1716 P. König: »Warhaffte History Was sich mit dem Hochwürdigisten Sacrament des Altars zu Deggendorff durch unmenschliche geübte Boßheit der Juden verloffen.«[1]

Warhaffte History | Was sich mit dem Hochwuͤr | digisten | Sacrament | des Altars zu Deggendorff | durch unmenschliche geuͤbte | Boßheit der Juden | verloffen. | Mit schoͤnen Kupffern geziehret. | Regenspurg | Gedruckt bey Joh. Baptist Lang | Bischoͤffl. Hoff-Buchdrucker. 1716.

Abbildungen:

Wie die Juden ...
Die Juden zerkratzen ...
Die Juden werffen ...
Die Juden schlagen ...
Die Juden understehen ...
Die Christen under reden ...
Die H.H. Hostien ...
Die Schedelsche Weltchronik von 1493
 

DEDICATIO.

Den Ehrn-Vesten frsichtigen und Wohlweisen Herm Cammerer und Rath der Churfrstl: Stadt Deggendorff: Meinen großgnstigen Herrn und Patronen.

 

EHrnveste unnd Wohlweise Herrn Cammerer und Rath, es werden Eur Vest und Weiß: zweifels ohne noch in frischer Gedchtnuß halten, was massen vor wenig abgewichnen Jahren in Euer Churfrstl. Stadt Deggendorff von den Ehrwrdigen Vttern Capucinern ein andchtige Fraternitet und < > Bruderschafft deß zarten und Miraculosischen Sacrament {welches vor dreyhundert Jahren in Eurer Stadt damalen von den mainaydigen Juden auff das schmhlichst tractiert, nach laut Euer alten unverdencklichcn Relation, so allhie beygedruckt} mit mnigliches frolocken auffgerichtet worden, auch biß Dato nit allein von den Brdern und Schwestern, sondern auch anderen umbligenden Orthen und zureysenden Persohnen ein solche Andacht gesphrt und noch Tglich GOTT sey die Ehr gegeben dermassen zunimbt, daß sich wol ein gantze gemaine Stadt darab zu erfreuen hat. Wann dann ich auß sonderbarem Eyffer und Antrib eines Geistlichen mit < > einverleibten Herrn Bruders zu grsserem Auffnemmen gemelter lblichen Bruderschafft und Fortpflantzung der Andacht gegen diesem H hochwrdigen und Miraculosischen Sacrament ersucht worden, diese warhaffte History mit Kupfferstichen zu zieren und in offentlichen Truck zu verfertigen: Also hab ich disem wie billich, wollen nachkommen und dise damalen verbte unmenschliche Boßheit der Juden an dem Hochwrdigen Sacrament mit Kupfferstichcn sambt zweyen andern schnen Andchtigen Rosenkrnzlein zu Lob dem hochwrdigen Gut gemacht, Euer Vest und Weiß: gehorsam dedicieren und an Tag wllen geben trstIicher Hoffnung, es werde einem gantzen Ehrsamen Rath und gemeiner [A3] < > Stadt wie auch einer lblichen Bruderschafft zu sonderbaren Geistlichen Trost und Freud geraichen.

Derselben mich zu beharrliche Huld und Gnaden forderist uns alle dem lieben und getreuen GOtt in seinen Willen und Schutz befehlend. Datum in der Chur:Frstl. Hauptstadt Mnchen den 17. Septemb. 1629.

Euer Vest und Weiß:

Jederzeit dienstgeflissner

Peter Knig Burger und Kunstfhrer daselbst.

<7>

History.

Was sich ungefhr bey drey hundert Jahren zu Deggendorff mit dem Hochwrdigen Sacrament deß Altars had zugetragen, genommen auß einer alten Relation daselbst.

 DIe alte Relation, von dieser Geschicht verlautet, da von einer Christin die Juden das hochwrdige Sacrament bekommen und mit einer scharffspißigen Aal [=Ahle] so noch verhanden mit Baumbwol umbwunden und in ein Christal verfast durchstochen, darauß alßbald BIut geflossen: Neben vertribnen freventlichen und Gottslsterlichen Mutwillen so die Juden mit dem hochheiligen Sacrament in durchstechung verbracht haben sie [A4] <8> zu fernerem ihrem Muthwillen scharff stechende Drner gebraucht und selbig hochheiliges Sacrament darmit zerkratzt, wie darumb noch ein solcher Dorn der in ein schne silberene Monstrantz verfaßt verhanden: auff welches ber vorvermeldtes zu ihrem Hayl erzaigtes Wunderwerck sich dann ein schnes Knblein sehen lassen und erschinen ist.

Als nun die verstockten Juden wie vernommen mit dem Dorn ihren freventlichen Muthwillen, biß sie vertrßlich worden, außgebt und an Erscheinung eines schnen Kindtleins Gottes Wunderwerck zwar gesehen, aber nit erkennen wllen, fahren sie auß berheffter Boßheit weiter forth und erdencken ein anders, vermainen sie wllen mit Brandt in einem feurigen Ofen das <9> darab zu Ritter werden, aber alles so wol als vor umsonst und vergebens: Dann je mehr sie sich hinein bemheten, je weniger geschicht, die HH. Hostien bleiben vor disem und anderem ihren frevelen beginnen wol sicher. Zu dessen Zeugnuß ligt noch heutiges Tags under dem Grufft Altar das maiste an Steinen von dem Bachofen und sehen vor Augen die Hostien schner noch heutiges Tags als erst neugebachene.

