstört ein Sturm die Holzbaracken, die Insassen werden zwischen dem 29.und 31.Oktober 1940 nach Gurs verlegt405; Erwin kommt nach Block J, Baracke 6406, im Herbst 1941 nach Block F, Baracke 4407.
Ein zweites Mal lässt Alice Brünell nach ihrem Mann fragen, diesmal durch die "Union Générale des Israélites de France": Sie habe jetzt seit 9 Monaten nichts mehr von ihm gehört, Briefe und Pakete seien ohne Antwort geblieben408.
Die Lagerleitung in Gurs antwortet der jüdischen Organisation nicht direkt, sondern schreibt am 8.August 1942 dem Präfekten des Departements Basses-Pyrénées, in dem Gurs liegt: Wenn er es für nützlich halte, könne er den Juden antworten, dass Erwin Brünell das Lager zwei Tage zuvor verlassen habe409. Die gleiche knappe Antwort ("hat das Lager Gurs am 6.August 1942 verlassen") erhalten
Das ist eine glatte Lüge. Der Eichmann-Mitarbeiter HStuf Theodor Dannecker besucht das Lager Gurs am 18.Juli 1942 und teilt dem Lagerleiter mit, dass er alle Juden des Lagers in den Osten bringen (transférer) werde und dass alle Juden, die nicht mehr die deutsche Staatsangehörigkeit besässen, staatenlos seien413. So ist es zwei Wochen zuvor mit Eichmann abgesprochen worden: Trotz Widerstände der Vichy-Regierung wird als Ziel festgehalten die "ehebaldigste restlose Freimachung Frankreichs von Juden"414. Die Inspektionsreise Danneckers (und Heinrichsohns) ist erst auf massives Drängen der Gestapo zustande gekommen; Gurs und andere Lager liegen schliesslich im unbesetzten Frankreich. Erst als SS-Standartenführer Helmut Knochen, Befehlshaber der Sipo und des SD in Frankreich, und Dannecker ihrem französischen Gesprächspartner René Bousquet, Vichy-Staatssekretär für die Polizei, vorhalten,
dass die Abnahme von Juden aus Frankreich trotz des Krieges mehr als eine Geste Deutschlands sei, und eindeutig unseren Willen bekunde, die Judenfrage im europäischen Massstab zu lösen, [...]
dass es Deutschland nicht leicht fiele, eine so grosse Anzahl von Juden aufzunehmen,
erst dann "sah Bousquet ein, dass er eine vorherige Besichtigung des Judenmaterials durch einen deutschen Beauftragten nicht ablehnen könne"415.
Am 27.Juli 1942 lässt die Vichy-Regierung mitteilen, dass sie bereit sei, aus dem unbesetzten Gebiet die ersten 3.000 bis 4.000 Juden "für den Abtransport nach Deutschland zu Verfügung zu stellen"416.
Zu dieser Zeit geraten die Insassen von Gurs, wenn sie bislang das "unerfreuliche"417 Lagerleben überstanden haben, in "Panikstimmung":
[Es] verbreitete sich das Gerücht, die Juden würden von den Deutschen nach Polen transportiert. Es gab damals dafür noch keine Beispiele, wenigstens nicht in Frankreich. [...] Die Ostjuden hatten wie immer ein feines Organ für alles Unglück, das den Juden bevorstehen konnte.418
Aus Gurs startet der erste Transport am 6.August, Erwin Brünell gehört dazu. Der Zug passiert am folgenden Morgen um 6.32 Uhr die Demarkationslinie zwischen dem besetzten und unbesetzten Frankreich bei Chalons-sur-Saône und erreicht Drancy bei Paris um 17.13 Uhr419. In Drancy sollen die Juden "in den Transportplan für die Monate August und September eingereiht [...] werden."420
Die Zustände in Drancy sind nur wenig besser als die in Gurs: Die Juden wohnen in Wohnblocks421, von der Aussenwelt durch Stacheldraht abgeschnitten, unter primitivsten Verhältnissen: "Das Vorzimmer von Auschwitz" nennt WELLERS422 Drancy. Es ist der grosse Verschiebebahnhof für die Transporte ins Gas. Normalerweise bleibt niemand lange hier - so, wie die Transporte in den Osten gehen, kommen neue nach Drancy:
Die Juden, die am nächsten Tag deportiert werden sollen, werden in einem Block von drei Etagen zusammengepfercht - 90 Personen in einen Raum. Nach wenigen Wochen sind die Matratzen, die die Verwaltung dort als Schlafgelegenheit ausgelegt hat, derartig verschmutzt und verlaust, dass man beschliesst, sie im Hof zu verbrennen. Die Juden müssen jetzt ihre letzte Nacht in Frankreich auf dem blanken Boden verbringen - von schlafen kann keine Rede sein. Den Gemütszustand der Juden erhellt die Zahl der Selbstmorde: etwa 40 von Mitte Juli bis Ende September 1942.
Dabei weiss kaum jemand unter den Lagerinsassen von der Vernichtung der Juden im Osten - den entsprechenden Meldungen der BBC wird weniger Glauben geschenkt als den von den Nazis getürkten Zeitungsartikeln mit zufriedenen Juden in polnischen "Arbeits"-lagern.
Am 10.August wird Erwin Brünell424 im Transport D 901/12 nach Auschwitz verschleppt mit 996 anderen deutschen Juden; dieser Transport umfasst insgesamt 525 Frauen und 475 Männer425; 290 Frauen sind zwischen 46 und 60 Jahre alt, 309 Männer zwischen 45 und 61 Jahre426. Nach der Selektion auf der Rampe von Auschwitz werden 140 Männer und 100 Frauen von diesem Transport als Häftlinge in das Lager gesteckt; die Männer erhalten die Häftlingsnummern 58.086 bis 58.225, die Frauen die Nummern 16.637 bis 16.736. Die übrigen 766 Menschen werden sofort vergast427. Ein Jude hat diesen Transport überlebt428.
über Erwin Brünell gibt es in Auschwitz kein Dokument; ob er sofort vergast wird oder mit den 139 anderen jüdischen Männern noch eine Zeit lang weiterexistieren darf, ist nicht mehr feststellbar429.
Eine andere Jüdin aus Troisdorf, Selma Meier, wird ebenfalls im Ausland von den Nazis überrascht und eingeholt. Sie war die Ehefrau von Josef Meier und die Mutter von Günter Meier (Jahrgang 1927). Allerdings war die Ehe schon 1933 auseinandergebrochen, als sie nach Ostende verzog430; 1935 wird die Ehe geschieden431. Josef Meier gelingt es noch am 1.September 1939 - die Deutschen überfallen an diesem Tag Polen und lösen damit den zweiten Weltkrieg aus -, nach England zu flüchten; erst am 3.September erklärt Grossbritannien Deutschland den Krieg. 1942 ist Josef Meier in Australien, dort ist er auch inzwischen gestorben432. Zurück bleibt sein Sohn Günter, der bei seinen Grosseltern Emanuel und Regina Meier lebt und deren Schicksal teilt.
Selma Meier soll 1936 noch einmal geheiratet haben; sie heisst jetzt Selma Coevorden und wohnt in Rotterdam433. Am 6.Oktober 1942 wird sie in das Sammellager Westerbork434 eingesperrt; ein halbes Jahr später, am 4.März 1943, wird sie von dort nach Sobibor deportiert435.
In der gleiche Falle werden Leopold und Elisabeth Levy gefangen. Leopold, 1871 in Troisdorf geboren, Bruder von Samuel, ist früh nach Düsseldorf436gezogen und führte dort eine Schreinerei. Im März 1939437 wandern er und seine Frau nach Amsterdam aus, die Söhne Max und Josef sind schon früher (in die USA) ausgewandert. Es ist nicht allzu viel über das Ehepaar Levy bekannt; man kann deswegen nur vermuten, dass auch sie zu lange mit der Flucht gewartet haben. In Amsterdam wohnen sie - bis zu ihrer Einlieferung in Westerbork - in der Hoogstraat 10438. Leopold und Elisabeth Levy werden am 20.Juli 1943 von Westerbork nach Sobibor deportiert439.
Selma Meier kommt am 5.oder 6.März in Sobibor an; ihr Transport (1.105 Juden) ist der erste aus Westerbork; die Levys kommen am 23.Juli an; ihr Transport (2.209 Juden) ist der letzte aus Westerbork440. Ein Augenzeuge berichtet:
Die reichsten Juden, aus Belgien, aus Holland, aus Frankreich, kamen oft in Reisezügen, oft sogar in Pullmanwagen an, und im allgemeinen wurden sie von den Wachen besser behandelt. Vor allem die Transporte von Juden aus Westeuropa, wenn sie darauf warteten, an die Reihe zu kommen [...]. Die polnischen Eisenbahner haben gesehen, dass die Frauen sich schminkten, sich das Haar kämmten, sie waren sich des Schicksals, das sie in wenigen Minuten erwartete, nicht im geringsten bewusst, sie machten sich schön [...].441
In Sobibor werden etwa 34.300 Juden aus den Niederlanden vergast; nur 19 überlebende sind dem Roten Kreuz bekannt geworden442.
Sobibor, bei Wlodawa443 im Distrikt Lublin gelegen444, ist nach Belzec das zweite Vernichtungslager der «Aktion Reinhard». Es "arbeitet" von Ende Juni445 1942 bis Oktober446 1943. In dieser Zeit werden etwa 250.000447Menschen ermordet, in den ersten drei Monaten (Mai-Juli 1942) "mindestens 77.000"448.
Die Tötungsmaschinerie funktioniert inzwischen - nach den Vorläufen z.B. in Belzec - so "reibungslos"449, weil die Ankommenden, bis sie unter den angeblichen Brausen in der Gaskammer stehen, getäuscht werden: Zunächst eine aufmunternde und beruhigende Ansprache durch die SS450, dann geregelte übergabe von Geld, Wertsachen, Kleidung gegen Quittung - und zuletzt ein "Bad". Im sogenannten "Schlauch", einer von Stacheldrahtzäunen gebildeten Gasse, ist es mit der Gelassenheit vorbei, jetzt werden die nackten Menschen unruhig. Aber es gibt kein Zurück mehr: Hinter ihnen die SS, vor ihnen die Gaskammer. Darin werden sie von den Kohlenmonoxydabgasen eines besonders eingestellten Otto-Motors451 getötet.
Es gab in Troisdorf zwei sogenannte Mischehen, in beiden Ehen war die Ehefrau Jüdin, in beiden Fällen gehörten zur Familie zwei Kinder, die 1939 z.T. schon volljährig waren. Diese beiden Familien bleiben lange Zeit zwar nicht von den schikanösen Verordnungen, wohl aber von den Deportationen verschont. Sie dürfen z.B. bis zum Schluss, d.h. bis zu ihrer Deportation im September 1944, in ihren Wohnungen bleiben452. Dies geschieht jedoch nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern weil die NS-Juristen und -Bürokraten das "Problem" der Mischehen und Mischlinge nicht in den Griff bekommen453.
Ein Vater stellt nun im Oktober/November 1941 bei der Gestapo Köln den Antrag, seine beiden Kinder - einen Sohn von 28 Jahren und eine Tochter von 24 Jahren - vom "Kennzeichnungszwang der Juden [...] zu befreien", d.h. konkret: ihnen das Tragen des sogenannten Judensterns454 zu erlassen455. Möglicherweise hat der Vater schon weiter gedacht: Eine minder "schlimme" Kategorie als die des Halbjuden könnte das Leben seiner Kinder später einmal retten.
In seinem Antrag kann der Vater natürlich nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, dass seine Frau Jüdin ist. Er versucht daher, mit s e i n e r Person und mit s e i n e r Familie sowie den Kindern selbst zu belegen, dass sie eigentlich gar keine richtigen (Halb-) Juden seien: Er, der Vater, ist Lokomotivführer, von 1919 bis 1941 bei der Reichsbahn, seitdem bei den Mannstaedt-Werken; von seinen Schwestern ist eine mit einem Gastwirt, eine andere mit einem Handwerksmeister verheiratet. Sein Sohn, 1936 von Pfarrer Kenntemich getauft, war drei Monate beim Militär und arbeitet seit Frühjahr 1941 in einem "Rüstungsbetrieb", der Firma de Haer in Troisdorf. Die Tochter, ebenfalls 1936 getauft, arbeitet im Geschäft ihrer Tante. Beide Kinder wohnen im elterlichen Haus.
In seiner Stellungnahme an den Landrat schreibt Bürgermeister Schünemann kühl, die Kinder seien jüdisch erzogen worden und hätten 1939 selbst die "Kennkarte" für Juden (Nr. A 00018 und A 00019) beantragt.
Am 1.Mai 1942 - fast ein halbes Jahr nach dem Antrag - kommt von der Gestapo Köln die lapidare Antwort:
[...] Ihre Kinder [gelten] nach der 2.VO zum Reichsbürgergesetz vom 14.11.1935 § 5 Abs[atz] (2) u[nd] a[nderen] als Juden. Somit findet die Pol[izei]Verordnung über die Kennzeichnung der Juden vom 1.9.1941 (RGBl, I, S.547) auf sie Anwendung. Weitere Eingaben in dieser Angelegenheit sind zwecklos.
Im Auftrage [...]
Am 15.Oktober 1943 - die deportierten Troisdorfer Juden sind schon tot -stirbt der Vater. Damit ist seiner Frau und den beiden Kindern der letzte Schutz genommen; sie werden im Herbst 1944 deportiert456; zunächst werden sie von dem Troisdorfer Kohlenhändler und Fuhrunternehmer Popella in das Fort V (=fünf) in Köln-Müngersdorf457 gebracht, von dort aus sollen sie weiter verschleppt werden. Die Mutter und die Tochter können, während der Zug in der Nähe von Kassel bombardiert wird458, entkommen und untertauchen; der Sohn wird noch nach Theresienstadt verschleppt, überlebt aber und kommt im Spätsommer 1945 wieder in Troisdorf bei seiner Tante an459.
Den Bernauers ist das gleiche Schicksal zugedacht gewesen, sie sind auch schon in Müngersdorf gewesen. Der nichtjüdische Ehemann ist bei seiner Frau geblieben und ist bereit, mit ihr dasselbe Schicksal zu teilen. Aber eine junge Frau, Käthe Overath460, beweist eine eigentlich selbstmörderische Courage und holt das Ehepaar dreist vor den Nasen der SS aus dem Lager heraus. In den nächsten Monaten werden die Bernauers versteckt, in Donrath und dann in Wahlscheid; so überleben sie die Nazi-Zeit.
Der pflichtbewusste Siegburger Standesbeamte Gansen berichtet am 23.März 1944 dem Landrat von einer Trauung, die er am 9.Februar vorgenommen hat461. Schon damals muss es ihm unwohl in seiner Haut gewesen sein, tut er doch sonst alles, was die Nazis von einem "deutschen" Beamten erwarten:
So unterschlägt Gansen z.B. 1940 in seinem Artikel in den "Heimatblättern des Siegkreises" über das Bürgerbuch von Troisdorf aus dem Jahre 1822 die Hausnummern und Namen der jüdischen Troisdorfer462. Und dem Siegburger Prälaten Bers, der sich Anfang der 60er Jahre um eine erste Bestandsaufnahme der Schicksale der Siegburger Juden bemühte, schreibt Gansen in strafenswerter Naivität:
Die Juden in Siegburg wurden - wie verlautete, von dort nach Much gebracht, wo sie sich selber verwaltet haben sollen (Lager). In Siegburg mussten sie demnach abgemeldet werden. [...].463
Diesem Standesbeamten kann die "Verlobte", eine Witwe von 62 Jahren, die Geburtsurkunde nicht vorlegen, "weil das Geburtsstandesamt wegen Fliegerschadens gestört war." Der künftige Ehemann, geboren 1887 in Troisdorf und kriegsblind, und seine Verlobte legen grossen Wert auf eine Eheschliessung "ohne weitere Verzögerung". Doch der Standesbeamte ist nicht so leicht zu überreden; erst als die Frau sich auf ihre langjährige Mitgliedschaft in der Partei beruft und "mit Beschwerde bei der Kreisleitung droht", ferner "ihre deutschblütige Abstammung wiederholt eidesstattlich bekräftigt", ist Gansen beeindruckt, und die Eheschliessung wird "vollzogen".
