Warhaffte History | Was sich mit dem Hochwuͤr | digisten | Sacrament | des Altars zu Deggendorff | durch unmenschliche geuͤbte | Boßheit der Juden | verloffen. | Mit schoͤnen Kupffern geziehret. | Regenspurg | Gedruckt bey Joh. Baptist Lang | Bischoͤffl. Hoff-Buchdrucker. 1716.
Abbildungen:
Wie die Juden ...DEDICATIO.
Den Ehrn-Vesten fuͤrsichtigen und Wohlweisen Herm Cammerer und Rath der Churfuͤrstl: Stadt Deggendorff: Meinen großguͤnstigen Herrn und Patronen.
EHrnveste unnd Wohlweise Herrn Cammerer und Rath, es werden Eur Vest und Weiß: zweifels ohne noch in frischer Gedaͤchtnuß halten, was massen vor wenig abgewichnen Jahren in Euer Churfuͤrstl. Stadt Deggendorff von den Ehrwuͤrdigen Vaͤttern Capucinern ein andaͤchtige Fraternitet und < > Bruderschafft deß zarten und Miraculosischen Sacrament {welches vor dreyhundert Jahren in Eurer Stadt damalen von den mainaydigen Juden auff das schmaͤhlichst tractiert, nach laut Euer alten unverdencklichcn Relation, so allhie beygedruckt} mit maͤnigliches frolocken auffgerichtet worden, auch biß Dato nit allein von den Bruͤdern und Schwestern, sondern auch anderen umbligenden Orthen und zureysenden Persohnen ein solche Andacht gespuͤhrt und noch Taͤglich GOTT sey die Ehr gegeben dermassen zunimbt, daß sich wol ein gantze gemaine Stadt darab zu erfreuen hat. Wann dann ich auß sonderbarem Eyffer und Antrib eines Geistlichen mit < > einverleibten Herrn Bruders zu groͤsserem Auffnemmen gemelter loͤblichen Bruderschafft und Fortpflantzung der Andacht gegen diesem H hochwuͤrdigen und Miraculosischen Sacrament ersucht worden, diese warhaffte History mit Kupfferstichen zu zieren und in offentlichen Truck zu verfertigen: Also hab ich disem wie billich, wollen nachkommen und dise damalen veruͤbte unmenschliche Boßheit der Juden an dem Hochwuͤrdigen Sacrament mit Kupfferstichcn sambt zweyen andern schoͤnen Andaͤchtigen Rosenkraͤnzlein zu Lob dem hochwuͤrdigen Gut gemacht, Euer Vest und Weiß: gehorsam dedicieren und an Tag woͤllen geben troͤstIicher Hoffnung, es werde einem gantzen Ehrsamen Rath und gemeiner [A3] < > Stadt wie auch einer loͤblichen Bruderschafft zu sonderbaren Geistlichen Trost und Freud geraichen.
Derselben mich zu beharrliche Huld und Gnaden forderist uns alle dem lieben und getreuen GOtt in seinen Willen und Schutz befehlend. Datum in der Chur:Fuͤrstl. Hauptstadt Muͤnchen den 17. Septemb. 1629.
Euer Vest und Weiß:
Jederzeit dienstgeflissner
Peter Koͤnig Burger und Kunstfuͤhrer daselbst.
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History.
Was sich ungefaͤhr bey drey hundert Jahren zu Deggendorff mit dem Hochwuͤrdigen Sacrament deß Altars had zugetragen, genommen auß einer alten Relation daselbst.
DIe alte Relation, von dieser Geschicht verlautet, da von einer Christin die Juden das hochwuͤrdige Sacrament bekommen und mit einer scharffspißigen Aal [=Ahle] so noch verhanden mit Baumbwol umbwunden und in ein Christal verfast durchstochen, darauß alßbald BIut geflossen: Neben vertribnen freventlichen und Gottslaͤsterlichen Mutwillen so die Juden mit dem hochheiligen Sacrament in durchstechung verbracht haben sie [A4] <8> zu fernerem ihrem Muthwillen scharff stechende Doͤrner gebraucht und selbig hochheiliges Sacrament darmit zerkratzt, wie darumb noch ein solcher Dorn der in ein schoͤne silberene Monstrantz verfaßt verhanden: auff welches uͤber vorvermeldtes zu ihrem Hayl erzaigtes Wunderwerck sich dann ein schoͤnes Knaͤblein sehen lassen und erschinen ist.
Als nun die verstockten Juden wie vernommen mit dem Dorn ihren freventlichen Muthwillen, biß sie vertruͤßlich worden, außgeuͤbt und an Erscheinung eines schoͤnen Kindtleins Gottes Wunderwerck zwar gesehen, aber nit erkennen woͤllen, fahren sie auß uͤberheuͤffter Boßheit weiter forth und erdencken ein anders, vermainen sie woͤllen mit Brandt in einem feurigen Ofen das <9> darab zu Ritter werden, aber alles so wol als vor umsonst und vergebens: Dann je mehr sie sich hinein bemuͤheten, je weniger geschicht, die HH. Hostien bleiben vor disem und anderem ihren frevelen beginnen wol sicher. Zu dessen Zeugnuß ligt noch heutiges Tags under dem Grufft Altar das maiste an Steinen von dem Bachofen und sehen vor Augen die Hostien schoͤner noch heutiges Tags als erst neugebachene.