Als wunderbarlich in dem feurigen Ofen das hochheilige Sacrament ohne alle Verletzung wie vermeldet erhalten ist worden, als und noch wunderbarlicher ists nachmahls erhalten worden, da die verstockten Leuth auß berheffter Boßheit noch mit mehrerem frevel und Muthwillen daran gesetzt und selbiges auf dem Anboß mit [A 5] <10> Schmit Hmmeren zuschlagen sich unverstanden haben, wie verlautet die alte unverdachte Relation zu Deggendorff und deßwegen der Schmitstock noch unter dem Altar auff der Grufft zu sehen verhanden ist.

Daß demnach sie mit biß anhero vertribner weiß nichts anders als vermeldet außgerichtet, seynd sie zwar mit außgebten Frevel nit vergngt gewesen, sonder vermaint unserem lieben Seeligmacher gleichsamb ein Gewalt und noch grssere Schmach und so vil mglich Marter und Pein anzuthun, und mste ihnen zu disem ihren hochgottslsterlichen beginnen herhalten der Schmitstock und Anboß, darzu mste ihnen dienen im Grimmen und Zorn erwischte Schmithmmer. <11>

Endlich gedencken die boßhafften Juden, ob sie villeicht mit ihren Gottlosen Rachen etwas zu mehrern Hon und Spott dem Seeligmacher so ihnen zuvor in gestalt eines schnen Knbleins erschinen verbringen mchten: understunden sich darauff auß blinder Vermessenheit offt gedachte heilige Hostia zu niessen, kundten aber nit wie fast sie sich deßhalben bearbeiteten und bemhten auff vilfltige Greul und Mutwillen, so die Juden wie vermelt außgebt und vertriben, hat sich ein Jammer und Klaggeschrey bey Nchtlicher weil erhoben und vor den Wachteren sonderlich hren lassen, das sie vermaint als ob Maria die werthe Mutter Gottes fhrte ber solche grosse Unbilligkeit ein Mtterliche Klag, auff welches sie selben nachgangen und umb <12> der Juden Wohnung solches sonderlich und mehr als anderstwo gehrt und vernommen, derowegen sie verursacht zu der Stadt Cammerer zu lauffen und solches zu referieren, welche dann mit anderen deß Raths solchem alßbald nachkommen und sie sowohl als andere solches vernommen und beyneben einen schnen Hellen Glantz schimmeren und scheinen gesehen, dardurch dann solcher Handl gantz laut rueff und der Juden Mißhandlung offenbahr worden, welche auch darumb die gebhrende Straff eingenommen, seytemahl die Christen sich mit einander verbunden durch Hlff und Beystand deß Herrn von Degenberg alle Juden zu erwrgen, welches dann geschehen so sich mit der Flucht nicht salviert haben, darauff alßbaldt ein solche Andacht <13> zu disem H.H. Sacrament under den Christen zugenommen, welche noch jhrlich zu der Zeit der Gnaden oder vollkommnen Ablaß als nemblich von der ersten Vesper S. Michaelis [=29. September] biß nach der anderen Vesper S. Francisci [=4. Oktober] zu sehen ist.

<14>

Coron Zu Ehren deß Hochwrdigen und Miraculosischen Sacrament zu Deggendorf, dessen sich die Brder und Schwester besagten HH. Sacraments mit Andacht gebrauchen mgen.

[…]

<28>

Folgen fnfftzig Rosen zu Lob deß H. Sacraments mit Andacht zu sprechen:

[…]

<46>

ENDE.

  


Wie die Juden das Hochwürdige Sacrament mit spitzigen Ahlen durchstochen haben, und Bluet darauß geflossen ist.

deggendorf

 


Die Juden zerkratzen das Hochwürdige Sacrament mit scharfpstechendern Dörnern, und läst sich ein kleines Kindlein darbei sehen.

deppendorf

 


Die Juden werffen das Hochwürdige Sacrament in einem glüent heißen feuer Offen, scheinet aber noch schöner als erst neugebachern.

deggendorf

 


Die Juden schlagen daß Hochwürdige Sacrament auf einem Amboß mit Schmidhamern und verbleibt doch unverletzt.

deggendorf

 


Die Juden undestehen sich das Heilige Sacrament durch ihren gottlosen Mundt zu verschluckhen, mögen es aber nit niessen.

deggendorf

 


Die Christen under reden sich, an den Juden sich zu Rächen, weilln ein schöner Glantz erschinnen in der Nacht und ein Klag geschrey gehört worden.

deggendorf

 


Die H.H. Hostien und istrumenten Werden den pilgram und durchraisenten mit deren grosen verwunderung gantz frisch und unversert gezaigt.

deggendorf




Abb. 8: Azs der Schedelschen Weltchronik von 1493: Ermordung der Juden von Deggendorf 1338

Fundstelle: Staatsbibliothek Bamberg, Signatur JH Inc.typ. IV, 24, fol. CCXXXv

"Am 30. September 1338 verbrannte oder erschlug die Deggendorfer Bevölkerung unter Führung ihres Stadtrichters Conrad von Freyberg über 400 jüdische Männer, Frauen und Kinder, alle Juden des Ortes. Viele Bürger der Stadt waren bei jüdischen Kaufleuten und Geldverleihern hoch verschuldet. Anstatt ihre Schulden zu bezahlen, ermordeten und beraubten sie die Juden. Der nachträglich (mündlich 1361, schriftlich 1388) konstruierte Vorwurf lautete auf Hostienschändung." https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Deggendorf , siehe auch https://alemannia-judaica.de/deggendorf_juedgeschichte.htm  und https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/c-d/111-deggendorf-bayern .



[1] Fundstelle: BSB München, Signatur BA/Bavar. 1255; urn:nbn:de:bvb:12bsb00002741-7.

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