Aber bald darauf flattert die Geburtsurkunde ins Siegburger Rathaus, und aus ihr geht hervor, dass die Ehefrau die uneheliche Tochter einer Jüdin ist.
Damit hat die Frau gegen § 1 des Blutschutzgesetzes464, eines der beiden Nürnberger Gesetze, verstossen; ihr droht eine Zuchthausstrafe. Der Landrat reicht am 28.März die Akten an die Staatsanwaltschaft Bonn weiter465, am 21.April wird die Frau verhaftet und zur Gestapo Köln gebracht466. Von dort ist sie noch einmal zurückgekommen, dann wird sie von Nachbarn versteckt. Das soll gar nicht einfach gewesen sein, denn die Jüdin war sehr nervös und reizbar und sprach dabei immer mit lauter Stimme467. Sie ist nach 1969 gestorben, ihr Mann schon 1961468.
Das Leben ist nicht das einzige, was den Juden genommen wird. Mit verblüffender Pingeligkeit und unvorstellbarem Behördenaufwand rauben die staatlichen ämter und die SS den Juden ihr gesamtes Hab und Gut bis zum letzten Pfennig; und selbst den vergasten Leichen müssen jüdische Häftlingskommandos noch die Goldzähne aus dem Gebiss herausbrechen.
Dabei schlagen sich zwei Stellen um das noch verbliebene Judenvermögen: Das Reichsfinanzministerium (RMF, für den Staat) und das Reichssicherheitshauptamt (RSHA, für die SS). Diese Auseinandersetzung ist keineswegs nur akademischer Natur - geht es doch 1941/42 immer noch um erhebliche Werte in jüdischer Hand, vor allem Sach- und Grundbesitz.
Weil die Nazis davon ausgehen, dass jüdischer Besitz und jüdisches Kapital in Wirklichkeit Vermögen deutscher Volksgenossen sei, das ihnen nur geraubt worden sei, ist es logisch, dass dieser Prozess umgekehrt wird. Die Frage ist nur, wer der Nutzniesser sein soll: Der Staat469, die Partei bzw. die SS, oder Privatpersonen. Eine Umverteilung zugunsten von Privaten wird nicht gern gesehen, lässt sich aber nicht ganz unterbinden. Verhindern lässt sie sich nur, wenn die Behörden - und jetzt gleichgültig, ob Staat oder Partei - vorher zugreifen und das wegnehmen, was die Juden noch versilbern können, ehe es an ihre physische Existenz geht.
Die "Sühneleistung" nach der Pogromnacht vom 9./10.November 1938 ist - zu einer Zeit, als die Austreibung der Juden aus Deutschland noch die NS-Politik ist470 - der erste Griff nach jüdischem Vermögen. 1,127 Milliarden RM bringt diese Zwangsabgabe, die sich bis 1940 hinzieht471 und von jedem Juden abverlangt wird, der 1938 ein Vermögen von mehr als 5.000 RM angemeldet hat472. Von diesem Vermögen sind 25 % abzuliefern, zahlbar in fünf Raten (15.12.1938 - 15.11.1939)473, bei einem registrierten Gesamtvermögen von 7,5 Mrd.RM.
In diesen Zusammenhang gehören auch die beiden folgenden Vorgänge:
Alfred Pins versetzt im städtischen Leihhaus in Bonn "seinerzeit" 6 gr Gold(333), 30 gr Gold(585) und 250 gr Silber; ihm werden dafür 53,60 RM ausbezahlt; das Metall wird an die Degussa weitergeleitet474: Vom 21.Februar 1939 ab müssen die Juden alle Gegenstände aus Gold (ausser Eheringen), Silber, Edelsteine und Perlen an öffentliche Verkaufsstellen abliefern475.
Am 31.März 1939 gibt Rosa Marx dem Amtsgericht Siegburg den Wert des Nachlasses ihrer am 15.März verstorbenen Mutter, Frau Eva Wolf, an:
davon gehen ab:
Judenvermögensabgabe (noch zu zahlen) 3.900 RM
[...]476
Man kann auch bei den anderen jüdischen Familien unterstellen, dass sie diese "Judenvermögensabgabe" zu zahlen haben; nur die exakten Summen sind nach 1945 und heute noch weniger zu ermitteln. Der Treuhänder Bendix, der für zahlreiche Juden die Anträge auf Wiedergutmachung stellt, gibt 1948 pauschal an z.B. für
Seit dem 12.Dezember 1938 sind die Bankguthaben der ausgewanderten - und später: der deportierten Juden - gesperrt480; ab Herbst 1942 werden sie vom Reich vereinnahmt481. Doch Himmler will nicht tatenlos zusehen, wie das gesamte jüdische Vermögen an der SS vorbei in die Kassen des Reiches fliesst. Immerhin müssen ja auch die Transporte in die Gaskammern des Ostens und die Vernichtung selbst bezahlt werden - auch wenn das nicht so teuer ist, wie das RSHA dem RMF gegenüber immer behauptet, auch wenn die SS dabei immer noch "Unsummen" verdient482.
Zu Beginn der Deportationen "in den Osten" ist die Bürokratie noch nicht so weit, das noch vorhandene Judenvermögen juristisch einwandfrei und möglichst einfach und schnell zu kassieren; das gelingt erst mit der 11.Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25.November 1941483. Die Juden, die Ende November 1941 nach Lodz/Litzmannstadt deportiert werden, werden noch auf eine sehr plumpe und umständliche Art und Weise ausgeraubt: Sämtliche Juden werden vom RSHA als "volks- und staatsfeindlich" eingestuft; wie das Vermögen von Kommunisten wird auch ihres "zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen"484.
Freilich müssen dafür der Regierungspräsident, der Gerichtsvollzieher, die Gestapo und die Oberfinanzdirektion bemüht werden - ein sehr umständliches Verfahren, man lese einmal die Anweisung des RSHA vom 8.Oktober 1941 nach485. Als dann die 11.VO in Kraft ist, läuft das Verfahren viel flotter und effektiver:
§ 1 Ein Jude, der seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, kann nicht deutscher
Staatsangehöriger sein. Der gewöhnliche Aufenthalt im Ausland ist dann gegeben, wenn sich ein
Jude im Ausland unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er dort nicht nur
vorübergehend weilt.
§ 2 Ein Jude verliert die deutsche Staatsangehörigkeit,
a) [...]
b) wenn er seinen gewöhnlichen Aufenthalt später im Ausland nimmt, mit der Verlegung des
gewöhnlichen Aufenthalts ins Ausland.
§ 3 (1) Das Vermögen des Juden, der die deutsche Staatsangehörigkeit auf Grund dieser
Verordnung verliert, verfällt mit dem Verlust der Staatsangehörigkeit dem Reich. [...]
(2) Das verfallene Vermögen soll zur Förderung aller mit der Lösung der Judenfrage im
Zusammenhang stehenden Zwecke dienen.
[...]486
Mit anderen Worten: In dem Augenblick, in dem die Juden in dem Deportationszug über die Grenze des Deutschen Reiches rollen, ist ihr Vermögen, das noch zu Hause zurückgeblieben ist - z.B. Häuser, (gesperrte) Sparguthaben - an das Deutsche Reich gefallen.
Ganz abgesehen davon benutzt das RSHA, um an das noch vorhandene jüdische Vermögen heranzukommen, die "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" (RVJD), die ihm seit der 10. Verordnung zum Reichsbürgergesetz487 untersteht. Die RVJD fordert in ihren Merkblättern -im Auftrag des RSHA - ihre Mitglieder, deren Deportation unmittelbar bevorsteht, auf, mindestens 25 % der flüssigen Mittel auf ein "Sonderkonto »W«" der RVJD zu spenden488; die RVJD gibt als Verwendungszwecke an: "für die den Evakuierungstransporten mitzugebenden Geldbeträge sowie zur Ausrüstung der Transporte mit Lebensmitteln, Geräten usw."489. Und tatsächlich hat die Reichsvereinigung im November rund 58.000 RM an die Reichsbahndirektion Köln für die von ihr abgewickelten Oktober-Transporte gezahlt490.
Trotz Kritik seitens des RMF an der Rechtmässigkeit dieser Zwangsabgabe ist an dieser Praxis nie etwas geändert worden491. Für die Troisdorfer Juden ist das Sonderkonto »W« bei der Commerzbank Köln eingerichtet492. Dieses Konto wird am 4.August 1942 - der (vorerst) letzte Transport aus dem Rheinland war am 27.Juli abgegangen - vom Deutschen Reich eingezogen493; ab Oktober 1943 verfügt der Oberfinanzpräsident Köln über das Konto; wie viel Geld sich damals angesammelt hatte, ist heute nicht mehr zu ermitteln.
Die letzten Tage vor dem Abtransport in das Ghetto oder sofort ins Gas sind für die Juden ausgefüllt mit Vorbereitungen, die von der Gestapo bis in die kleinsten Kleinigkeiten geregelt sind. Ein Blanko-Formular der Kölner RVJD vom Frühjahr/Sommer 1942494 enthält in sieben Punkten peinlich genaue Anweisungen dafür,
Erich oder Rosa Marx vertrauen der Familie O., die in ihrem Haus Frankfurterstr.56 wohnt, Bargeld an: 2.500 RM; die Herkunft des Geldes ist natürlich unklar, wahrscheinlich ist es an den vorgeschriebenen Deklarationen vorbeigeschmuggelt worden. Auf jeden Fall scheinen Erich und Rosa mit einer Wiederkehr von der "Reise" gerechnet zu haben499. Diese Familie O. zahlt diese 2.500 RM am 26.September 1945 auf ein neues Sparbuch bei der Kreissparkasse in Siegburg ein; nach Umwegen erhält es eine Schwester von Erich Marx, Frau Carola G.500.
Falls jemand aus Versehen oder in der Hoffnung, etwas an der Gestapo vorbeischmuggeln zu können, Verbotenes einpackt, wird es ihm an der Sammelstelle bei der Kofferkontrolle501 oder bei der Leibesvisitation abgenommen. In Würzburg z.B. fallen am 27.November 1941 bei dieser Gelegenheit an:
In einem Ort in Süddeutschland greift sich die Gestapo
Der Besitz, der zuletzt dann doch noch zurückgelassen werden muss - meist in den "Judenhäusern" -, wird unter die Bevölkerung versteigert: Die in der Siegburger Brandstrasse zurückgehaltenen Einrichtungsgegenstände versteigert der Bonner Auktionator Virnich in einem Hof der Nachbarschaft zugunsten des Finanzamtes Siegburg503; nur nicht die Nähmaschinen: die werden später gesondert abgeholt.
Derselbe Taxator schleicht am 29.Juli 1942 mit zwei Männern von der Gestapo durch die leeren Flure des Klosters Endenich - die letzten Juden sind zwei Tage zuvor weggeschleppt worden; er schätzt den Wert des jüdischen Besitzes noch auf 80.000 bis 100.000 RM504.
Sophia Levy (ihr Mann Josef war am 8.November 1938 gestorben) wohnt mindestens bis Frühjahr 1941505 in ihrem Haus Luisenstrasse 9 in Siegburg; allerdings zuletzt zur Miete - sie hat das Haus und ein Gartengrundstück in der Weierstrasse am 8.Mai 1939 für 15.000 RM verkauft506 - und nur noch in zwei Zimmern507. Diese Zimmer waren voll möbliert, bestätigt 1958 eine frühere Mieterin, die acht Jahre in dem Levy'schen Haus gewohnt hat. Die Wiedergutmachungskammer des Landgerichts Köln schätzt 1958 den Wert dieser Einrichtung auf 1.000 DM, die Wiederbeschaffungskosten 1956 auf 2.000 DM. Diese Summe muss das "Deutsche Reich" an die Erben Levy zahlen508.
Die Ladeneinrichtung der Metzgerei Levy ist auch verkauft worden: 1.500 RM hat Wilhelm S. aus der Ringstrasse 70 b dafür bezahlt - an das Finanzamt Siegburg509, d.h. das Reich.
Die Inneneinrichtung und der Hausrat des Marx'schen Haushalts in der Frankfurterstrasse können mit etwas Vorsicht rekonstruiert werden. Bei dem Rückerstattungsverfahren Ende der 50er Jahre hat eine Verwandte der Marx' Listen und Zeugenaussagen beibringen können, die man als recht zuverlässig ansehen kann510. Wenn die schlecht lesbare Akte richtig entziffert worden ist, ist auch dieser Bestand von einem Auktionator versteigert worden. Bei dem Besuch der ehemals Troisdorfer Juden 1985 ist eine kleine Vase, die Rosa Marx gehört haben soll, ihrer Cousine Hilde Jonas übergeben worden.
Das Gericht hat 1963 freilich nur das als Besitz und Berechnungsgrundlage anerkannt, was 1942 in dem "Judenhaus" Bergstrasse von den Marx' zurückgelassen und vom Finanzamt Siegburg vereinnahmt wurde, wenn sich der Umfang im einzelnen auch "nicht mehr feststellen" liess511:
Sicherlich haben [Marx] nicht die Wohnungseinrichtung für 5 Räume [aus der Frankfurter in die Bergstrasse] mitnehmen können.
Das Gericht geht bis zum Beweis des Gegenteils davon aus,
dass die Eheleute Marx ihr nicht mehr benötigtes[!] Mobiliar verkauft (vermutlich an die später in ihr Haus eingezogenen Personen512), verschenkt oder in Verwahr gegeben haben. Gerade die letztgenannte Möglichkeit liegt bei den kleinstädtischen Verhältnissen [in Troisdorf] nicht allzu fern.513
Den Wiederbeschaffungswert der Gegenstände, die das Ehepaar Marx in die Bergstrasse mitgenommen hat, schätzt das Gericht (1963) auf DM 5.000.
Das Sparbuch von Rosa Marx in Höhe von 2.154,59 RM hat die Finanzkasse Siegburg am 9.Dezember 1942 "vereinnahmt"514.
Eine Rosa Cahn aus Siegburg, die den Holocaust überlebt hat, besass ein Sparguthaben bei der Kreissparkasse Siegburg in Höhe von 1.692,21 RM; es wird ebenso gemäss der 11.VO zum Reichsbürgergesetz am 26.November 1942 vom Finanzamt Siegburg zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen515.
Das (vor-)letzte Geld holen die Nazis516 den Juden im Ghetto aus der Tasche. Wer Reichsmark mitbringt oder sie aus der Heimat zugeschickt bekommt - es kommen sogar Geldsendungen aus den USA517 an - muss das Geld in der Bank des Judenältesten umtauschen in Ghettogeld518. Ribbe, ein Beamter der NS-Ghettoverwaltung, im Februar 1942:
[...] Ein Jude, der Reichsmark besitzt, also kein Ghettogeld in Händen hat, ist ausserstande, Lebensmittel einzukaufen. Er muss daher zwangsläufig bei der Bank des ältesten der Juden einen Geldwechsel vornehmen, und nur auf diese Weise ist es mir möglich, die Reichsmark abzuziehen. [...]
Sollte das Ghetto einmal aufgelöst werden [...], dann kann kein Besitzer von GhettogeldRechtsansprüche gegen das Deutsche Reich stellen, da der Schein519nichts weiter ist als eine Quittung.520
Das tatsächlich letzte Geld fällt den Nazis bei der Ermordung in die Hände: Das "Sonderkommando [Chelmno]" zahlt an die Gettoverwaltung von Lodz
Und das letzte Gold müssen Arbeitskommandos den toten Juden aus den Zähnen reissen522.