Als wunderbarlich in dem feurigen Ofen das hochheilige Sacrament ohne alle Verletzung wie vermeldet erhalten ist worden, als und noch wunderbarlicher ists nachmahls erhalten worden, da die verstockten Leuth auß uͤberheuͤffter Boßheit noch mit mehrerem frevel und Muthwillen daran gesetzt und selbiges auf dem Anboß mit [A 5] <10> Schmit Haͤmmeren zuschlagen sich unverstanden haben, wie verlautet die alte unverdachte Relation zu Deggendorff und deßwegen der Schmitstock noch unter dem Altar auff der Grufft zu sehen verhanden ist.
Daß demnach sie mit biß anhero vertribner weiß nichts anders als vermeldet außgerichtet, seynd sie zwar mit außgeuͤbten Frevel nit vergnuͤgt gewesen, sonder vermaint unserem lieben Seeligmacher gleichsamb ein Gewalt und noch groͤssere Schmach und so vil muͤglich Marter und Pein anzuthun, und muͤste ihnen zu disem ihren hochgottslaͤsterlichen beginnen herhalten der Schmitstock und Anboß, darzu muͤste ihnen dienen im Grimmen und Zorn erwischte Schmithaͤmmer. <11>
Endlich gedencken die boßhafften Juden, ob sie villeicht mit ihren Gottlosen Rachen etwas zu mehrern Hon und Spott dem Seeligmacher so ihnen zuvor in gestalt eines schoͤnen Knaͤbleins erschinen verbringen moͤchten: understunden sich darauff auß blinder Vermessenheit offt gedachte heilige Hostia zu niessen, kundten aber nit wie fast sie sich deßhalben bearbeiteten und bemuͤhten auff vilfaͤltige Greul und Mutwillen, so die Juden wie vermelt außgeuͤbt und vertriben, hat sich ein Jammer und Klaggeschrey bey Naͤchtlicher weil erhoben und vor den Wachteren sonderlich hoͤren lassen, das sie vermaint als ob Maria die werthe Mutter Gottes fuͤhrte uͤber solche grosse Unbilligkeit ein Muͤtterliche Klag, auff welches sie selben nachgangen und umb <12> der Juden Wohnung solches sonderlich und mehr als anderstwo gehoͤrt und vernommen, derowegen sie verursacht zu der Stadt Cammerer zu lauffen und solches zu referieren, welche dann mit anderen deß Raths solchem alßbald nachkommen und sie sowohl als andere solches vernommen und beyneben einen schoͤnen Hellen Glantz schimmeren und scheinen gesehen, dardurch dann solcher Handl gantz laut rueff und der Juden Mißhandlung offenbahr worden, welche auch darumb die gebuͤhrende Straff eingenommen, seytemahl die Christen sich mit einander verbunden durch Huͤlff und Beystand deß Herrn von Degenberg alle Juden zu erwuͤrgen, welches dann geschehen so sich mit der Flucht nicht salviert haben, darauff alßbaldt ein solche Andacht <13> zu disem H.H. Sacrament under den Christen zugenommen, welche noch jaͤhrlich zu der Zeit der Gnaden oder vollkommnen Ablaß als nemblich von der ersten Vesper S. Michaelis [=29. September] biß nach der anderen Vesper S. Francisci [=4. Oktober] zu sehen ist.
<14>
Coron Zu Ehren deß Hochwuͤrdigen und Miraculosischen Sacrament zu Deggendorf, dessen sich die Bruͤder und Schwester besagten HH. Sacraments mit Andacht gebrauchen moͤgen.
[…]
<28>
Folgen fuͤnfftzig Rosen zu Lob deß H. Sacraments mit Andacht zu sprechen:
[…]
<46>
ENDE.
Wie die Juden das Hochwürdige Sacrament mit spitzigen Ahlen durchstochen haben, und Bluet darauß geflossen ist.

Die Juden zerkratzen das Hochwürdige Sacrament mit scharfpstechendern Dörnern, und läst sich ein kleines Kindlein darbei sehen.

Die Juden werffen das Hochwürdige Sacrament in einem glüent heißen feuer Offen, scheinet aber noch schöner als erst neugebachern.

Die Juden schlagen daß Hochwürdige Sacrament auf einem Amboß mit Schmidhamern und verbleibt doch unverletzt.

Die Juden undestehen sich das Heilige Sacrament durch ihren gottlosen Mundt zu verschluckhen, mögen es aber nit niessen.

Die Christen under reden sich, an den Juden sich zu Rächen, weilln ein schöner Glantz erschinnen in der Nacht und ein Klag geschrey gehört worden.

Die H.H. Hostien und istrumenten Werden den pilgram und durchraisenten mit deren grosen verwunderung gantz frisch und unversert gezaigt.


[1] Fundstelle: BSB München, Signatur BA/Bavar. 1255; urn:nbn:de:bvb:12bsb00002741-7.
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