Die Ermordung der europäischen Juden dürfte sich für die Nazis gelohnt haben - in Verbindung mit Geld sei dieser Zynismus gestattet. Es hat zwar m.W. noch niemand eine Gewinn- und Verlustrechnung aufgemacht, aber so viel lässt sich sicher sagen: Es sind Millionenwerte an Gold, Schmuck, Grundstücken und anderen Sachwerten sowie an Bargeld auf die Konten von Staat und Partei geflossen.
Im folgenden wird versucht, einen überblick über Ausgaben und Einnahmen aus den Quellen zu geben (kleinere Summen bleiben unberücksichtigt, in Mio RM):
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EIN |
|||||
|
1. Reichsfluchtsteuer"523 |
900 |
||||
|
2. Sühneleistung"524 |
1.126 |
||||
|
3.«Aktion Reinhard»525 |
|||||
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AUS |
EIN |
||||
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Bar - |
12 |
86 |
|||
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Gold etc. |
9 |
||||
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Devisen |
6 |
||||
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Juwelen |
44 |
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Spinnstoffe |
46 |
||||
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TOTAL |
179 |
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|
4. Chelmno, Spinnstoffe526 |
5 |
||||
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2.210 |
Die SS muss aber doch etwas von dieser Summe abgeben - an das Reich. Himmler und Reichswirtschaftsminister Funk teilen sich im Sommer 1942 die Beute. 76 oder 77 Lastwagen voll Wertsachen fahren bei der Reichsbank vor:
Der Erlös aus dem Verkauf von Metallen und Papieren wandert auf ein Sonderkonto mit dem beziehungsreichen Namen "Max Heiliger", von dem sich das Reichsfinanzministerium von Zeit zu Zeit bedient528.
Weitere Einnahmen für das Reich:
|
5. Aus der "Verwertung von Wertpapieren und Zinsscheinen", die aus dem Judenvermögen verfallen sind, (von 1942 bis 1944): |
186 |
|
6. aus der "Verwaltung und Verwertung von Vermögen, das dem Reich durch Einziehung, Verfallserklärung oder ähnliche Rechts[?]- akte angefallen oder von ihm beschlagnahmt ist": |
591,6 |
|
7."Ausgleichszahlungen auf Grund der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3.Dezember 1938 [...]": 529 |
48 |
Damit belaufen sich die Einnahmen auf über 3 Mrd. RM, eine für damalige Verhältnisse unvorstellbare Summe, in Goldbarren umgerechnet fast 88.000 Stück530.
Herausgerückt oder erstattet hat die Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches, die Bundesrepublik Deutschland, wenig: Der Hausrat, der Schmuck, das Silber, das das Ehepaar Pins vielleicht noch besessen hat, ist angeblich "von der Gestapo beschlagnahmt und z.T. durch die Zivilgemeinde [Troisdorf] im Auftrag des Finanzamts [Siegburg] versteigert, z.T. unter der Hand verkauft worden." schreibt der Treuhänder Bendix 1949531; folglich: weder Bendix noch der Sohn Ludwig Pins
haben bisher irgendwelche im Siegkreis gelegenen oder entzogenen Vermögensgegenstände ermittelt [...]. Die möglicherweise entzogenen Gegenstände sind nicht feststellbar, d.h. nicht greifbar oder auffindbar oder identifizierbar532.
Damit war der Entschädigungsanspruch hinsichtlich der "beweglichen Sachen" abgeschmettert533.
ähnlich der Rückerstattungsanspruch auf das Sparbuch der Rosa Marx (den Anspruch hat die "Jewish Trust Company" (JTC) als Treuhänderin angemeldet):
Wiedergutmachungsamt
beim Landgericht in Bonn
Rü T 742/52
B e s c h l u s s :
In dem Rückerstattungsverfahren [der JTC...], Rückerstattungsberechtigte und Antragstellerin
[...],
gegen
das Deutsche Reich, vertreten durch die Oberfinanzdirektion in Köln [...],
wegen Rückerstattung eingezogener Spar- und Bankguthaben
wird festgestellt, dass der Antragstellerin ein Anspruch auf Ersatz für das von der Finanzkasse vereinnahmte, auf den Namen des[!] Frau Marx, Rosa geb. Wolf lautende Sparguthaben bei der Kreissparkasse Siegburg in Höhe von 2154,59 RM im Rahmen des Umstellungsgesetzes zusteht.
G r ü n d e :
Das vorbezeichnete Guthaben war auf Grund der 11.VO. zum R[eichs]Bürg[er]G[esetz] vom
25.November 1941 dem Deutschen Reich verfallen und am 9.12.1942 an das Finanzamt in Siegburg
überwiesen worden.
[...]
Eine Verurteilung des Antragsgegners zu s o f o r t i g e r534Leistung ist
nicht möglich, da die Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches noch nicht geregelt ist. [...] Es
bleibt lediglich offen, wer die Verbindlichkeiten des Deutschen Reiches einmal zu erfüllen
haben wird.
[...]535
Am 21.Juli 1938 verkaufen Albert und Melly Brünell Haus und Grundstück in der Faustgasse 4 (=Hippolytusstrasse 4)536. Sie haben es 21 Jahre zuvor für 24.000 Mark erworben, jetzt wechselt es für 16.300 RM die Besitzer537. Davon zahlen die Käufer - ein Ehepaar vom Niederrhein - sofort vor dem Notar 3.000 RM; der Rest soll in jährlichen Raten von zunächst 2.000 RM (am 1.1.1940) und später 1.500 RM (ab 1.1.1941) bezahlt werden. Diese Schuld wird als Briefhypothek vereinbart.
Die Brünells, die im Kaufvertrag "erklärten, Nichtarier zu sein", treten diese Forderung am 21.Februar 1939 an einen Metzgermeister aus Köln-Dünnwald ab538. Die Zollfahndungsstelle hat zuvor den Verkauf des Hypothekenbriefes mit zwei Auflagen genehmigt:
Im Jahre 1956 schliessen die überlebenden Verwandten des Ehepaares Brünell einerseits, der Kölner Metzger und die Käufer andererseits vor Gericht einen Vergleich: Der Metzger zahlt - in der Hauptsache - 1.000 DM nach, die Käufer 9.000 DM540.
Der Verkauf des Hauses Levy, Kirchstrasse 6, verläuft ähnlich, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Es ist auf jeden Fall ein Notverkauf, was bei Brünells nicht so deutlich wird. Samuel Levy verkauft 1939 an einen Nachbarn. Das zweistöckige Fachwerkhaus541, das 300 Jahre alt gewesen sein soll542, ist in der "Reichskristallnacht" schwer beschädigt worden543. Versicherungsleistungen - sofern früher welche vereinbart waren - darf Samuel Levy nicht in Anspruch nehmen, seine Metzgerei darf er seit dem 1.Januar 1939 auch nicht mehr führen - er muss also verkaufen.
Der Nachbar erwirbt das Haus für 6.300 RM; 27 Jahre zuvor hat es Levy für 7.500 M gekauft. Von der Kreissparkasse Siegburg erhält der Käufer ein Darlehen in Höhe von 3.500 RM544. Ein Teil des Kaufpreises wird in Raten bezahlt. Am 26.Mai 1939 ziehen die Levys nach Köln um545.
Käthe J.546 bringt mehrmals die fällige Rate nach Köln und trifft eine bedrückte Familie Levy in einer ärmlichen Wohnung an. Samuel Levy vermutet: "Im Osten werden wir schwer arbeiten müssen." Die letzten drei Raten haben die Käufer noch ins Ghetto Lodz überwiesen, alle drei sind in Karten an Rosa Marx, eine Nichte von Samuel Levy, bestätigt worden547.
Frau J. erklärt nach dem Krieg, "dass an Barzahlung zusätzlich zu den 6.300 noch 2.800 an Levy gezahlt worden sind." Sie habe zwar die Quittungen vernichtet, "erklärt aber an Eidesstatt, dass diese 2.800 in Besitz von Levy gelangt sind, teils durch O[...], teils durch sie [Frau J.] selbst."548 Frau J. hat den Schmuck und das Silberbesteck der Levys aufbewahrt und nach dem Krieg der Tochter Hilde zurückgegeben. Die Wiedergutmachungskammer beim Landgericht Bonn "stellt" 1952 "fest", dass Hilde die Eigentümerin des Grundstücks ist549; diese verzichtet aber 1953 auf ihre Rechte, Frau J. zahlt 1.500 DM und ihren Gebührenanteil nach550.
Drei weitere Grundstücke der Levys hat das Deutsche Reich im Oktober 1942 an sich gerissen:
auch sie werden durch Gerichtsbeschluss 1952 an Hilde zurückgegeben.
In diesen Zusammenhang gehört ein weiterer Hausverkauf, obwohl "die Beteiligten erklärten, dass an dem Rechtsgeschäft kein Jude im Sinne des Reichsbürgergesetzes beteiligt ist."552 Aus dem Zusatz "im Sinne des Reichsbürgergesetzes" lässt sich schon erschliessen, dass die Erklärung auch nur in dieser Formulierung juristisch einwandfrei ist. Denn die Verkäuferin ist Frau Karoline Trösser, Witwe des Anton Trösser553, Besitzerin des Gasthauses "Deutscher Kaiser" in der Poststrasse 71. Von ihr hat ein Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes auf der Meldekarte vermerkt: "Mischling I. Grades (50 % Jüdin) [...]"554. Und wie die "Voll-Juden" ist auch sie 1936 aus dem Wählerverzeichnis gestrichen worden555, allerdings mit dem Zusatz "katholisch". Ihre Taufe, deren Datum unbekannt ist, ist wohl auch der Grund, warum auf der Meldekarte weiter eingetragen ist: "[...] gilt jedoch nach den Bestimmungen nicht als Jude". Frau Trösser schreibt 1948:
Unter dem Druck des damaligen Regimes wurde im Jahre 1934 die Benutzung meines Lokals verboten. Der Rückgang meines Geschäftes war daher unvermeidlich und geriet infolgedessen in finanzielle Schwierigkeiten. Ich wurde gezwungen, das Lokal zunächst zu verpachten.556
Frau Trösser ist also sehr froh - das tut sie dann auch kund -, als sie die Gaststätte am 9.November 1939 verkaufen kann; für Grundstück, Gebäude und Einrichtung erhält sie 73.380 RM; das Anwesen ist aber wegen Darlehen von Brauereien und durch Hypotheken schwer belastet (ca. 44.000 RM557); die Käufer zahlen 15.000 RM sofort beim Notar, die restliche Summe wird in jährlichen Raten von 2.000 RM (ab 1.12.40) gezahlt558.
Die Käufer, das Ehepaar R., machen am Abend des 9.November "durch eingeschriebenen Brief den Kauf wieder rückgängig. Auf dringendes Ersuchen und Bitten der Frau Trösser, die am folgenden Tag Herrn R[...] in Köln aufsuchte, blieb es dann doch bei dem zustande gekommenen Vertrag."559Als die Eheleute Trösser die bereits vorhandene Gaststätte 1920 erwarben, war als Preis für Grundstück, Gebäude und bewegliche Sachen die Summe von 150.000 M vereinbart worden560.
In dem Inventarverzeichnis von 1939, das mit viel Phantasie eine Rekonstruktion der gesamten Gaststätte erlauben würde, fällt ein Bestand an Biergläsern im Wirtschaftsraum auf: dort stehen im Regal 10 Gläser des Kaninchenzuchtvereins, 25 Gläser des Kyffhäuser-Vereins, mehrere Krüge des Kegelvereins und 33 Gläser des Männergesangvereins561; und auch der Werkschor der DAG sang hier562 - und das, obwohl Frau Trösser sicher schon früher als "Jüdin" eingestuft worden war.
Aber genau dieser Punkt führt nach 1945 zu einem bitterbösen Rechtsstreit563. Im Krieg ist das Haus zerstört worden, Herr R. ist vermisst. Ein Hans T., Oberingenieur und Sachverständiger für das Kfz-Wesen, macht sich 1951 zum Anwalt der Witwe R.
Er bestreitet, dass der Verkauf unter Druck erfolgt sei, und unterstellt der Frau Trösser, "heute als Jüdin Vorteile erreichen" zu wollen; sie mache "jetzt den Versuch, zu Geld zu kommen". Er behauptet:
Dass die Antragstellerin [d.i. Frau Trösser] nie als Jüdin betrachtet wurde, wird bewiesen durch das Zeugnis des [ehemaligen Bürgermeisters] Matthias Langen und des [ehemaligen NS-Bürgermeisters] Ernst Schünemann. Letzterer bestätigt sogar, dass sie immer voll wahlberechtigt war. [...] Wie wenig sie sich selbst zum Judentum zählte, geht aus einem Schreiben hervor, welches sie am 2.7.42 an den verstorbenen Ehemann R[...] richtete, und in dem sie mit »Heil Hitler« unterzeichnete.564
Frau Trösser antwortet darauf:
[...] Das[s] ich mich selbst nicht zum Judentum bekannte, muss doch jeder nachdenkliche Mensch einsehen, denn man hörte doch nur die grausamsten Sachen von Dachau und sonstigen Lagern, wo das allerschlimmste mit den Juden gemacht wurde; das[s] ich nun diesem Los zu entgehen suchte[,] ist doch kein Verbrechen gewesen.565
Ein Siegburger Steuerberater, M.-S., der sich im Herbst 1951 einschaltet, behauptet dreist,
dass Frau Trösser Jüdin bzw. Halbjüdin ist, ist weder den Eheleuten R[...] noch der Einwohnerschaft Troisdorfs bekannt gewesen. Frau Trösser ist auch niemals politisch verfolgt gewesen.566
Das Landgericht Bonn bringt die beiden Parteien zu einem Vergleich: Witwe R. zahlt DM 3.000 nach567; am 5. Februar 1953 verkauft sie das Ruinengrundstück für DM 16.000 an die Stadt Troisdorf568, 1955 wohnt sie in Witten. Frau Trösser stirbt 1967569.
Dieses und das folgende Haus (Klevstrasse 25) erbt Rosa Marx (geb. Wolf) nach dem Tode ihrer Mutter Eva Wolf (geb. Levy) im Jahre 1939. Die allgemeine wirtschaftliche Notlage der Juden zwingt auch sie, die beiden Häuser zu verkaufen. Das verlief angeblich so (nach der Aussage des Käufers570):
Der Postschaffner Christian S., der Am Pfuhl 9 a wohnte und nach eigenen Angaben "bis zuletzt gut nachbarliche Beziehungen" zu den Juden pflegte - was "der Jude, Herr O[...] N[...]," bestätigen könne -, wurde von Erich Marx angesprochen; Marx bot ihm das Haus zum Kauf an, wollte aber sofort Bargeld sehen. Der Mieter Hans B. war auch an einem Kauf interessiert. S. winkte zunächst ab, weil ihm der geforderte Preis zu hoch war.
Erst als die Gemeinde Troisdorf ihm Land für einen Sportplatz abkauft, hat S. den Preis akzeptiert: 1.650 RM für 264 m²; mit den 50 RM Gerichtskosten ergab das einen Preis von 6,43 RM/m² (1952: 8 DM/m²). Die Summe wurde auf ein Sonderkonto des Regierungspräsidenten in Köln eingezahlt.
Marx erklärte uns später, dass ihm das Geld in Teilbeträgen als monatlicher Unterhalt ausgezahlt würde [...]. Ob Marx in den vollen Besitz des Geldes gelangt ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Er überbrachte uns damals die traurige Mitteilung, dass sie ziellos [!] ihr Heim verlassen müssten; seitdem haben wir nie mehr etwas von ihnen gehört.
In einem ersten Vergleich 1956 zahlt das Ehepaar S. 300 DM nach und bleibt Eigentümer; wegen eines Formfehlers ist dieser Vergleich aber nichtig und muss erneuert werden; 1960 zahlen die S. noch einmal 1.500 DM nach.
Falls das Ehepaar S. - was nicht mit letzter Sicherheit nachweisbar ist - zu den "Volksgenossen" gehörte, die 1942 "am Juden" verdienten und nach 1945 ein paar Krokodilstränen über das ach so ungewisse, wahrscheinlich aber böse Ungemach ihrer früheren Nachbarn vergossen, ist es ausreichend bestraft worden. Dabei ist weniger an die Geldbeträge zu denken - andere haben mehr nachzahlen müssen - als vielmehr daran, dass Grundstück und Haus wegen des Formfehlers bis 1960 gesperrt waren. M.a.W.: Das Haus durfte bis dahin nicht verkauft werden; 15 Jahre lang waren die S. an das Haus gefesselt; seit 1948 wussten sie definitiv, dass sie irgendwie zur Rechenschaft gezogen würden: für ein schlechtes Gewissen eine lange Zeit.
Nach 1942 soll zunächst571 ein Polizist in dem Haus gewohnt haben, der angeblich 1945 hinausflog, weil er ein Nazi war; danach die Familie K.572und ein Pferdemetzger D.573. Etwa 1961 wurde das Haus abgerissen.
In ähnlich "harmonischer" Atmosphäre soll auch das Haus Klevstrasse 25 verkauft worden sein, wenn man dem Erwerber Peter K. glaubt574: K. ging eines schönen Tages durch die Klevstrasse, und - siehe da - sein Auge fiel auf ein Schild im Fenster des Hauses Nr.25: "Haus zu verkaufen". Das traf sich gut, denn K. suchte gerade ein Haus. Und in der Tat: Er und Rosa Marx wurden sich bald einig. Obwohl der Einheitswert des Hauses nur 5.800 RM betrug, zahlte unser Menschenfreund von sich aus 8.000 RM; beide Seiten handelten an diesem 9.Juni 1939 "in freiwilliger Vereinbarung, ohne jegliche Nötigung". Rosa Marx soll nachgerade dankbar gewesen sein, einen Käufer für das Haus gefunden zu haben, meint K. 1952575: "Gott sei Dank, dass wir das Haus los sind, man bekommt ja keine Miete herein." überhaupt tischt K. interessante Einzelheiten auf:
Herr Erich Israel[!] Marx betrieb zusammen mit dem Metzger Samuel Levi[!] eine Schlachterei. In diesem Betrieb war verseuchtes Vieh geschlachtet worden, so dass die Metzgerei geschlossen wurde.
Beweis: Zeugnis des [...]
Dazu kam, dass es damals infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, insbesondere auch der Mieter im Hause des Herrn Marx, nicht möglich war, nennenswerte Mietbeiträge aus dem Haus herauszuholen. Als Marx dann endlich einen Käufer für das Haus gefunden hatte, erklärte seine Ehefrau: "Gott sei Dank [..." usw., s.o.]576
Es gibt aber noch eine andere Version, wie der Kauf zustande kam: Ein Bekannter oder Verwandter des K., We., war Beamter der Gemeinde Troisdorf und gab K. den Tipp mit der Klevstrasse 25, dass da wohl bald ein Notverkauf zu erwarten sei577.
K. hat später ordentlich nachzahlen müssen: 1956 5.000 DM578 und 1960 zusätzlich weitere 3.000 DM579, insgesamt also 100 % der Kaufsumme von 1939. Das ist die höchste Rate aller Nachzahlungen in Troisdorf580.
Alfred Pins hat offensichtlich versucht, sein Haus zu verkaufen - 1939, als die Not immer grösser wird581. Der "Westdeutsche Beobachter" berichtet, dass Pins mit einem Nachbarn namens T. sich einig geworden sei - auch über den Kaufpreis; vor dem Notar sollte nur der offizielle Betrag genannt werden, die Hälfte des tatsächlichen Betrages; die andere Hälfte sollte später bar und ohne Belege über den Tisch wandern.
Mit dieser Regelung ist beiden geholfen - vor allem aber Pins, der damit eine grössere Summe Bargeld vor den Nazis verheimlichen kann. Was heute ein Kavaliersdelikt ist und als Beweis höherer Cleverness gilt, kann 1939 vielleicht Leben retten - z.B. wenn man als Deutscher/Jude bei ausländischen Konsulaten oder Organisationen grössere Summen für eine Einwanderungserlaubnis hinterlegen muss.
Irgendwie kommt die Sache aber noch vor Vertragsabschluss heraus, und am 2.Juni 1939 wird Alfred Pins vom Schöffengericht Siegburg wegen Steuerhinterziehung zu 60 RM bzw. 12 Tagen Gefängnis verurteilt582.
Ob Alfred Pins später noch einmal versucht hat, das Haus zu verkaufen, ist nicht bekannt.
Dieses Grundstück ist - wie die Hofgartenstrasse 8 - nicht mehr vor der Deportation ihrer Besitzer verkauft worden. Das Finanzamt Siegburg erklärt beide für "dem Deutschen Reich verfallen"583. Rechtsgrundlage ist jedes Mal die 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25.November 1942584.
1 Ein Slogan, der schon seit 1895 in Umlauf ist: WESTPHALEN, S.30 f; Fotos vom "Boykott" u.a. in SCHOENBERNER, Stern, S.28 f; ESCHWEGE, S.38; LORANT, S.224 f; LEISER, S.101; RICHARZ, Bd.3, S.259; JANSSEN, S.134; KARLSRUHE, S.21; VESPIGNANI, S.17 + 92.
2 Foto im Dokumententeil und TRIPPEN, S.123.
3 Bgm. Langen an Landrat, 10.3.33, in HStAD, LAS 44, Bl.316; dort auch die folgenden Zitate.
4 Die SZ veröffentlicht am 31.3.33 eine "Erste Boykott-Anordnung" der "Boykott-Bewegung gegen die Greuellügen".
5 Handschr. Vermerk von Unbekannt auf dem Bericht von Langen, s. Anm. 4.
6 in ESCHWEGE, S.36.
7 Hilberg in LANZMANN, S.101.
8 nach RICHARZ, Bd.2, S.19 ff.
9 LINN, Juden, S.114 ff.
10 Wahlen im Gasthof Herrengarten, 1925, 1928 und 1932, in ARSK, LSK 91, ohne Bll.zählung.
Zur Steuerkraft der Siegburger Judengemeinde:
1917 gehören 11 Personen zur 1.Steuerklasse (maximaler Steuersatz: 900), 25 zur 2., 108 zur 3. Von "unseren" Juden gehören Albert Marcus (420) und Adolf Wolf (160) zur 2., Albert Brünell (118), Emanuel Meier (80), Jakob Falkenstein (70), Samuel Levy (36), Erwin Bernauer (31) und Moses Falkenstein (6) zur 3. Klasse: aaO.
11 Bgm. Reinartz an Landrat, 26.10.33, in HStAD, LAS 423, Bl.487; "Einstellung" ist auf dem Original verbessert aus "Empörung". ähnliche Schreiben in den folgenden Monaten: aaO, Bll.497 und 502.
12 Bgm. Jakobs, Stimmungsbericht, 16.9.35, in ARSK, LSK 3261, Bll.306 f.
13 zur Sache siehe unten.
14 k. Bgm. Hirschfeld, Stimmungsbericht vom 12.3.36, in ARSK, LSK 3263, Bll.196 f.
15 Ludwig Pins an Vf., 7.2.84; man beachte das Wort "die Fremde"!
16 siehe unten.
17 SZ, 30.3.33.
18 SCHWARZBUCH, S.285 f; DüWELL, S.83 f.
19 Nach SZ vom 10.3.33 sind "Rhela" und "Schuhhaus für alle" in der Kaiserstrasse betroffen: Dort pinseln die Nazis mit weisser Farbe auf die Schaufenster: "Von der SA geschlossen". Am 11.3.33 (Samstag) erscheint in der SZ eine Geschäftsanzeige des Schuhhauses mit dem unübersehbaren Satz: "Unser Geschäft ist den ganzen Tag durchgehend geöffnet."
20 s. Dokumententeil.
21 "Gesetz zur Wiederherstellung[!] des Berufsbeamtentums", RGBl I, S.175; Auszug in MüNCH, S.29 ff. Von den folgenden Punkten sind die meisten aus ADAM, S.73 ff und 115 ff; vgl. WALK, passim.
22 zu den Hintergründen s. ADAM, S.114 ff.
23 vom 15.9.35, in RGBl I, S.1146; ESCHWEGE, S.69 (Faksimile); MüNCH, S.123 f.
24 vom 15.9.35, in RGBl I, S.1146; ESCHWEGE, S.69 f(Faksimile); MüNCH, S.122 f.
25 ADAM, S.130 f.
26 ADAM, S.126 f.
27 ADAM, S.108 ff.
28 Das Folgende nach ADAM, S.132 f; ANATOMIE II, S.271 f.
29 vgl. den Artikel des Vf. im GA, Ausgabe Siegburg, vom 9.11.85. Weitere Angaben über Ilse und ihren Freund waren zunächst in Ahlbeck nicht mehr zu finden: Rat des Kreises Wolgast (DDR) an Vf., 14.10.85; neuerdings sind die Vorgänge vom Vf. Aufgeklärt worden.
30 LINN, Juden, S.491 f (nach ARSK, LSK 769, Bl.194; vgl. ebenso Bl.153 v.) veröffentlicht eine Liste, die der k. Bgm. von Hirschfeld am 11.3.36 erstellt hat. Darin teilt er dem Landrat mit, welche "Nichtarier [...] der Stimmliste Troisdorf [...] entzogen [...]" worden sind.
31 z.B. Karola M. das Siegburger Mädchen-Lyzeum; s. ADAM, S.213 (für 1938); DüWELL, S.113 ff.
32 F.N. an Gestapo Köln, 18.11.41, siehe unten.
33 Mündl. Mitt. von Frau Karola M., 18.11.84.
34 VO über die Anmeldung des Vermögens von Juden, 26.4.38 (RGBl I, S.414) und D-VO, 18.6.38 (RGBl I, S.640).
Die VO ist teilweise abgedruckt bei ADLER, Mensch, S.492 f. Ein Blanko-Formular des "Verzeichnisses" nebst Anleitung und D-VO im Sta Hürth; das "Verzeichnis" ist abgedruckt bei ADLER, Mensch, S.547 ff.
Verzeichnisse Troisdorfer Juden sind nicht gefunden worden: FA SU an Vf., 10.4.84; HStAD an Vf., 7.5.84; Kultusminister NRW an Vf., 17.10.85; die OFD Köln, bzw. der Herr Bundesfinanzminister, hat die Einsichtnahme in Akten der OFD Köln nicht gestattet: OFD Köln an Vf., 7.2., 1.4., 25.6.85.
35 Landrat an RP, Entwurf, 13.10.38, in ARSK, LSK 3159, Bl. 5; abgedruckt in LINN, Juden, S.483 f.
36 Auszug aus der Vornamensliste: Anlage zum Runderlass des Reichsinnenministers vom 18.8.38, in LINN, Juden, S.221.
37 "Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die änderung von Familiennamen und Vornamen", 17.8.38, RGBl I, S. 1044; abgedruckt in MüNCH, S.128 f; ESCHWEGE, S.81.
38 nach der 3.VO über Kennkarten, RGBl I, S.913 ff; vgl. LINN, Juden, S.213. Foto in HELLMUND, Davidstern, S.80; ESCHWEGE, S.80.
39 Ermittelt 1947 aufgrund einer Anordnung des nordrheinwestfälischen Innenministers für seinen Amtsbezirk, in ARSK, LSK 4594, Bl.58. Die Akte wurde beim Abriss des Landratsamtes im Keller gefunden.
40 s. die Schilderung von Inge DEUTSCHKRON, S.28 f.
41 Acht Fotos im Dokumententeil; Namensliste in HELLMUND, Davidstern, S.99.
42 Für Bonn s. den Artikel des Vfs. in "neues rheinland", Jg.21, Nr.11 (Nov.1978), S.10 ff.
43 d.i. der am 14./15.2.33 in Siegburg erschossene SS-Mann, siehe unten. und Dokumententeil.
44 Mündl. Mitt. von Käthe J., 27.3.84, ebenso das folgende. Albert B. hat bereits in der Nacht (2 - 3 Uhr) Nazis am Werk gesehen: Mündl. Mitt. vom 2.1.85.
45 vgl. die Schilderung in MüLLER, S.87.
46 So Ossendorf in HELLMUND, Davidstern, S.81.
47 Die US-Behörden gaben den möglichen Einwanderern, die die Einwanderungsbedingungen erfüllten, Registriernummern. Der Abruf dieser Nummer musste abgewartet werden. Entsprechend ihrem Quotensystem erlaubten die USA jährlich nur ca.27.000 Personen aus Deutschland und österreich die Einwanderung. Infolge des starken Flüchtlingsstromes war diese Quote 1939 und 1940 in keiner Weise ausreichend. Das US-amerikanische Einwanderungsgesetz von 1921, das das Quotensystem festlegte, wurde jedoch nicht geändert. (nach RICHARZ, Bd.3, S.393, Anm.2)
48 Landrat an Stapo Köln, 12.11.38, in HStAD, RW 18/14, Bl.14.
49 vom 12.11.38, in RGBl I, S.1581; abgedruckt in MüNCH, S.133.
50 WB, 11.11.38.
51 Mündl. Mitt. von Frau Wally G., 22.12.82.
52 Gestapa an Stapostellen, FS, 9.11.38, in SCHOENBERNER, Stern, S.21.
53 Liste der Verhaftungen in HStAD, RW 18/14, Bl.14.
54 Hilde Jonas an Vf., 3.3.84.
55 Meldekarte, Stadt Troisdorf.
56 ebd.
57 Internationaler Suchdienst Arolsen an AG SU, 14.11.52, in Todeserklärung Albert Falkenstein.
58 dto., in Todeserklärung Jakob Falkenstein.
59 wie Anm. 54; vgl. LINN, Juden, S.211 ff.
60 Mündl. Mitt. der Töchter Erna und Julia, 8.5.85.
61 LINN, Juden, S.212.
62 s. Anm.58 f; zu Dachau s. Alfred Schwerin in RICHARZ, Bd.3, S. 346 ff.
63 wie Anm. 58 f.
64 wie Anm. 55.
65 wie Anm.58 f.
66 wie Anm. 55.
67 Sie wird später in Sobibor ermordet: siehe unten.
68 Meldekarte, Stadt Troisdorf.
69 Sie werden 1942 bei Maly Trostinez erschossen, siehe unten.
70 Günter Meier an Nanny Bernauer, 19.7.42, Sammlung Metzger.
71 Norbert Cahn (aus Sieglar) an Vf., 20.2.86.
72 Pol-VO "über das Auftreten der Juden in der öffentlichkeit", 28.11.38, RGBl I, S.1676; MüNCH, S.133 f; ADAM, S.215.
73 WB, 5.12.38; LINN, Juden, S.218; ADAM, S.213.
74 VO "über den Einsatz des jüdischen Vermögens", 3.12.38, RGBl I, S.1709; Auszug in MüNCH, S.134 ff.
75 Görings "Schnellbrief" vom 28.12.38, in HStAD, RW 18/14, Bll. 157 f; abgedruckt in IMT, Bd.25, S.131 ff; paraphrasiert bei ADAM, S.218.
76 nach HöHNE, Orden, S.306. Von 1933-37: ca.129.000 (LINN, Juden, S.223); von 1933-38: ca.169.000 (FOCKE/REIMER, Entrechtete, S.116); vom 1.1.38 bis zum 1.10.41: 170.000 (MONUMENTA JUDAICA, S.643).
77 s. Dokumententeil.
78 Mündl. Mitt. von Ludwig Pins, 15.5.85.
79 Mrs. Ann Herrmann an Vf., 2.5.85.
80 zitiert nach HöHNE, Orden, S.304.
81 s. LINN, Juden, S.204 ff.
82 Norbert Cahn an Vf., 20.2. und 9.4.86.
83 s. Dokumententeil; zu Maly Trostinez siehe unten.
84 Aufzeichnungen dieser Tagung in HStAD, RW 33, Heft 2, Bll.12 ff.
85 vgl. die britische Karikatur zum Hitler-Stalin-Pakt: "Der Abschaum der Erde, nehme ich an?" fragt Hitler, "Der blutige Mörder der Arbeiter, vermute ich?" fragt Stalin, als sich die beiden begegnen; die Karikatur aus dem Londoner "Evening Standard" ist nachgedruckt in GESCHICHTLICHE WELTKUNDE, Bd.3, S.151.
86 s. ADAM, S.234 f.
87 nach ADAM, S.235; DüWELL, S.250 (VB, 1.2.39).
88 MANN, S.229.
89 Stapo Köln an Landräte, 12.9.39, in HStAD, RW 18/14, Bl. 215.
90 Stapo Köln an Landräte, 20.9.39, aaO, Bl.216; nachgedruckt in REIFENRATH, S.95.
91 In Siegburg werden bei den Troisdorfer Juden folgende Geräte abgeholt:
Marcus - Philipps, Albert Falkenstein - Signalbau Huth E 82, Albert(?) Falkenstein - Nora L 21 (nach HStAD, RW 18/14, Bl.224 f; nachgedruckt in REIFENRATH, S.97 f).
92 s. ZELZER, S.213.
93 Bgm. Schünemann an Landrat, 23.9.39, in HStAD, RW 18/14, Bl. 234.
94 Stapo Köln an Landräte, 28.9.39, aaO, Bl.230.
95 Bgm. Schünemann an Landrat, 6./12.10.39, aaO, Bll.227 f.
96 Liste des Landratsamtes, 27.9.39, aaO, Bll.234 f.
97 Stapo Köln an Landrat, 29.11.39, aaO, Bl.238; die Ausnahme nach dem handschr. Vermerk vom 6.12.39 auf Bl.235.
98 Landrat an RP: monatliche Kreisstatistik, 10.10.41, in HStAD, RW 18/18, Bl.77; drei Jahre später, am 10.10.44, lebten im Siegkreis (offiziell) nur noch 2 (zwei) Juden: aaO, Bl.125.
99 Bgm.-Amt Much an Landrat, 17.6.41, in HStAD, RW 18/18, Bl.238; nachgedruckt in REIFENRATH, S.113.
100 Zur Geschichte des Lagers und seiner Bewohner s. REIFENRATH; Fotos und Beschreibung ebd.
101 Namensliste, erstellt von Gottlieb am 16.6.41, in HStAD, RW 18/18, Bll. 206-210.
102 Ob Selma Meier, Günters Mutter, dabei war, ist fraglich.
103 Sophia Levy, geborene Cahn, geboren 24.08.80 in Kommern, zuletzt wohnhaft Luisenstrasse 9, verheiratet mit Josef Levy, Schwester von Helwine Brünell, Mutter von Erna Falkenstein und Julia Cahn, deportiert 19./20.Juli 1942. Die anderen Angaben von REIFENRATH, S.79, stimmen nicht; siehe unten.
104 Stapo Köln an Landräte, 12.5.41, in HStAD, RW 18/18, Bll.144 ff.
105 ebd.
106 Stapo Köln an Landrat, 3.6.41, aaO, Bl.192.
107 Vermerk des Landratsamtes, 7.6.41, aaO, Bl.198.
108 Im Original steht: Kurth; gemeint ist Ernst Court, siehe unten.
109 Vermerk des Landratsamtes, 9.6.41, ebd.
110 gemeint sind die Juden, die nicht in das Lager deportiert worden sind; Stapo Köln an Landräte, 12.5.41, in HStAD, RW 18/18, Bl.144.
111 Zum jüdischen Vermögen siehe unten.
112 s. Dokumententeil.
113 Stapo Köln an Landräte, 22.7.42, HStAD, RW 18/18, Bl. 1.
114 Bgm. Schünemann an Landrat, "Verzeichnis der am 1.6.41 im Gemeindebezirk Troisdorf noch[!] ansässigen Juden unter Angabe [...] des von ihnen z.Zt. benutzten Wohnraumes", 26.5.41, in HStAD, RW 18/18, Bll. 186 f.
115 Kreisleitung der NSDAP an Ortsgruppenleiter, 6.6.41, aaO, Bl.197.
116 Kreisleitung an Ortsgruppenleiter, 20.6.41, aaO, Bll. 222 f.
117 nach dem Krieg abgerissen.
118 wie Anm. 115.
119 Meldekarten, Stadt Troisdorf.
120 Kontenbogen des FA Siegburg, 15.8.50, in Rü 36/118/ 16102/b, Bl.23.
121 ebd.
122 nach dem Krieg abgerissen.
123 wie Anm. 115; vgl. Abschnitt 18.
124 Meldekarten, Stadt Troisdorf.
125 Mündl. Mitt. von Frau H., geb. Kattwinkel, 17.7.85.
126 nach dem Krieg abgerissen, heute Gelände eines Kaufhauses.
127 wie Anm. 115.
128 wie Anm.115 .
129 Fa. Filk an Landrat, 20.6.41, in HStAD, RW 18/18, Bl.226.
130 Fa. Odermath an Landrat, 20.6.41, aaO, Bl.227.
131 nach LINN, Juden, S.219, dort auch weitere Belege.
132 vgl. dazu die Kontroverse auf der "Wannsee-Konferenz" im Januar 1942, abgedruckt in POLIAKOV/WULF, S.119 ff, insbes. S.125 f, und dazu ADLER, Mensch, S.215 f, ANATOMIE II, S.317, FERENCZ, S.42.
133 wie Anm. 115.
134 wie Anm.115 ; ferner "Liste" von ?, o.D., in HStAD, RW 18/18, Bll.67 ff, hier: Bl.69; "Liste" des Siegkreises, 10.2.41, aaO, Bll.147 ff, hier: Bll.159 f.
135 "Liste" von ?, o.D., aaO, Bl.6.
136 § 1 der "VO über die Beschäftigung von Juden", 3.10.41, in RGBl I, S.675; abgedruckt in U+F, 19, S.441 f; MüNCH, S.141, ESCHWEGE, S.161, ADLER, Mensch, S.213.
137 D-VO dazu, abgedruckt in U+F, 19, S.442 ff; Auszug in ADLER, Mensch, S.213 ff.
138 Foto des "Sterns" in HELLMUND, Davidstern, S.87; ESCHWEGE, S.156; Fotos von Juden, die den "Stern" tragen: ESCHWEGE, S.156 u.ö. Text der PolVO vom 1.9.41 in RGBl I, S.547; ferner in HOFER, S.297 f (Auszug); MüNCH, S.140; U+F, 19, S.416 ; ESCHWEGE, S.155 ff (Faksimile); ASARIA, S.367 f; RüCKERL, Vernichtungslager, S.102; ADLER, Mensch, S.47 ff; HILBERG, S.130 f.
139 Stapo Köln an Landräte, 10.4.42, in HStAD, RW 18/18, Bl. 241; vgl. Synagogengemeinde Köln an alle Juden in Köln, 7.4.42, in ASARIA, S.374 f; vgl. ESCHWEGE, S.159 f.
140 Stapo Köln an Landräte, 30.6.42, HStAD, RW 18/18, Bll. 246 f; "Erfassung" im November 1941: Synagogengemeinde Köln an alle Juden in Köln, 17.11.41, in ASARIA, S.369 f.
141 Synagogengemeinde Köln an alle Juden in Köln, 7.4.42, in ASARIA, S.375; in Frankfurt/Main s. U+F, 19, S.410 f; vgl. ESCHWEGE, S.157.
142 Synagogengemeinde Köln an alle Juden in Köln, 15.5.42, in ASARIA, S.377.
143 in Berlin: zwischen 16 und 17 Uhr, PolVO vom 4.7.40, in ESCHWEGE, S.126.
144 in Dresden, Anordnung der Israelitischen Religionsgemeinde, 16.3.42, in ESCHWEGE, S.186.
145 in Dresden, 24.4.42, ebd.
146 in Dresden, 22.8.42, ebd.
147 nach mündl. Mitt. einer Augenzeugin, 9.5.85.
148 Heydrich stellt sich der "Wannsee-Konferenz" als den "Beauftragten für die Vorbereitung der Endlösung der europäischen Judenfrage" vor, lt. Wannsee-Protokoll, 20.1.42, in POLIAKOV/ WULF, S.119 ff, Zitat auf S.120; vgl. Görings Auftrag an Heydrich, 31.7.41, abgedruckt in ANATOMIE II, S.306 f; RüCKERL, Vernichtungslager, S.98 f (nach IMT, PS-710).
149 nach BROSZAT, in ANATOMIE II, S.108; ADAM, S.310 ff.
150 So Ernst G. Lowenthal in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 28.3.86 zu einem solchen "Sammelwerk" über Heidelberg.
151 LANZMANN, S.95 ff.
152 aaO, S.223 ff.
153 aaO, S.27 ff.
154 Ausnahmen in unserem Fall: Arthur und Johanna Hirsch, s. Dokumententeil.
155 nach der 11.VO zum Reichsbürgergesetz, 25.11.41, RGBl I, S.614; abgedruckt in U+F, 19, S.462 ff; ADLER, Mensch, S.500 ff; ADAM, S.300 ff; ANATOMIE II, S.313 ff.
156 Nur 1(ein) Jude hat Belzec und den Krieg überlebt: Rudolf Reder (s. REDER; HENKYS, S.103 f; GILBERT, S.240); vier Juden haben Chelmno überlebt: HENKYS, S.95; drei: MASSENTöTUNGEN, S.145; zwei: LANZMANN, S.17; 870 haben Lodz überlebt (WULF, S.52).
157 Der allererste Transport deutscher Juden nach Lodz wurde am 14.10.41 angeordnet: ADAM, S.311.
158 MONUMENTA JUDAICA, S.637.
159 Todeserklärung Levy.
160 AG Köln, Beschluss, 18.5.55, in Todeserklärung Brünell, Bl. 68. Die Gemeindeverwaltung von Kommern, dem Geburtsort von Frau Brünell, bescheinigt am 30.4.52, dass Albert und Helwine Brünell "1941 von Kommern[!] mit unbekanntem Ziel deportiert" worden sind (aaO, Bl.4). Das ist zwar nicht zu widerlegen, aber anzuzweifeln; jedenfalls wohnen sie nicht im Juni 1941 in Kommern: ihr Name fehlt in der "Aufstellung der in Kommern wohnenden Juden", abgedruckt in ARNTZ, S.350.
161 Meldekarte, Stadt Troisdorf.
162 dto.
163 in DOK FRANKFURT, S.437 und 524 ff; für Bielefeld s. SCHOENBERNER, Stern, S.147 f.
164 MONUMENTA JUDAICA, S.637.
165 abgedruckt in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.35 ff, und TRUNK, S.14 ff.
166 ADLER, Mensch, S.170.
167 So Regierungspräsident Uebelhör, zitiert in RüCKERL, Vernichtungslager, S.255.
168 Texte in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.38 ff und 45 ff; Ausführungsbestimmungen auch in TRUNK, S.17 ff.
169 so ADLER, Mensch, S.171; Schwurgericht Bonn, Urteil vom 30.3.63: 233.000 von 700.000 Einwohnern (nach RüCKERL, Vernichtungslager, S.254).
170 Aus der "Denkschrift des Gesundheitsamtes der Stadt Lodsch" vom 1.2.40, in ADLER, Mensch, S.169.
171 Foto von Rumkowski in KRONIKA II, S.161; Rumkowski war der "Prototyp des Kollaborateurs", ein "Diktator"(WULF, S.41 f); ein "Autokrat", so der Verfasser der BRIEFE, S.51.
172 Ausführungsbestimmungen zur PolVO vom 8.2.40, wie Anm.169.
173 Fotos im Dokumententeil und in CHAGOLL, S.117 f; SCHOENBERNER, Stern, S.89; KRONIKA I, S.80; ESCHWEGE, S.189 f; vgl. MASCHMANN, S.89.
174 Oberbürgermeister Litzmannstadt an Judenältesten, 30.4. 40, in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.74 f, und TRUNK, S.64 f; vgl. ferner die "Sonderanweisung" des Polizeipräsidenten vom 10.5.40, in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.83 ff.
175 Auszug aus dem "Sonderbefehl für den Schusswaffengebrauch bei der Bewachung des Ghettos Litzmannstadt", herausgegeben von dem Kommandeur der Schutzpolizei, 11.5.41, in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.86 f; WULF, S.16; SCHOENBERNER, Stern, S.80; ESCHWEGE, S.193; Hervorhebung im Original.
176 Fast 60.000 Menschen pro km² oder 5,8 Personen in einem Raum: Oberbürgermeister Litzmannstadt an Regierungspräsident in Kalisz (Kalisch), 24.9.41, in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.197. Am 1.1.42 leben dann 162.681 Menschen im Ghetto: KRONIKA, I, S.359.
177 Aus dem "Erfahrungsbericht" der Schutzpolizei, 13.11.41, in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.204; FGM, S.253 f; ESCHWEGE, S.188 ff. Fotos von ankommenden Juden in FGM, S.255 f, und ESCHWEGE, S.189. Fotos von Juden bei der Abfahrt aus Hanau in HILBERG, Sonderzüge, S.29 und 44. Fotos von deportierten Juden in Lodz: VESPIGNANI, S.121.
178Aus dem "Erfahrungsbericht", s. Anm.169.
179Foto dieser Strasse in KRONIKA II, S.320.
180in LINN, Juden, S.263 ff, 554 ff und 651.
181Die Dokumente sind im Besitz von Frau M.
182Mündl. Mitt. Frau Käthe J., 27.3.84.
183WULF, S.41.
184RVJDan Frau Müller, 19.12.41 in ARNTZ, S.383; ferner RVJD, 10.4.42, in ADLER, Mensch, S.468. Am 13.2.42 liefert die NS-Ghettoverwaltung "Briefsachen aus dem Altreich, die für die Insassen des Ghettos in den letzten Wochen hier eingegangen sind", bei der Gestapo Lodz ab: BLUMENTAL, Slowa niewinne, S.231.
185vgl. J.+ H. Seligmann an Maria Seligmann, 21.6.42, in LINN, Juden, S.558.
186 in BLUMENTAL, Slowa niewinne, S.98; POLIAKOV/WULF, S.201; ESCHWEGE, S.195.
187 Schulz, Reserveleutnant der Schutzpolizei, an S.[?] Ak.[?] Nord, 2.12.41, in BLUMENTAL, Slowa niewinne, S.99; überliefert auch in KRONIKA I, S.283 und 286.
188 ebd.; in dem NS-Dokument bei BLUMENTAL: Wemler.
189 Schulz an S.Ak. Nord, s. Anm. 1.
190 WULF, S.17.
191 Foto in FGM, S.184. Biebow wurde am 20.4.47 in Lodz hingerichtet: RüCKERL, Vernichtungslager, S.247; REITLINGER, S. 342.
192 Biebow an Arbeitsamt Litzmannstadt, 10.6.42, in BLUMENTAL, Slowa niewinne, S.150 f, WULF, S.31.
193 Nach HERSHKOVITCH, S.95, waren 75 % der Ghettobewohner tuberkulös; 20.000 Tbc-Kranke im Mai 1941: WULF, S.31.
194 Biebow an Gestapo Lodz, 4.3.42, in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.243 ff; WULF, S.31; ESCHWEGE, S.191 f; LINN, Juden, S.262 f.
195 nach HERSHKOVITCH, S.97 f.
196 Judenrat, Bevölkerungsbewegung Jan.-Juli 1942, in FGM, S.285; vgl. GILBERT, S.54.
197 Gestapo Lodz, Lagebericht, 2.7.42, in FGM, S.292 f.
198 vom Vf. zusammengestellt nach KRONIKA I, S.309, 367, II, S.497; vgl. die Angaben bei HERSHKOVITCH, S.104, die etwas abweichen.
199 HERSHKOVITCH, S.101.
200 Regierungspräsident Uebelhör, zitiert in RüCKERL, Vernichtungslager, S. 255.
201 so Biebow, nach HILBERG, S.186.
202 HERSHKOVITCH, S.111, dort auch das folgende; WULF, S.34.
203 Foto im Dokumententeil.
204 nach dem deutschsprachigen Stadtplan in EISENBACH, Getto Lodzkie, Anhang; HERSHKOVITCH, S.119; Foto "Frauen beim Federzupfen" in FGM, S.233.
205 BRIEFE, S.45 f.
206 nach WULF, S.31, für den Stichtag 4.3.42.
207 Biebow an OB Litzmannstadt, 19.4.43, in BLUMENTAL, Slowa niewinne, S.180; WULF, S.35. HERSHKOVITCH spricht von 9,5 Stunden täglich und einer 6-Tage-Woche, S.110.
208 KRONIKA I, S.363, II, S.481.
209 wie Anm. 20; BRIEFE, S.38: Ich sehe "die ausgemergelten Körper und Gesichter [...] der Arbeiter [...], die tief eingekerbten Runzeln [...]".
210 BRIEFE, S.29.
211 Aus dem Tagebuch des Shlomo Frank, nach WULF, S.38.
212 für die Ghettobewohner: ADLER, Mensch, S.174; RüCKERL, Vernichtungslager, S.276.
213 Karten in RüCKERL, Vernichtungslager, S.260 f; GILBERT, S.82.
214 HENKYS, S.95; Lange ist angeblich 1945 gefallen, nach RüCKERL, Vernichtungslager, S.248.
215 Foto in PILICHOWSKI, nach S.160; zu den Gaswagen s. RüCKERL, Prozesse, Anhang, und RüCKERL, Vernichtungslager, S.266 f und 291.
216 HSSPF Koppe an HSSPF, SS-Gruf Sporrenberg, 18.10.40, in KLEE, S.191; RüCKERL, Vernichtungslager, S.258.
217 Zahlen bei HENKYS, S.95; ADLER, Mensch, S.174; FGM, S.278, Anm.1; RüCKERL, Vernichtungslager, S.288 ff; MASSENTöTUNGEN, S.145.
218 Instytut an Vf., 6.7.85.
219 Gestapo Lodz, Lagebericht, 9.6.42, in FGM, S.285 f; KRONIKA I berichtet am 17.Mai, dass 10.915, d.h. also 18 Menschen weniger, ausgesiedelt worden seien (S. 562 f); diese Zahl auch in der Statistik Jan.-Juli 1942, s. Anm. 10.
220 DR Litzmannstadt an Gestapo Litzmannstadt, "Nachweis der in der Zeit vom 4.5.-15.5.42 abgefertigten Juden-Sdz.", 19.5.42, in FGM, S.280 f; für März 1942: Nachweis für 16.3.-2.4.: 16.748 Juden, in HILBERG, Sonderzüge, S.146; vgl. auch RüCKERL, Vernichtungslager, S.276 f, Anm.69.
221 KRONIKA I, S.507 f; übersetzung aus dem Polnischen.
222 Nach der Anklageschrift des Obersten Polnischen Volksgerichtshofs gegen den "Reichsstatthalter" Artur Greiser, 10.6.45, Auszug in RüCKERL, Vernichtungslager, S.332 ff, bes. S.334 f.
223 Das Foto in FGM, S.284 unten, könnte die Waggons der Kleinbahn zeigen; weitere Fotos aaO (S. 284 oben, 315, 337), HILBERG, Sonderzüge (S. 57, 68, 71, 94, 102).
224 Zeugenaussage 1962: "unmenschliche Umstände beim Umladen der Juden", in RüCKERL, Vernichtungslager, S.277.
225 Foto (1980) in GILBERT, S.82.
226 dazu RüCKERL, Vernichtungslager, S.266.
227 KLEE, S.371 f; Zeugenaussage eines Gaswagenfahrers in RüCKERL, Verbrechen, S.53 ff.
228 in LANZMANN, S.111 ff.
229 aus dem Vernehmungsprotokoll des E., zitiert nach HöHNE, Orden, S.343 f.
230 Biebow an den "Reichsbeauftragten" usw., 13.6.42, in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.227; WULF, S.48; Bothmann betrunken: RüCKERL, Vernichtungslager, S.265 f. vgl. Ribbe an den Reichsstatthalter, 28.9.43, in WOLF, S.72.
231 Biebow an Landeswirtschaftsamt Posen, 26.6.42, in EISENBACH, Getto Lodzkie, S.229; WULF, S.48 f.
232 Biebow an die Personalstelle seiner Ghettoverwaltung, 29.6.42, in KERMISZ, S.76; POLIAKOV/WULF, S.202; WULF, S.49; vgl. RüCKERL, Vernichtungslager, S.264; für die Ghettoverwaltung ordert Biebow im September 1943 zusätzliche Seife: WULF, S.70.
233 Ghettoverwaltung Lodz an Wirtschaftsamt Posen, 27.5.42, in FGM, S.396; WULF, S.25, RüCKERL, Vernichtungslager, S.275.
234 WULF, S.27.
235 Der Gaubeauftragte für das WHW Posen an Ghettoverwaltung Lodz, 9.1.43, in KERMISZ, S.168 ff; POLIAKOV/WULF, S.58; WULF, S.27 f; SCHOENBERNER, Stern, S.82; RüCKERL, Vernichtungslager, S.275.
236 Blobel wurde im Einsatzgruppen-Prozess in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet: RüCKERL, Vernichtungslager, S.248.
237 Man lese die Schilderung von Leon Weliczker, einem überlebenden dieses "Enterdungskommandos", in SCHOENBERNER, Gesehen, S.355-366!
238 nach GILBERT, S.168 f; 300.000 nach HöHNE, Orden, S.431.
239 nach HöHNE, Orden, S.342; die Leute von 1005 werden hinterher in Erholungsheime der Sipo nach Grinizza oder Zakopane geschickt: ARTZT, S.72.
240 Briefwechsel dazu auszugsweise in RüCKERL, Vernichtungslager, S.283 f; FGM, S.353 f; ARTZT, S.105; BRACHER/FUNKE/JACOBSEN, S.552 f.
241 Errechnet aus dem sog."Korherr-Bericht"(Langfassung): "Das Ghetto Litzmannstadt zählt Anfang 1943 87.180 Juden, davon 83.133 mit ehem[als] polnischer Staatsangehörigkeit.", zitiert nach FGM, S.348; HENKYS, S.96.
242 Meldekarte, Stadt Troisdorf.
243 Deportationsbefehl vom 24.10.42, unterzeichnet von Daluege, in IMT, XXXII, S.535 f (=PS 3921).
244 GILBERT, S.80.
245 nach ROSENBERG, S.14.
246 ROSENBERG, S.14-74.
247 Einsatzgruppe A, Bericht, 31.1.42, in IfZ, Bestand Fb 101/35, Bl.536; auszugsweise gedruckt in IMT, XXX, S.71 ff (= PS 2273); Auszüge in IMT, VIII, S.325 ff (=USSR 57), und KRAUSNICK/ WILHELM, S.586.
248 Bericht vom 31.1.42, aaO, Bl.538; im Original heisst es weiter: "Seit Dezember 1940" kamen 7.000 Juden aus dem Reich: 1940 ist offensichtlich ein Schreibfehler, Dezember wohl fälschlich für November.
249 ChSipoSD, EM UdSSR Nr.151, 5.1.42, (=NO 3257), in ADLER, Mensch, S.184 (auszugsweise); vgl. KRAUSNICK/WILHELM, S.652.
250 Burkhardt, Bericht, nach dem 31.12.41, in KRAUSNICK/ WILHELM, S.586 f.
251 Synagogengemeinde Köln "An alle Juden in Köln", 13.11.41, in ADLER, Mensch, S.398 f; der Transport ist nicht abgegangen.
252 Das Folgende nach ROSENBERG, S.18 ff.
253 ROSENBERG, S.20.
254 EM 140, 1.12.41, in IfZ, Bestand R 58/219, Bl.222; vgl. dazu KRAUSNICK/WILHELM, S.178, Anm.42.
255 LOEWENSTEIN, S.707 ff; danach auch das folgende. Foto aus dem russischen Ghetto in ROSENBERG, S.23.
256 ADLER, Theresienstadt, S.21.
257 BURSTEIN in: "Aufbau", 21.7.44: "Zwölf blieben am Leben."
258 wie Anm. 61, Bl.539.
259 Temperatur im Januar 1942: minus 40 Grad: ROSENBERG, S.36.
260 wie Anm.64 .
261 ROSENBERG, S.40 f; LOEWENSTEIN, S.710 ff, spricht von 300 Juden in mehreren Lazaretten.
262 ROSENBERG, S.42.
263 Günther Katzenstein, in: ROSENBERG, S.62.
264 nach LOEWENSTEIN, S.710 ff; vgl. ROSENBERG, S.43.
265 wie Anm. 61; Hervorhebung im Original.
266 Eine andere Version bei ROSENBERG, S.37: Erschiessung.
267 LOEWENSTEIN, S.716.
268 Fotos in SCHOENBERNER, Stern, S.96.
269 LOEWENSTEIN, S.715 f; vgl. aber die EM Nr.178 vom 9.3. 42: "Bei einer [...] Judenaktion wurden in Minsk 3.412 Juden erschossen.", zitiert nach LOEWENSTEIN, S.716.
Vgl. anschliessend den "Tätigkeitsbericht [...]" Nr.11, 1.3. - 31.3.42, in Pol. Archiv des AA, Sign. Inland II g 431, Bl. 281 (=IMT, XXXIII, S. 287 ff (=3876-PS)):
Bei grösseren Judenaktionen wurden in Minsk 3.412, in Wileijka 302, Baranowitsche 2.007 Juden erschossen.
Auch wenn es makaber ist: Es besteht kein Grund, an der NS-Zahl zu zweifeln, es sei denn, man nimmt einen zweifachen Schreibfehler an.
270 ROSENBERG, S.47.
271 Kube hat der SS wegen ihrer Behandlung "deutscher" Juden einige Schwierigkeiten gemacht: s. dazu HEIBER in VjhZG, 1956, S.87; HöHNE, Orden, S.340 ff; REITLINGER, S.324.
272 Kube an Lohse, 31.7.42, in IMT, XXVI, S.279 (= PS 3428); Kube spricht von "Minsk-Stadt", demnach gibt es ausserhalb von Minsk noch ähnliche Lager und ähnliche "Aktionen". Weder Kube noch LOEWENSTEIN (S.715) erwähnen Hamburg.
273 Arlt, Tätigkeitsbericht, 3.8.42, in EHRE, S.242; Auszug in ADLER, Mensch, S.196; KRAUSNICK/WILHELM, S.595.
274 LOEWENSTEIN, S. 715.
275 REITLINGER, S.325; ROSENBERG, S.69 ff.
276 LOEWENSTEIN, S.716, ist hinsichtlich der äusseren Umstände vage: Wo lief der Zug ein? Die Passage ist abgedruckt in HOFER, S.311 f.
277 BdS Ostland an RSHA, 15.6.42, in IMT, XXVII, S.106 ff (= PS 501).
278 ROSENBERG, S.36 f; die Gesamtzahl "1.000"(S.37) muss ein Druckfehler sein.
279 siehe unten.
RSHA an Stapo Köln u.a., 3.6.42, in DüWELL, S.309, SCHABOW, S.22.
28094 RSHA an Stapo Köln u.a., 3.6.42, in DüWELL, S.309, SCHABOW, S.22.
281 in HStAD, RW 18/18, Bll.60-66 ("Siegkreis"), oder Bll. 67-70(?).
282 Stapo Köln an Landräte, 8.6.42, in HStAD, RW 18/18, Bl. 58; Faksimile in REIFENRATH, S.151; Druck in LINN, Juden, S.536.
283 Landrat an Bgm., 10.6.42, in HStAD, RW 18/18, Bl.59.
284 "DA" für Deportationszüge mit Juden, deren Ausgangsort ausserhalb Polens lag: HILBERG, S.292, und HILBERG, Sonderzüge, S. 257.
285 wie Anm.94.
286 Stapo Köln an Stapo Koblenz, 11.6.42, in DüWELL, S.310.
287 ebd.; für 318 Menschen: REIFENRATH, S.58; für 800 Menschen: MONUMENTA JUDAICA, S.637.
288 Bgm. (Much), Liste vom 15.6.42, in HStAD, RW 18/18, Bl. 73.
289 siehe unten.
290 GANSEN, Familiennamen, S.48: Der Jude Samuel Moses, geboren 1774 (TRIPPEN, S.112), hat den neuen Familiennamen "Marcus" angenommen. Albert hatte noch eine Schwester (Emma, gestorben 1950) und einen Bruder (Max, gestorben nach dem 15.1.43, in Theresienstadt?).
291 Hildegard mit Ehemann und Tochter Hannelore (geb.1931) am 21.2.38 nach Italien (heute in USA); Grete am 10.5.39 nach GB (heute in USA); Margot mit Ehemann am 24.7.39 nach GB (heute in USA); nach Meldekarten, Stadt Siegburg.
292 Manche Personen durften das Lager verlassen: REIFENRATH, S.51.
293 REIFENRATH, S.53.
294 nach REIFENRATH, S.58 f.
295 Fotos einer solchen Verladung, angeblich vom 27.7.42, im Sta Siegburg, abgedruckt in REIFENRATH, S.56, LINN, Juden, S.649.
296 dazu LINN, Juden, S.251; NEUGEBAUER, S.159.
297 in REIFENRATH, S.59; weitere Abschiedsbriefe in ARNTZ, S. 382 f.
298 am 27.7.42 mit Omnibussen: E. Waldmann in LINN, Juden, S. 252.
299 Stapo Koblenz an Stapo Köln, u.a., 11.6.42, in DüWELL, S. 310, SCHABOW, S.23, KLEE, S.261 f.
300 SCHABOW, S.24; KLEE, S.262.
301 so etwa REIFENRATH, S.58.
302 Sipo Transferstelle Piaski an Sipo Lublin, 11.4.42, in KERMISZ, S.194.
303 Schwurgericht Hagen, Urteilsbegründung 20.12.66, zitiert nach RüCKERL, Vernichtungslager, S.147.
304 nach ADLER, Mensch, S.421.
305 Judenrat Izbica an IKG Würzburg, 29.3.42, in ADLER, Wahrheit, S.69 f.
306 Judenrat Lublin an JSS Krakau, 12.4.42, in FGM, S.275.
307 Sipo Piaski an Sipo Lublin, 11.4.42, in KERMISZ, S.194 f.
308 Eintragung vom 27.3.42, in REITLINGER, S.282.
309 Beschreibungen in RüCKERL, Vernichtungslager, S.51 f.
310 nach MASSENTöTUNGEN, S.170; GILBERT, S.93; FGM, S.271.
311 s. Dokumententeil.
312 Die Begründung ist etwas dunkel, wahrscheinlich steckt etwas anderes dahinter: Es lief gerade eine "Aktion" am Zielort.
313 Die Frage, wer vorher dort gewohnt hat, wird unterdrückt.
314 Beispiele in ADLER, Mensch, S.468 f. Transporte von Düsseldorf nach Izbica (22.4.42): ARTZT, S.120; Würzburg-Izbica (25.4.42): ADLER, Mensch, S.459.
315 in KLEE, S.262; sind "Augustowska" und "Augustovka" identisch?
316 Höfle beging am 21.8.62 in Wien Selbstmord: RüCKERL, Vernichtungslager, S.46, Anm.29; Höfles Kinder - Zwillinge - starben 1943 im Kleinkindalter an Diphtherie: HILBERG, S.366.
317 dazu siehe unten.
318 soviel wie: Oberkreisdirektor, nach RüCKERL, Vernichtungslager, S.50, Anm.39.
319 zuerst abgedruckt in REDER, S.29 f und KERMISZ, S.32 f; ferner in SCHOENBERNER, Stern, S.110 (gekürzt), FGM, S.269 f, und ESCHWEGE, S.243; vgl. REITLINGER, S.283, HILBERG, S.593.
320 Karten in GILBERT, S.91 ff.
321 OBOZY, S.94; RüCKERL, Prozesse, S.36; ders., Vernichtungslager, S.136, Anm.145 a); BRACHER/FUNKE/JACOBSEN, S.556 f; LICHTENSTEIN, S.18.
322 MASSENTöTUNGEN, S.174.
323 Schwurgericht München, Urteil vom 21.1.65, nach RüCKERL, Vernichtungslager, S.133 f; zu "T 4" siehe unten.; Foto von Wirth in KLEE, Dokumente, S.277.
324 GILBERT, S.240; nur 1 überlebender nach RüCKERL, Vernichtungslager, S.83; MASSENTöTUNGEN, S.183.
325 Fotos, undatiert, in OBOZY, Anhang Nr.64.
326 abgedruckt zuerst in VjhZG 1953, S.177 ff; der Gesamttext ab S.185, der Belzec-Abschnitt ab S.189; ferner in POLIAKOV/WULF, S. 101 ff; SCHOENBERNER, S.187 ff (gekürzt); MASSENTöTUNGEN, S.171 (gekürzt).
327 abgedruckt in VjhZG 1959, S.333 ff; HILBERG, Sonderzüge, S.188 ff (gekürzt).
328 SS-Leute Schlauch, Jührs, Pfannenstiel in MASSENTöTUNGEN, S.56 f, 169 f, 172 f.
329 Aussage des G., in RüCKERL, Vernichtungslager, S.143; MASSENTöTUNGEN, S.188.
330 in RüCKERL, Vernichtungslager, S.143 ff.
331 MASSENTöTUNGEN, S.171.
332 RüCKERL, Vernichtungslager, S.133.
333 MASSENTöTUNGEN, S.183.
334 MASSENTöTUNGEN, S.177 f.
335 in RüCKERL, Vernichtungslager, S.156.
336 Transportbefehl in HStAD, RW 18/18, Bll.39 f. Druck (Faksimile) in REIFENRATH, S.152 f.
337 Transportbefehl in HStAD, RW 18/18, Bll.1 f; Druck (Faksimile) in REIFENRATH, S.158 f.
338 nach den jeweiligen Todeserklärungen. Bei LEDERER, S.258 ff, ist ein Kölner Transport mit diesem Datum nicht registriert; nach einer Deportationsliste der Kölner Synagogengemeinde ist dieser Transport zunächst "nach Berlin [gegangen]. Wurde dort geteilt. Die [eine] Hälfte wurde nach Auschwitz, die andere Hälfte nach Theresienstadt gebracht. Anzahl nicht vermerkt.", in ASARIA, S.390.
339 III für den Herkunftsort Köln, /1 und /2 ist die fortlaufende Nummerierung: LINN, S.253.
340 So Heydrich auf der Wannseekonferenz, s.o.; Gestapo Köln an Landrat, 13.6.42, wie Anm. 150.
341 Fotos in NOVAK, passim; Stadtplan in ADLER, Theresienstadt; LEDERER, S.244 f.
342 vgl. ANATOMIE II, S.326; LINN, Juden, S.252 f.
343 s. den Film "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt".
344 so sinngemäss Eichmann, in LINN, S.253; vgl. BRACHER, Diktatur, S.464; ADLER, Mensch, S.194 f; ders., Wahrheit, S.9 f.
345 z.B. aus Bonn Professor Alfred Philippson, für den sich Sven Hedin einsetzt und der den Holocaust überlebt: s. MONUMENTA JUDAICA, S.645, Anm.165.
346 so sinngemäss Eichmann, in LINN, S.253.
347 LEDERER, S.89; übersetzung des Vf.
348 So der SS-Statistiker Korherr in einem Referat, 23.3.43; mit Zahlen in FGM, S.348.
349 nach LEDERER, S.49; vgl. REITLINGER, S.188: 130 Tote pro Tag.
350 Zahlen nach LEDERER, S.40 und 49.
351 aaO, S.46.
352 aaO, S.45.
353 aaO, S.45.
354 aaO, S.37 f.
355 H. Ems in ADLER, Theresienstadt, S.104.
356 LEDERER, S.45.
357 d.i. Dampfnudeln.
358 Faksimile in STARKE, S.238.
359 LEDERER, S.141, Anmerkung 2.
360 aaO, S.140.
361 Todeserklärung Elise Mendel, Beschluss.
362 StandA Rheinbach, Geburtenbuch, Vermerk nach Angaben des Sonderstandesamtes Arolsen, Abt. I, Nr.1471/1980.
363 PHILIPP, S.444 ff; "L.212" bedeutet "Bahnhofstrasse 12", "Qu.613" bedeutet "Rathausgasse 13".
364 Reproduktion in ADLER, Wahrheit, S.273.
365 Nach: GOTTWALDT/SCHULLE, Die Judendeportationen aus dem deutschen Reich 1941-1945, Marix-Verlag Wiesbaden, 2005, S. 430 f.
366 Emanuel Goldschmidt, Mein Letztes!, 21.2.43, in W+V Dortmund, S.297.
367 nach WESKAMP, S.187.
368 BIELEFELD, S.83, nach Sta Dülmen, Akte: Namensänderung der Juden, 1813, Nr.2 und 3.
369 "Verzeichnis der in den Jahren 1933/1939 in Dülmen ansässig gewesenen jüdischen Mitbürger", 1966, in Sta Dülmen.
370 ebd.
371 RBD Königsberg an DR-Stellen; Fahrplananordnung Nr.62, 13.7.42, in BA, R 5/3618, Bl.67.
372 Oskar Hoffmann an Erwin Bernauer, (20.7.42), in HELLMUND, Davidstern, S.90.
373 nach REIFENRATH, S.62.
374 Emanuel Meier ist am 4.3.42 in Much gestorben; Sterbeurkunde (Faksimile) in REIFENRATH, S.119.
375 s. Foto im Dokumententeil.
376 s. Foto im Dokumententeil.
377 wie Anm. 185.
378 RBD Königsberg an HED Minsk, FS, 10.7.42, in BA, R 5/ 3618, Bl.61; Faksimile in HILBERG, Sonderzüge, S.172; s. Dokumententeil.
379 nach den Postkarten.
380 Erich und Rosa Marx an Familie Bernauer, o.D., abgedruckt in HELLMUND, Davidstern, S.93.
381 Oskar Hoffmann an Erwin Bernauer, 24.7.42, in HELLMUND, Davidstern, S.92 (Faksimile).
382 s. Dokumententeil.
383 RBD Königsberg an DR-Stellen, wie Anm.184 .
384 ebd.
385 d.h. etwa 12 Stunden Fahrt und 19(!) Stunden Aufenthalt in Kojdanowo, nach: HED Minsk an DR-Stellen, Telegrammbrief, 17.7.42, in BA, R 5/3618, Bl.71; s. Dokumententeil.
19 ½ Stunden Warten für den Transport vom 6.5.42 aus Wien (8 Tote): HILBERG, S.327 f; die Zustände in einem Waggon beschreibt Aron Carmi in SCHOENBERNER, Gesehen, S.177-183.
386 wie Anm.194 .
387 s. Anm. 184 und 191.
388 s. Anm.185 ; Oskar Hoffmann schreibt zum richtigen Datum irrtümlich "Donnerstag".
389 Arlt, Tätigkeitsbericht, 3.8.42, in EHRE, S.242 f; auszugsweise in ADLER, Mensch, S.195 f.
390 BURSTEIN in "Aufbau", 21.7.44.
391 Arlt, Tätigkeitsbericht, 16.6.42, in EHRE, S.240.
392 Fotos solcher Erschiessungen z.B. in SCHOENBERNER, Stern, S.124-137; CHAGOLL, S.95 ff; in Minsk (Stadt? Kreis?) wurden von Juli 1941 bis Februar 1943 86.632 Juden ermordet: GILBERT, S.251 und 149; in 10 Wochen 55.000: REITLINGER, S.254.
393 Alfred Metzner, Eidesstattliche Erklärung, 18.9.47, in SCHOENBERNER, Stern., S.121 f; ders., Gesehen, S.137 f; Metzner beschreibt eine Erschiessung in Shirowitz bei Slonim, 180 km südwestlich von Minsk.
394 HILBERG, S.703.
395 BURSTEIN in "Aufbau", 21.7.44.
396 ADLER, Mensch, S.198.
397 KRAUSNICK/WILHELM, S.547.
398 MASSENTöTUNGEN, S. 87 ff.
399 s. o.
400 s. Anm. 391
401 Rosel Brod an Lagerkommandanten St. Cyprien, 22.11.40, in ARCHIVES DEPARTEMENTALES, Pau, Bestand Gurs, Akte Erwin Brünell, Nr.15128; s. Dokumententeil.
402 StandA Erftstadt, mündl. Auskunft vom 25.4.88.
403 KAPLAN, S.79; LAMBAUER, S. 251.
404 Karten in GILBERT, S.48 und 56.
405 LAHARIE, S.173 f; Skizze von Gurs s. Dokumententeil.
406 Lagerleitung an Mme. Brod, 9.12.40, wie Anm. 1.
407 s. die folgende Anm.
408 Union Générale ... an Lagerkommandanten, o.D. (vermutlich Juli/August 1942), wie Anm.1 .
409 Lagerkommandant an Union..., 8.8.42, ebd.
410 Lagerkommandant an IRK, 3.9.42, ebd.
411 Lagerkommandant an Mme. Brod, 25.9.42, ebd.; s. Dokumententeil.
412 Lagerkommandant an das belgische RK, 19.11.42, ebd.; s. Dokumententeil.
413 Lagerkommandant an Präfekt, 18.7.42, in SCHRAMM, S.384 (Faksimile).
414 Dienstbesprechung zwischen Eichmann und Dannecker, Vermerk, Paris 1.7.42, in POLIAKOV/WULF, S.223 f (Faksimile); abgedruckt in KLARSFELD, Endlösung, S.70 f.
415 Besprechung Knochen/Dannecker/Bousquet u.a., Vermerk, Paris 6.7.42, in KLARSFELD, Endlösung, S.81 f.
416 Röthke, Vermerk, Paris 28.7.42, aaO, S.98.
417 ADLER, Mensch, S.158.
418 Heini Walfisch, Bericht, in SCHRAMM, S.140.
419 Heinrichsohn, Vermerk, Paris 5.8.42, aaO, S.107.
420 Knochen an Chef Generalstab beim Militärbefehlshaber Frankreich, o.D., in KLARSFELD, Endlösung, S.102.
421 Fotos in WELLERS, S.17.
422 WELLERS, S.88.
423 Dies und das folgende nach WELLERS, S.48, 52 f, 70.
424 In KLARSFELD, Memorial: Convoi Nr.17, wird er als "BRUNNER, Ervin" aufgeführt. Der Minister "des Anciens Combattants et Victimes de Guerre" bestätigt am 17.6.52 seine Deportation, in AG Euskirchen, Todeserklärung Helwine Brünell, Bl.6.
425 KLARSFELD, Memorial: Vorbemerkung zu Convoi Nr.17.
426 ebd.; in CZECH, S.79, und KLARSFELD, Endlösung, S.107, wird als Gesamtzahl 1.006 Juden angegeben.
427 ebd.
428 wie Anm. 24 .
429 Museum Auschwitz-Birkenau an Vf., 10.12.85.
430 übersicht in Sta Siegburg, Nachlass Bers.
431 Meldekarte, Stadt Troisdorf.
432 Norbert Cahn (früher Sieglar) an Vf., 20.2.86.
433 nach REIFENRATH, S.82. Dass Selma Meier in Much gewesen ist, wie REIFENRATH schreibt, ist nahezu auszuschliessen.
434 Foto in GILBERT, S.107.
435 wie Anm. 33 .
436 Heirat 1898 in Düsseldorf, nach AG Düsseldorf, Todeserklärung Leopold Levy.
437 Max Levy an AG Düsseldorf, 1.7.58, ebd.; ebenso Synagogengemeinde Düsseldorf an AG Düsseldorf, 20.6.58, ebd.
438 Die Akte (s. Anm. 39) ist kaum lesbar.
439 Internationaler Suchdienst des Roten Kreuzes, Arolsen, 21.2.57, an RP Düsseldorf, ebd.; die Angabe nach der Transportliste des Lagers Westerbork.
440 nach Schwurgericht Hagen, Urteil vom 20.12.66, in RüCKERL, Vernichtungslager, S.156 f.
441 Jan Pinkowski, seit Februar 1942 Hilfsweichensteller in Sobibor, in LANZMANN, S.58.
442 RüCKERL, Vernichtungslager, S.149.
443 Deswegen wurde Sobibor in Tarnbriefen auch "Arbeitslager Wlodawa" genannt: RüCKERL, Vernichtungslager, S.175.
444 Karten s. GILBERT, S.99, 101, 154, 162; Plan des Lagers in MASSENTöTUNGEN, S.338 ff, und RüCKERL, Vernichtungslager, S.160 ff. Fotos aus den 70er Jahren in OBOZY, Anhang, Nr.66-68.
445 so Pinkowksi, in LANZMANN, S.94; Mai: LUKASZKIEWICZ, S.99; MASSENTöTUNGEN, S.175; BRACHER/FUNKE/JACOBSEN, S.558. HöHNE, Orden, S.345, rechnet ab April.
446 MASSENTöTUNGEN, S.191 f; RüCKERL, Prozesse, S.37. LUKASZKIEWICZ, S.99, rechnet bis November.
447 LUKASZKIEWICZ, S.99; RüCKERL, Prozesse, S.37.
448 MASSENTöTUNGEN, S.178; Lagerkommandant war bis Herbst 1942 OStuf Franz Stangl, auch er T 4- Spezialist: KLEE, S.376 f.
449 MASSENTöTUNGEN, S.177.
450 Ada Lichtmann, Bericht, in MASSENTöTUNGEN, S.175.
451 Bericht in MASSENTöTUNGEN, S.158; vgl. KLEE, S.376.
452 "Schnellbrief" des "Beauftragten für den Vierjahresplan" [Göring] betreffend "Unterbringung der Juden u.a., Mischehen", 28.12.38, in HStAD, RW 18/14, Bll. 157 f.
453 s. ADAM, S.316-333.
454 PolVO "über die Kennzeichnung der Juden", 1.9.41, RGBl I, S.547; MüNCH, S.140 f; HOFER, S.297 f, und öfter; Foto eines "Judensterns" in HELLMUND, Davidstern, S.87.
455 Der gesamte Vorgang in HStAD, RW 18/14, Bll.249-287.
456 Mündl. Mitt. von Frau G., 12.10.84; ebenso das folgende.
457 Fotos in ASARIA, S.346.
458 Dieser Bombenangriff bei Kassel wird auch erwähnt bei RUSINEK, S.250. Ein Zusammenhang mit dem ehemaligen Kloster Breitenau in Guxhagen bei Kassel, in dem u.a. auch Juden interniert waren, scheint nicht zu bestehen. In den Breitenauer Listen sind die Troisdorfer nicht enthalten (mündl. Mitteilung von Herrn Gunnar Richter, Gedenkstätte Breitenau, 26.7.89). Am 27.9.44 wurde ein Bombenangriff auf Kassel geflogen: Fliegerschäden-Bauabteilung Kassel, 5.10.44, Aufstellung über die eingetretenen Fliegerschäden ..., in: Sta Kassel, abgedruckt in: LEBEN IM KRIEG, S.460.
459 ähnliche Schicksale in ARNTZ, S.404.
460 s. den Artikel im RSA: "Jüdische Freunde befreit" vom 17.8.78.
461 Gansen an Landrat, 23.3.44, in ARSK, LSK 4594, Bl.8 ff; dort auch die folgenden Zitate.
462 GANSEN, Bürgerbuch, S.262; TRIPPEN, S.109 ff, druckt im selben Jahr das Bürgerbuch vollständig ab. In dem Zeitungsartikel (Stadt-Anzeiger, 16.2.37) sind die jüdischen Namen genannt.
463 Gansen an Bers, 21.2.62, in Sta Siegburg, Nachlass Bers.
464 s. o.
465 Landrat, Vermerk, 28.3.44, in ARSK, LSK 4594, Bl.9.
466 Landrat an Gestapo Köln, 31.5.44, in HStAD, RW 18/18, Bl.292, Az: IV b 4 -269/44.
467 Mündl. Mitt. Frau He., 9.5.85.
468 Meldekarten, Stadt Siegburg.
469 Das Reich: Göring, Beauftragter für den Vierjahresplan, Geheime Anordnung, 10.12.38: "Im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers ordne ich folgendes an: [...] Der Nutzen aus der Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben kommt allein dem Reich zu.", in IMT, Bd.27, S.69 ff (=1208-PS).
470 Göring an RMI, 24.1.39, in ANATOMIE II, S.282 f.
471 HILBERG, S.103, dort auch weitere Einzelheiten; ADLER, Mensch, S.544.
472 siehe unten.
473 Das Finanzamt Rheinbach gibt Herrn Schweitzer sein Sparbuch zurück, nachdem es die 3. und 4. Rate davon abgebucht hat: ARNTZ, S.298.
474 OFD Köln an LG Bonn, 5.8.53 (Wiedergabe eines Schreibens der Stadt Bonn vom 27.2.51), in HStAD, LG Bonn, Rü T 652/51, Bl. 15.
475 Göring (Generalbevollmächtigter für den Vierjahresplan): Anordnung vom 21.2.39, in RGBl I, S.282, auf Grund der VO über die Anmeldung des Vermögens von Juden (s.o.), s. WALK, III, Nr. 146; vgl. ANATOMIE II, S.278.
476 Rosa Marx an AG SU, Abteilung 4a (Az 4a 53/39), 31.3.39, in HStAD, LG Bonn, Rü 114/52; ebenso aaO, Rü 112/52, Bll.28 f.
477 Bendix, Antrag, 14.4.48, in HStAD, Rü 22/49, Bl.9.
478 Bendix, Antrag, 14.4.48, in HStAD, Rü 301/50, Bl.3.
479 Bendix, Antrag, 14.4.48, in HStAD, Rü 81/49, Bl.2 f; in diesem Fall sind wir ausnahmsweise über den Einzelposten "Judenvermögensabgabe" etwas genauer unterrichtet: s. Anm.77 .
480 s. Aufstellung der Mucher Juden in REIFENRATH, S.137.
481 HILBERG, S.333; zum Sparbuch Marx siehe unten.
482 ADLER, Wahrheit, S.89; vgl. Mädel(RMF), Vermerk 14.12.42, aaO, S.87 ff.
483 RGBl I, S.722 ff; ADLER, Mensch, S.500 ff; Auszug in U+F, Bd.19, S.462 ff; vgl. ANATOMIE, II, S.313 ff.
484 Verfügung, Blankoformular, o.D. (Herbst 1941) in RP Köln, unbezeichneter Bestand, Kopie im ARSK, s. Dokumententeil.
485 RMI an RP, 8.10.41, s. Dokumententeil.
486 wie Anm. 83 .
487 RGBl I, S.1097 f; ESCHWEGE, S.139.
488 verschiedene Rundschreiben und Zahlungsaufforderungen in ADLER, Mensch, S.563 ff.
489 in ADLER, Mensch, S.564.
490 nach HILBERG, S.328.
491 aaO, S.571.
492 RVJD, Merkblatt der Bezirksstelle Köln, 6.6.42, in HStAD, RW 18/18, Bll.48 f.
493 Commerzbank Köln an Vf., 7.5.86; dort auch das folgende.
494 wie Anm. 92.
495 Blanko-Formular in RP Köln, unbezeichneter Bestand, Kopie im ARSK (wie Anm. 84 ); ebenso in HStAD, RW 18/18, Bll. 50 ff.
496 gemeint sind jeweils 25 % des flüssigen Vermögens auf das Sonderkonto "W" (s.o.); Beispiele in ADLER, Mensch, S.567,404,409.
497 Fotos von Deportierten mit Gepäck: LINN, Juden, S.649; SCHOENBERNER, Stern, S.166-184; TEREZIN, S.29; RICHARZ, Bd.3, S. 266.
498 dazu s. ADLER, Mensch, S.612.
499 ähnlich vertraut Albert Marcus seine Metzgergeräte einer Mucher Familie zur Aufbewahrung an, siehe unten.
500 HStAD, LG Bonn, Rü T 744/52; Warum zahlen die O.s das Geld ein, warum erst nach der NS-Zeit? Sie hätten es heimlich behalten können: rechnen sie mit dem überleben Marx'? Haben sie es nicht eingezahlt, um nicht aufzufallen und den Nazis nicht die Herkunft preisgeben zu müssen?
501 in Siegburg, Brandstrasse: Foto in LINN, S.649.
502 nach ADLER, Mensch, S.579 ff; dort auch die weiteren Beispiele.
503 Frau Luise Küpper-Kleina an Bers, 8.7.53, in Sta Siegburg, Nachlass Bers.
504 s. Dokumententeil.
505 Frau Levy sollte im Juni 1941 in das Lager Much "umsiedeln". Zu diesem Zeitpunkt lag sie aber im jüdischen Krankenhaus Köln-Ehrenfeld, Ottostrasse 85: Anmerkung von Gottlieb auf seiner "Liste der nach dem ADL Much umgesiedelten Juden des Siegkreises", 16.6.41, in HStAD, RW 18/18, Bll.206
506 Erklärung der Käufer, des Ehepaares H., 20.7.49, in HStAD, LA f. gesperrte Vermögen: Sophia Levy, 36/160/16144, ohne Bll.zählung.
507 LG Köln, Beschluss (zu 28 Rü Sp 61/58), 29.10.58, in HStAD, LA f. gesperrte Vermögen: Sophia Levy, 36/160/16144.
508 ebd.
509 Finanzamt Siegburg, Erklärung, 5.8.48, in HStAD, LG Bonn, Rü T 742/52, Bl.4, und Rü T 740/52, Bl.2.
510 s. Dokumententeil.
511 LG Köln, Beschluss, 14.6.63, in HStAD, LG Köln, 29 Rü Sp 496/61, Bll.86 ff.
512 angeblich die Familie eines Polizisten; der Name des Nachmieters war Fassbender (LG Köln, Rü 170/59, Bll.27 f).
513 wie Anm. 111 .
514 Finanzamt Siegburg, Erklärung, 5.8.48, in HStAD, LG Bonn, Rü T 742/52, Bl.4; bestätigt von der OFD Köln, 6.1.53, aaO, Bl.7; LG Bonn, Beschluss, 7.4.53, aaO, Bl.8.
515 LG Bonn, Beschluss (zu Rü T 382/51), 12.9.53, in HStAD, LA f. gesperrte Vermögen: Rosa Cahn, 32/325/19138.
516 Foto: SS Lodz vor jüdischem Vermögen, in FGM, S.174 f.
517 nach HERSHKOVITCH, S.96.
518 Judenältester, Bekanntmachung Nr.71, 24.6.40: Die Ghetto-Einrichtungen nehmen "ab Freitag, dem 28.Juni 1940, keine Deutsche Reichsmark, sondern nur noch die von mir herausgegebenen Mark-Quittungen an.": TRUNK, Ghetto, S.70; vgl. WULF, S.19 f.
519 Foto des Ghetto-Geldes in KRONIKA I, S.480.
520 Ribbe an ?, 23.2.42, in BLUMENTAL, Slowa niewinne, S.230 f.
521 Ghettoverwaltung Litzmannstadt, "Kontoauszug per 31.3. 1942.", in HILBERG, Sonderzüge, S.142 f.
522 s. die Schilderung im Gerstein-Bericht, s.u.
523 HILBERG, S.100 ff.
524 ADLER, Mensch, S.544 und 494.
525 nach folgenden Unterlagen:
a) "Vorläufiger Abschlussbericht der Kasse Aktion »Reinhard« Lublin per 15.Dezember 1943", in ESCHWEGE, S.282 f; ARTZT, S.101; vgl. Globocnik an ?, o.D., in IMT, XXXIV, S.82 ff (= 4024-PS); U+F, Bd.19, S.483 ff.
b) "Wertmässige Aufstellung der bis zum 3.2.1943 zur Ablieferung gelangten Judensachen", 27.2.43, in IMT, XXXIV, S.60 ff (= 4024-PS); U+F, Bd.19, S.482; POLIAKOV/WULF, S.43 f.
526 "Beim Sonderkommando Lange [=Chelmno] lagern schätzungsweise 370 Waggons Kleiderstücke.": Ghettoverwaltung an Wirtschaftsamt Posen, 27.5.1942, nach WULF, S.25: je Waggon 13.294 RM nach der Liste »Reinhard« (s.o.) ergeben 4.918.780 RM.
527 nach HILBERG, S.648; vgl. Affidavit von Emil Puhl, in IMT, XXXIII, S.570 ff (=3944-PS).
528 aaO, S.649; ADLER, Mensch, S.542 f, nach FGM, S.427.
529 Restverwaltung des ehemaligen RFM, Bericht, 14.11.46, in ADLER, Mensch, S.545.
530 ESCHWEGE, S.282: 1 Goldbarren = 34.522 RM; U+F, 19, S.485.
531 Bendix an Zentralamt für Vermögensverwaltung, Bad Nenndorf, 13.4.49, in HStAD, LG Bonn, Rü 301/50, Bl.7.
532 LG Bonn, Beschluss, 22.4.52, in HStAD, LG Bonn, Rü 301/50, ohne Bll.zählung.
533 zum Grundstück s. u.
534 Hervorhebung vom Vf.
535 LG Bonn, Beschluss, 7.4.53, in HStAD, LG Bonn, Rü T 742/ 52, Bl.8.
536 Foto (1985); Wilhelm Kuhla berichtet von Eisengittern, einer Eisentür und einer stählernen Rollade, die Brünells irgendwann nach 1933 einbauen liessen: SENIOREN, S.56.
537 Kaufvertrag in AG SU, Grundakte, S.52 ff.
538 Notarvertrag, aaO, S.65.
539 Zollfahndungsstelle an Brünell, 10.2.39, aaO, S.66.
540 LG Bonn, Niederschrift, 4.4.56 und 20.11.56, aaO, S.81 und 84.
541 Schmidt, Ermittlungsbericht, 13.6.51, in HStAD, LA f. gesperrte Vermögen: Samuel Levy, 36/101/16058 a), o.Bll.zählung.
542 Mündl. Mitt. Frau Käthe J., 27.3.84.
543 s.u.
544 Grundschuldbestellung, 2.10.39, AG SU, Grundakte Bl.2032, S.1 ff.
545 Meldekarte, Stadt Troisdorf.
546 eine Verwandte des Käufers, gestorben 1986.
547 Mündl. Mitt. Frau Käthe J., 27.3.84.
548 Frau J. im Gerichtstermin vor LG Bonn zu Rü 124/52, 10.11.52, in HStAD, LG Bonn, Rü 81/49, Bll.49 ff.
549 LG Bonn, Beschluss, 12.11.52, in HStAD, LG Bonn, Rü 84/49, Bl.65.
550 LG Bonn, Vergleich, 2.3.53, zu Rü 124/52, wie Anm. 141 .
551 Bendix, Ermittlungsbericht, 23.5.51, wie Anm. 141.
552 Kaufvertrag, 9.11.39, in AG SU, Grundakte, S.26 ff.
553 gestorben 1934, Foto in OSSENDORF, S.58.
554 Meldekarte, Stadt Troisdorf.
555 s.u.
556 Karoline Trösser an LG Bonn, 30.12.48, in HStAD, Rü 297/50, Bl.3.
557 Der Kreisbeauftragte für gesperrte Vermögen an den Landesbeauftragten f.g.V., 4.5.49, aaO, Bl.6.
558 ebd. und Kaufvertrag, wie Anm. 152.
559 Der Kreisbeauftragte ..., wie Anm. 152 .
560 Tauschvertrag, 29.12.20, in AG SU, Grundakte, S.134 ff.
561 Inventarverzeichnis zum Kaufvertrag, 9.11.39, wie Anm. 152 .
562 s. 2.Kapitel.
563 Die Akten in HStAD, LG Bonn, Rü 297/50.
564 Hans T. an LG Bonn, aaO, Bll.27 f.
565 Frau Trösser an LG Bonn, 2.4.51, aaO, Bl.29.
566 M.-S. an LG Bonn, 10.9.51, aaO, Bl.33 f.
567 LG Bonn, Vergleich, 19.8.52, aaO, Bl.33.
568 Kaufvertrag, 5.2.53, in AG SU, Grundakte, ohne Bll.zählung.
569 Mündl. Mitt. des StandA Leverkusen, 13.8.84.
570 Eheleute S. an LG Bonn, Widerspruch, 14.5.52, in HStAD, LG Bonn, Rü T 380/52, Bll. 10 f.
571 Mündl. Mitt. von Frau N., geb. K., 17.7.85.
572 ebd.; die Miete wurde an einen Rechtsanwalt in Köln, dessen Name nicht mehr bekannt ist, gezahlt.
573 Gemeinde Troisdorf an LG Bonn, 5.11.49, in HStAD, LG Bonn, Rü 81/49, Bl.13.
574 K. an LG Bonn, 6.6.52, in HStAD, LG Bonn, Rü T 460/52, Bl.9.
575 K. an LG Bonn, in HStAD, LG Bonn, Rü 112/52, Bll.15 f.
576 ebd.
577 Mündl. Mitteilung von Josef Engländer sen., 10.7.85.
578 Vergleich, 23.2.1956: in HStAD, LG Bonn, Rü 112/52, Bll.64 ff; ebenso in AG SU, Grundakte Klevstr.25, S.9 ff.
579 Vergleich 12.5.1960, HStAD, LG Köln, 28 Rü Sp 404/59, Bl.206 f; ebenso in AG SU, Grundakte Klevstr.25, S.21 ff.
580 Im Vergleich mit den anderen Käufern jüdischer Häuser hinterlässt K. auch den schlechtesten Eindruck. Andere waren sicher in einer schwierigeren wirtschaftlichen Lage als er;
aber wenn der Richter beim LG Bonn 1955 im Protokoll festhält: Das Gericht hält die (erste) Forderung von 5.000 DM "für der Sach- und Rechtslage angemessen", K. ist erst "nach einigem Bedenken und nach Belehrung" durch das Gericht damit einverstanden;
wenn der Richter beim LG Köln 1959 schreibt, K. erkläre "nach streitiger Verhandlung", die (zweite) Forderung von 3.000 DM sei zu viel;
wenn man die abstrusen Einlassungen ("verseuchtes Vieh", "allgemeine[!] wirtschaftliche Lage") des K. liest;
dann muss man annehmen, dass er am wenigsten den Sinn der "Wiedergutmachung" verstanden hat. Ungeschicklichkeit würde ja nur bedeuten, dass man von ihm behauptet, er habe sich nicht geschickt genug auf das jetzt (1955 ff) politisch erwünschte Verhalten umgestellt - Was mag ihm wohl lieber sein?
581 Das folgende nach WB, 21.2.39.
582 StaT, 2.Meldekarte; das Urteil (AZ: 5 Js 61/39) ist nicht mehr erhalten: StAnw Bonn an Vf., 22.10.84/29.11.84.
583 für Sommer: FA SU an AG SU, 13.10.42, in AG SU, Grundakte, S.25; s. Dokumententeil.
584 RGBl I, S.722 ff; ADLER, Mensch, S.500 ff.